Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · p. Seite 236

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
Seite 236 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606543--9258-9606555
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 236. Israelitische Wochenschrift. Nr. 17. Mädchen daselbst untergebracht. In Schreckshaide, ungefähr Vs Stunde von Züllichau entfernt, waren 30 Knaben untergebracht. In unentgeltlicher Pflege, Freistellen, waren in diesem Jahre 117 Knaben und 82 Mädchen, mit denen die Pflegeeltern fast sämtlich sehr zufrieden waren; die Kinder wurden überall liebevoll behandelt und vorzüglich verpflegt. Vielfach wurde ihnen durch Ausflüge und Feste noch besondere Freude bereitet. Besonders hat sich Kempen i. Pos. hierbei ausgezeichnet, 30 Kinder fanden hier freie Aufnahme. Diesen außerordentlichen Erfolg dankt der Verein hauptsächlich den Mitgliedern der Caritas Loge U. O. B. B. Die große Zahl der Freistellen dankt der Verein hauptsächlich dem treuen Freunde der Berliner Ferien-Kolonien, Herrn Lehrer Borchardt in Samter, der sich durch anstrengende Reisen bemüht, den Kreis der Familien, welche Freistellen gewähren, zu erweitern; auch Herr Kantor Gelbart in Stettin hat sich dadurch verdient gemacht, daß er in Pommern 20 Freistellen erlangte Die Aufsicht in den Orten, wo sich mindestens vier Kinder befanden, führten aus: in Allenstein Herr Oberlehrer Levy und Herr Woythaler, in Birnbaum Herr Prediger M. Frank, in Hohensalza Herr Lehrer Samuel, in Janowitz Herr Lehrer Abrahamsohn, in Kempen Herr Lehrer Goldberg, in Marienwerder Herr Lehrer Geisenberg, in Pleschen Herr Lehrer Happ, in Samter Herr Lehrer Borchardt, in Schildberg Herr Lehrer Singermann und Herr Benno Salinger, in Schrimm Herr Lehrer Georg Happ, in Strelno Herr Lehrer Destler, in Znin Herr Lehrer Salinger. — Die von Jahr zu Jahr steigenden Erfolge der jüdischen Ferien- Kolonien sind in allererster Reihe dem unermüdlichen Wirken und Schaffen des Vorsitzenden Adolf Mayer zuzuschreiben, der neben den vielen Ehrenämtern, die er zu versehen hat. sich diesem seinem Lieblingskinde mit ganz besonderer Sorgfalt widmet. Ihm sei auch an dieser Stelle Dank und Anerkennung in vollstem Umfange ausgesprochen. Breslau. (Israelitisches Waisenhaus in Breslau.) Zum Nachfolger des am 1. Oktober d. I. in den Ruhestand tretenden Leiters des israelitischen Waisenhauses zu Breslau, Herrn Silberstein, ist Herr Waisenhausdirektor Katz in Rybnik gewählt worden. Königsberg i. Pr. Der 38. Bericht über den Religionsunterricht der Synagogengemeinde zu Königsberg i. Pr. für das Schuljahr 1904/05, erstattet von dem Dirigenten Dr. Vogelstein, Rabbiner der Synagogengemeinde, enthält eine hochinteressante Schulrede von Dr. Joseph Levin Saalschütz, mit einem Vorwort von Rabbiner Dr. Hermann Vogelstein, ferner Schulnachrichten, vom Dirigenten, und in der Anlage einen Bericht des Bekleidungsvereins für arme Zöglinge der Religionsschule. Auf die Schulrede von Dr. Joseph Levin Saalschütz werden wir noch besonders zurückkommen, und die hervorstechendsten Gedanken derselben in aller Kürze wiedergeben. Aus den Schulnachrichten ist hervorzuhebey, daß in dem abgelaufenen Schuljahr der Unterricht in Fischhausen zweistündig erteilt, in der Knabenreligionsschule eine Ia Klasse errichtet und die II. Klasse für den Unterricht im Hebräischen geteilt, endlich die Organisation der vorstädtischen Mädchenschule durch Errichtung einer die VI. und V. Klasse der höheren Mädchenschulen umfassenden ll. Abteilung weitergeführt wurden. Eine besonders starke Frequenz wies die vorstädtische Mädchenschule auf. Dort war im Winterhalbjahr — eine für den jüdischen Religionsunterricht überaus seltene Erscheinung — eine Klasse mit 37 Schülerinnen. Für das kommende Schuljahr ist daher die Teilung der II. Abteilung bereits vorgesehen. Das laufende Schuljahr begann mit 437 Schülern (252 Knaben und 185 Mädchen); am 1. Februar betrug die Frequenz 441 (256 Knaben und 185 Mädchen). Am 1. Mai wurde das Jubiläum der 25jährigen Amtstätigkeit des Herrn Oberkantors Birnbaum in unserer Gemeinde festlich begangen. Welche Verdienste er sich um die würdige Ausgestaltung unseres Gottesdienstes erworben hat, ist allgemein bekannt und auf das dankbarste anerkannt worden. Die Schüler hatten es sich nicht nehmen lassen, dem verehrten Lehrer durch eine Abordnung ihre Glückwünsche zu übermitteln. Der Jugendgottesdienst hat mit Ausnahme der in die Festzeiten und der in die Ferien fallenden Sonnabende in der Regel an jedem zweiten Sabbat stattgefunden. Der Besuch desselben ist erfreulicherweise ein recht reger gewesen. Die Bibliothek der Synagogengemeinde, die im Bibliothekzimmer der Synagoge aufgestellt ist, ist auch in diesem Jahre durch Ankäufe und Schenkungen vergrößert, aber nur sehr spärlich benutzt worden. Frankfurt a. M. (Israelitische Religionsschule) Schulbericht. Im abgelaufenen Schuljahr wurden 534 Schüler und Schülerinnen unterrichtet. Der Vorstand der Religionsschule ließ vor Beginn des Winterhalbjahr ein Zirkular ergehen, in dem es u. a hieß: „Der Unterricht, der für die einzelnen Abteilungen je zweimal wöchentlich stattsindet, setzt sich in erster Linie zur Aufgabe, die Schüler und Schülerinnen zu einer gründlichen, wortgemäßen und inhaltlichen Kenntnis der heiligen Schrift und der Gebete abzuleiten. In einer Zeit, in der die Glaubensgenossen sich allenthalben vereinigen, um ungerechtfertigte Angriffe und Zurücksetzungen zielbewußt zu bekämpfen, gilt es doppelt, die jüdische Jugend zu den Quellen unserer Religion zu führen, um sie mit jenem Geist des Idealismus und des Glaubensmuts zu erfüllen, den ein vertieftes Eindringen in den Gedankeninhalt unserer Lehre dem jugendlichen Gemüte als kostbarstes Gut für das ganze Leben einprägt." Dieses Rundschreiben bewirkte eine Reihe von Anmeldungen für beide Anstalten. An dem dreistündigen Kursus für Lehrerinnen nahmen vier Hörerinnen und eine Hospitantin teil. Die Lehrstunden in dem Bethhamidrasch und in der Vorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf fanden in der bisherigen Weise regelmäßig statt. Ebenso übte der vor zwei Jahren eingerichtete Kursus für galizische und russische Knaben, der insgesamt sechs Wochenstunden in Anspruch nimmt, einen fördernden und erziehlichen Einfluß aus. Im vergangenen Jahre waren neben dem Dirigenten Dr. Horovitz die Herren Dr. Grünbaum, Schwab, Unna, Stamm, Lipinsky, Dr. Höxter, Levy, Klibansky und die Damen Frl. Adele Strauß und Frl. Babette Bamberger tätig. Ein willkommener Anlaß war dem Lehrerkollegium der 70. Geburtstag, den der Kassierer und Schriftführer des Vorstands, Herr Alfred Geiger am 6. Adar (22. Februar) vorigen Jahres feierte, um dem nie rastenden, hochverehrten Mann in einem von dem Senior des Kollegiums, Herrn H. Schwab, abgesaßten Schreiben, die herzlichste Gratulation darzubringen. Die Finanzverhältnisse der Religionsschule haben sich nicht in der seitherigen Lage behauptet, weil die Geschenke bedeutend abgenommen haben und auch die Jahresbeiträge geringer geworden sind Auf ein Ersuchen haben daraufhin die Gemeindebehörden für 1906/6 einen Zuschuß von 3000 M zugesagt Die Verwaltung der umfangreichen und wertvollen Bibliothek war Herrn Lehrer Unna übertragen. Der Vorstand der israelitischen Religionsschule besteht gegenwärtig aus den Herren: Rabbiner Dr. Horovitz, Professor Dr. Werner. Alfred Geiger, Jsaac Weill, Julius Carlebach, L. Mainz, Jac. S. Posen, Nathan Sondheimer. Feuilleton. Die Trau des. . Historische Erzählung (nach Julio Venturo). Von Mathilde Schmidt. (Fortsetzung.) „Seht, Herr, seht, ob ich mich irre, da geht er." Wirklich sah Diego da Silva den bekannten Arzt auf ein vornehm aussehendes Gebäude zuschreiten, welches von Don Judas, dem Vater der jungen Dame, um die er sich bewarb, bewohnt wurde, und dieser Umstand bestätigte Judits Verdacht. Voll Wut und Haß schlug Diego da Sckva den Rückweg nach seinem Hause ein, das auf dem Platze do Carmo gelegen war. Kaum hatte er die Tore des Judenviertels durchschritten, als ein struppiger Mensch mit den Händen in den Taschen, einen Strohhalm zwischen den Zähnen langsam hin- und herschiebend, gemächlich herangeschlendert kam. „Ihr hier, Se Frade, was wollt Ihr in dieser Gegend?" fragte Diego scharf. „Ich hörte Ew. Gnaden das Judenviertel nennen", sagte Se Frade mit heuchlerisch besorgter Miene, „und dachte, ein Freund in der Nähe könnte Ihnen von Nutzen sein." „Ja, wenn Ihr wirklich mein Freund wäret", meinte Diego sinnend. „Wie können Sie daran zweifeln, Sr. Silva!" erwiderte der andere schnell und beobachtete Diegos nachdenkliche Mienen mit falschem Blick, „ich wäre zu allem für Sie bereit." ^427

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.