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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-05-12 · 19 (12.5.1905) · p. Seite 258

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
19 (12.5.1905)
Date
1905-05-12
Page
Seite 258 (sequence 6)
Language
German
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Seite 268. Israelitische Wochenschrift. Mr. 19 Mehrere Flüsse durchströmen im Winter das Land der Philister. Zuerst begegnet uns von Norden an der Nähr Rubin bei Jebna. Derselbe führt das Wasser des Westabhanges des Gebirges Juda westlich von Jerusalem ins Meer. Bei Jebna wurde vor einigen Jahren eine prachtvolle Brücke gebaut. Bei Asdud treffen wir den Nähr Asdud, welcher ebenfalls die Niederschläge des Gebirges Juda westlich von Bethlehem" dem Meere zubringt. Bei Asdud führt eine alte, sehr breite Brücke darüber. Darauf begegnet uns der Nähr Herbia, welcher aus zwei Hauptarmen besteht. Der eine. Nähr Simsim, kommt aus der Gegend von Betdschibrin; bei Der Esneid führt eine alte Brücke^darüber; der andere, Wadi el Halib, umkreist die Gegend von Gaza und wurde vor einigen Jahren bei Bet Hanun überbrückt. Südlich von Gaza treffen wir Wadi Ghazze, den Fluß von Gaza, der aus der Gegend von Hebron kommt und alles Wasser von Südpalästina ins Meer leitet. In der Bibel heißt er Bosor. Derselbe hat einen bedeutenden Nebenfluß namens Es-Scheria, die Trünke, welcher aus der Gegend von Betdschibrin kommt. Alle diese Flüsse liefern bei starkem Winterregen gewaltige Wassermassen ins Meer, verursachen jedoch keine Überschwemmungen. Hört der Regen auf, so hören auch die Flüsse bald zu fließen auf. Im Sommer führen sie kein Wasser. Das Land hat demnach von diesen Flüssen weder Nutzen noch Schaden. Hören sie im Sommer nicht zu fließen auf, so verpesten die Pfützen, welche sie bilden, vielfach die Luft. Abgesehen davon ist das Klima gesund und die Luft rein. Müssen demnach die Bewohner auf Fluß- und Quellwasser verzichten, so leiden sie doch nicht an Mangel an Wasser, nur müssen sie dasselbe durch Schöpfwerke aus dem Boden heraufholen. Die meisten Brunnen finden sich an der Hauptstraße von Jaffa nach Gaza in Wadi Echnen, Jebna, Asdud, Medschdel, Gaza und Der el Belech. Im Binnenlande finden sich nur Dorfbrunnen, welche das nötige Trinkwasser liefern. Grundwasser findet man fast überall in einer Tiefe von 20 bis 40 Meter, mag man graben, wo man will. In Der el Belech findet man bei 10 Meter Tiefe Wasser in Ueberfluß. Grund und Boden ist, abgesehen von den Sanddünen, durch und durch kultivierbar, Wüsteneien gibt es im Lande der Philister nicht, mögen auch auf Landkarten solche verzeichnet sein. Im Bezirk von Gaza ist lehmiger Boden vorherrschend, im Bezirk von Beer Seb'a dagegen ist der Boden mehr sandig. Die meteorologischen Verhältniste sind günstig. Die Temperatur sinkt selten unter 6 Grad Celsius. Schnee und Eis, Frost und Reif sind fast unerhört. Der Feldbau wird im Winter während der Regenzeit betrieben, wobei außerordentlich wenig Wasser verdunstet. Ist der Boden urbar gemacht, so fließt das Wasser erst ab, nachdem sich der Boden gesättigt hat. Die Umgebung von Gaza hat gar keinen Abfluß ins Meer. Bei starkem Regen bilden sich flache Sümpfe, welche aber bald wieder austrocknen. Die größte Sommerhitze übersteigt, vom Sirokko abgesehen, nicht 30 Grad Celsius. Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 17 Grad Celsius. 40 Zentimeter Regen gut verteilt, genügen, um eine gute Ernte zu erzielen. Die Bewohner treiben Ackerbau, Baumkultur, Viehzucht, Handel und Gewerbe. Man baut Winter- und Sommerfrüchte an; zu elfteren gehören Gerste auf sandigem Boden, Weizen, Linsen, Bohnen, Wicken auf lehmigem Boden. Die Sommerfrüchte Durra und Sesam gedeihen nur auf lehmigem Boden. Grund und Boden in unmittelbarer Umgebung der bewohnten Orte ist Privateigentum, der Rest Dorf- oder Gemeindeeigentum. Das Gemeindeeigentum ist im ganzen Lande der Philister baumlos und wird unter den Berechtigten so verteilt, daß jeder dasselbe Stück Boden nie länger als zwei Jahre bebauen kann. Das Privateigentum wird größtenteils zur Baumkultur und zum Gemüsebau verwendet. Am meisten Baumgärten, Weinberge und Gemüsebau findet man an der genannten Hauptstraße von Wadi Echnen bis Chan Junes. Im Lande der Philister findet man Fruchtbäume aller Art, namentlich Olivenbäume, Palmen, Kaktushccken, Feigen-, Johannisbrot-, Aprikosen-, Mandel-, Aepfel-, Pflaumen-, Pfirsich-, Granat-, Orangen-, Zitronen^ Bäume usw. Der Gemüsebau wird das ganze Jahr hindurch betrieben, nur müssen einige Gemüsearten im Sommer bewässert werden. Merkwürdigerweise gedeihen die Kohlköpfe im Lande der Philister nicht, wohl aber der Blumenkohl. Zwiebel und Knoblauch gibt es massenhaft. Die meisten Brunnen dienen nur zur Bewässerung der Gemüsegärten. Die Viehzucht steht im Dienste des Ackerbaues. Pferde, Esel, Kamele und Rinder, alles muß ackern und dreschen. Daneben gibt es noch Luxuspferde, Schafe und Ziegen in Menge. Da Grund und Boden ausschließlich dem Ackerbau dient, bleiben fast keine Weideplätze a mehr übrig. Wenn es in der Bibel heißt, daß das Land Kanaan von Milch und Honig fließt, so ist allererst das Land der Philister gemeint. Dennoch gibt es in diesem Lande keinen eigentlichen Wohlstand. Ursache davon sind die sozialen und politischen Verhältnisse. Hungersnot, Bettelei und Arbeitslosigkeit sind in diesem Lande fast unbekannt. Wer arbeiten will, findet Beschäftigung und Verdienst, freilich nicht viel, vielleicht nur einen Franken oder noch weniger täglich. Auswärtige oder gar Ausländer finden in diesem Lande keine Beschäftigung auf Kosten der Eingeborenen. Die Bevölkerung ist wenig zahlreich und steht auf niedriger Kulturstufe, wie die Orientalen überhaupt. Der Bezirk von Gaza wird fast nur von Fellachen bewohnt, welche in etwa 60 Dörfern wohnen, die größtenteils aus Lehmhütten bestehen, da festeres Baumaterial im Lande selten ist. Der Bezirk Beer Seb'a wird, außer dem Dorf Beer Seb'a, nur von Beduinen bewohnt, die unter Zelten hausen, abgesehen von Beer Seb'a, das erst seit fünf Jahren wieder aufgebaut wird, gibt es in diesem Bezirk nicht ein einziges Dorf. Die Bewohner des Philisterlandes stammen von den Philistern, Griechen, Römern, Arabern und den Kreuzfahrern ab. Die Zahl derselben beläuft sich auf etwa 200 000 Seelen, fast ausschließlich Mohammedaner. Christen wohnen nur in Gaza und Beer Seb'a, vereinzelt auch in Medschdel, Asdud und Der el Belech. Handel und Gewerbe gibt es nur in Gaza, Medschdel, Beer Seb'a und Chan Junes, vereinzelt auch in anderen Dörfern. Ausfuhrhandel gibt es nur in Gaza; Ausfuhrartikel sind Gerste, Koloquinten, Wolle, Zitronen, Häute und dergleichen. Die Einfuhr kommt über Jaffa. Jerusalem bezieht aus dem Lande der Philister Hühner, Eier, Fische, Gemüse, Früchte. Die Esel ziehen beladen nach Jerusalem und kommen leer zurück. Abgesehen von der Straße, welche Gaza mit der See verbindet, gibt es im Lande der Philister keine gebahnte Straße; doch sind fast alle Wege fahrbar. Die Reede von Gaza wird im nur Sommer von Handelsdampfern besucht. Den Verkehr mit Jaffa besorgen Barken. In gewerblicher Hinsicht sind Töpferei, Färberei, Weberei, Seifensiederei und Müllerei erwähnenswert. Das Land der Philister hat jetzt zehn Dampf- oder Gasmotormühlen, drei in Gaza, zwei in Beer Seb'a und fünf in Fellachendörfern, nämlich in Asdud, Medschdel, Feludsche, Kastine und Katra*). Jüdische Kolonien sind bei Kastine und Katra. Die Ausländer, welche, abgesehen *) Letztere drei Mühlen in jüdischen Händen.

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