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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-05-19 · 20 (19.5.1905) · p. Seite 277

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
20 (19.5.1905)
Date
1905-05-19
Page
Seite 277 (sequence 14)
Language
German
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Nr. 20. Israelitische Wochenschrift. Seite 277. m Wanderungen können dem Elend' im Osten Europas nicht steuern. Sie tragen vielmehr nur dazu bei, den um eine Existenz ringenden hungernden Massen, die bereits i»T den Jmmigrationsländerrr sich befinden, den schweren Kampf nicht schwerer zu machen Es ist unbedingt notwendig, daß der Zuzug nach den Ueberseeländern eine Zeit lang vollständig aufhört, damit den Armen drüben Zeit gelassen wird, sich emporzuraffen. Ganz besonders vermieden muß es werden, Frauen und Kinder nachznsenden, bevor nicht der vorausgefahrene Ernährer finanziell so gestellt ist, daß er die Ueberfahrt seiner Familie bezahlen und sie in geordneter Weise nach ihrer Ankunft ernähren kann. Ebenso wie der Arbeitsmarkt ist die Gesetzgebung in den vor allem in Betracht kommenden Ländern derartig, daß eine weitere Einwanderung auf Schwierigkeiten stößt. England ist dabei durch gesetzliche Beschränkungen die Einwanderung einzudämmen. Ein darauf hinzielender Entwurf ist bereits in erster Lesung angenommen Amerika handhabt die Gesetze, welche die Immigration beschränken mit äußerster Strenge. Die Schiffahrtsgesellschaften prüfen, ehe sie einen Auswanderer an Bord nehmen sehr rigoros, ob der Auswanderer den amerikanischen Bestimmungen entsprechend wird landen können. Jährlich werden etwa 15 000 Auswanderer von den Schiffahtrsgesellschaften zurückgewiesen, weil sie den Anforderungen, welche die Landbehörden an die körperliche Beschaffenheit und die Vermögensverhältniffe der Ankömmlinge stellen, nicht genügen, abgesehen von den vielen Tausenden die in dem Hafen Amerikas elbst noch zurückgewiesen worden. Auch Kanada schließt sich mehr und mehr dem Borgehen Amerikas an Angesichts dieser Situation erwächst den jüdischen Organisationen die Pflicht, streng an den Beschlüsse», der Frankfurter Konferenz festzuhalten, daß die Auswanderung unter keinen Umständen durch Geldmittel unterstützt oder sonstwie gefördert werden darf. Ganz abgesehen davon, daß in dem wichtigsten Einwanderungsland die unterstützte Ein»vanderung gesetzlich verboten ist und schon infolgedessen nicht angängig erscheint, kann durch derartige Unterstützungen aus dem oben angegebenen Gründen, die Lage unserer leidenden Brüder im Osten nicht gebessert werde»:, dagegen die Verhältnisse in den Einwanderungsländern so verschlechtert, daß dies zu schweren Schädigungen der Gesammtjudenheit führen kann Die einzige Hilfe, die jetzt seitens der Organisationen geleistet »verden kann und muß ist, daß man an Ort und Stelle, wo ein Notstand im Osten austritt nach Maßgabe der finanziellen Kräfte helfend eingreift, um dem allerschwersten Elend abzuhelfen. — Der D.-J G.-B. erläßt jetzt seine Einladung zum zehnten Deutsch-Israelitischen Gemeindetage am Montag und Die»»stag, den 12. und 18. Juni morgens 10 Uhr in Frankfurt a. M, im Saale der Frankfurt-Loge, Eschenheimer Landstr. 27. In demselben Lokal findet am Sonntag, den 11. Juni abends, 8 Uhr eine Borversaminlung statt. Tagesordnung: 1. Formalien und Bericht, 2. Gründung eines Gesamtarchivs der deutschen Jude»:, 3. Religio»:sunterricht und die damit zusamrnenhängenden Fragen, ^^Bezirksrabbinate, 5. Wanderbettelei und Arbeitsstätten, 6. Für- ]ür geistesschwache Kinder, 7. Satzungsänderunge»:, 8. Zusammenschluß jüdischer Handwerkervereine, 9. Propaganda, 10. Religiöse Fürsorge für jüdische Strafgefangene, 11. Ueber die Verwendung der Zunz-Stiftung des D -I. G -B., 12. Wahlen. Gollub. Von namenlosem Unglück ist eine Familie unserer Nachbarstadt Dobrzyn heimgesucht worden. Aus dem Rückrvege von einer Geschäftsreise wurde in der vorigen Woche der Händler Jacob Luchs von ruchloser Hand ermordet und all seiner Habe beraubt Der so jäh aus dem Leben geschiedene, der bei allen, die ihn kannte»:, seines biederen Charakters wegen, beliebt und geachtet war und mit aufopfernder Hingebung für seine Familie gesorgt hat, hinterläßt eine Witwe mit l0 unerwachsenen und unerfahrenen Kindern. Da in der Familie gleichzeitig bittere Not vorhanden, nimmt Spenden der Synagogen-Vorstand in Gollub, Westpr., entgegen. Würzburg. Das 25jährige Amtsjubiläum des Herrn Distrikts- Rabbiners Nathan Bamberger brachte de»nselben eine Fülle von Ehrungen Schon am frühen Morgen erschien zuerst eine Abordnung der früheren Schüler der Israel. Lehrerbildungs-Anstalt und ließ durch ihren Sprecher Herrn Lehrer Mannheimer-Dettelbach einen Schreibtisch mit Lehnstuhl und einer kostbaren Garnitur überreichen. Ihr schloß sich eine Deputation der gegenivärtigen Schüler an, die ihr Bild, eine Photographie, darbrachten. Die Gemeindeverwaltung übersandte durch eine Abordnung der Verwaltung ein silbernes Jardinwre mit entsprechender Gravierung. Auch die Gemeinden des Distrikts ließen d»»rch ihre Vorstände kostbare Geschenke überbringen. Den Glanzpunkt des Festtages bildete der Festakt, welcher in der zur Aula umgeivandelten Turnhalle der israelt. Lehrerbildungs-Anstalt, in sinniger Weife geschmückt, stattfand. Unter der großen Anzaol der erschie»:enen Gäste bemerkte man als Vertreter der kgl. Regierung Freiherrn von Gumpper:berg, als Vertreter der Stadt Herrn Bürgermeister Hofrat von Michel, als Vertreter des kgl Schullehrer-Seminars dessen Direktor Herrn Königbauer und den kgl. Präfekt Bayer, Herrn kgl. Kreisschulrat Erbshäuser, Herrn Stadtschulrat Ullrich, die Herren Rabbiner Dr. Dr. Adler-Kitzingen, Bamberger-Kissinger:, Bamberger-Wandsbeck, Cohn-Burgpreppach,Stein-Schweinfurt und Weinberg-Sulzburg. Ferner fast sämtliche Professoren und Lehrer der Anstalt, Vertreter der jüdischen Volksschule, fast sämtliche Mitglieder des Kuratoriums und viele andere. Herr Seminarlehrer Weißbart hielt die eigentliche Festansprache. Nach ihm sprach ein Seminarist im Namen der gegenwärtigen Zöglinge. Sodann ergriff Herr Freiherr von Gumppenberg das Wort, um dem Jubilar die Glückwünsche der Regieruug zu überbringen; nach ihm Herr Direktor Königbauer, um namens der Schwester- Anstalt den Jubilar zu beglückwünschen; Herr Dr. Fränkel- Augsburg gratulierte den Herrn Distrikts-Rabbiner im Namen der früheren Schüler; und Hauptlehrer Eschwege-Höchberg und Rabbiner Dr. Cohn-Burgpreppach im Namen der dortigen Präparandenschulen. Zum Schluffe bestieg der Jubilar selbst die Rednertribüne, dankte den hohen und höchsten Behörden und allen Anwesenden für ihr Erscheinen und ließ seine Worte ausklingen in ein Hoch auf unseren erhabenen Regenten, dem sich die Nationalhymne anschloß Um 2 Uhr vereinigte die zahlreich erschienenen auswärtigen und hiesigen Gäste ein solennes Festmahl. Mainz. Jubiläumsfeier für Herrn Rabbiner Dr. Salfeld. Die Beteiligung an der Feier war eine allgemeine. Dem Jubilar wurden von allen Seiten, von Privaten, Behörden und Vereinen teils mündlich, teils'schriftlich zahlreiche Glückwünsche dargebracht. Den Reigen der Gratulationen eröffnete der in oorpors erschiene Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde, mit dem Präses, Herrn Justizrat Dr. F. Ph. Mayer. ' Es folgten da»:n die Ansprachen der Deputationen von Vereinen. Für den großen Krankenpflegeverein sprach Herr Karl Heidenheimer, für die Rhenus Loge Herr Martin Mayer-Ganz, für den Verein zur Beschränkung des Wanderbettels und den Hospitalverein Herr Eduard Simon. Herr Karl Marx aus Alsheim, der Nestor der hessischen Lehrerschaft, schilderte in durchdachten Worten die Verdienste des Jubilars um die Verbesserung der Lage der israelitischen Lehrer des Landes und sein erfolgreiches Wirken als Vorstandsmitglied des Vereins zur Heranbildung und Unterstützung jüdischer Seminaristen im Großherzogtum. Für das Lehrerkollegium der Religionsschnle gab Herr Kantor Nußbaum der Verehrung und Anhänglichkeit beredten Ausdruck Nachdem noch mündlich und schriftlich von den Direktoren der höheren Lehranstalte»:, der christlichen Geistlichkeit, dem Kaufmännischen Verein, der Großloge für Deutschland, der Naffauloge in Wiesbaden u. a, dem Journalisten- und Schriftstellerverei»:, dem Mainzer- Männergesangverein, dem deutsch-israelitischen Gemeindebund, von wissenschaftlichen Vereinigunger», dein Verband der Literaturvereine und von anderen Wünsche dargebracht und die Wohnung des Jubilars durch Geschenke und Blumenspenden überreich geschmückt war, erschienen am Nachmittag die Amtsbrüder Dr. Salselds, in deren Namen Herr Dr. Stein-Worms eine meisterhafte Ansprache hielt und ein kostbares Kunstrverk, eine silberne Nardenbüchse, deren Zweck er geistreich gedeutet hatte, den: Gefeierten überreichte. Nach ihm sprach Herr Dr. Lewit Alzey im Namen des deutschen Rabbinerverbandes. Auch die auswärtigen Religionsgemeinden fehlten nicht unter den Gratulanten. Daß die Ehrungen »vohlverdient sind, bezeuge»: zwei Schreiben, aus denen wir Auszüge mitteile»:. Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner schreibt u. a: . . . Nicht allein haben Sie in der Ausübung Ihres geistlichen Amtes die segensreichste Wirksamkeit entfaltet, Ihr milder und versöhnlicher Sinn hat auch wesentlich zur Erhaltung von Frieden und Eintracht unter den Bekenner»: der verschiedenen Konfessionen beigetragen. Den Bedrängter: und Notleidenden »varen Sie jederzeit ein »varmer Freund und Berater. Eine Reihe vor: Vereinen schätzen in Ihnen ihren Gründer und rverktätigen Mitarbeiter. Der städtischen Verrvaltu»»g haben Sie als Mitglied des Schulvorstandes und Erziehungsbeirates besonders nahegestanden; beide Körperschaften haben auf ihre Mitarbeit jederzeit den größten Wert gelegt urrd »vir geben uns gerne der Hoffnung hin, daß Sie uns mit Ihren reicher: Erfahrungen auf dem schwierigen Gebiete der X

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