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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-28 · 17 (28.4.1905) · p. Seite 234

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
17 (28.4.1905)
Date
1905-04-28
Page
Seite 234 (sequence 10)
Language
German
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Seite 284. Israelitische Wochenschrift. Nr. 17. diese Ansicht ist ja auch die herrschende. Mit Keane („The Gold of Ophir“) hält Mennell ferner das südostafrikanische Ruinengebiet nicht für das Ziel der Ophirfahrten, sondern nur für die Herkunftsstelle des Goldes von Ophir, das selbst in Südarabien läge. Diese Anschauung Keanes wird allerdings keineswegs überall geteilt und steht auf letwas schwachen Füßen. vie Politik. Ilassenstotz. Stolz zu sein ist ein Vergnügen, das man keinem verwehren kann. Wer kennt nicht den Stolz der spanischen Hidalgos, den diese sich leisten, wenn sie nichts zu beißen und zu brechen haben und mit süßem Nichtstun ihr Leben hinbringen! Der weitaus minderwertige Stolz ist aber wohl der Rassenstolz. Im Vergleich zu diesem ist der Nationalstolz, wenn er nicht in bösartigen Chauvinismus ausartet, im höchsten Grad vernünftig und berechtigt. Man kann stolz sein auf die Leistungen seiner Nation auf den verschiedenen Gebieten und dadurch sich und andere anspornen, gleichfalls Hervorragendes zu leisten. Der antisemitische Stolz auf die arische Abkunft ist geradezu lächerlich, etwa so wie der jenes Braven, der stolz darauf war, „Zeitgenosse" zu sein. Es ist wahrlich kein Verdienst weiter, einer bestimmten Raffe anzugehören, wie es kein Verdienst ist, in einer bestimmten Zeitperiode geboren zu sein. Im übrigen muß bemerkt werden, daß es in allen anderen Rassen auch nicht wenig Dumme gibt, die Raffenstolz besitzen. Der Chinese und der Japaner sind auf ihre mindestens ebenso stolz, wie unsere Antisemiten auf ihre arische. Daß aber wirklich ein Minimum von Kulturleistung und Verstand dazu gehört, auf seine Rasse stolz zu sein und ebenso hochmütig wie die Antisemiten auf die semitische und andere herabsehen, das hat neulich ein in der Abteilung Berlin-Charlottenburg der deutschen Kolonialgesellschaft gehaltener Vortrag uns gelehrt. Einen Hauptantrieb, führte der Vortragende aus, zu dem Aufstand bildeten der Stolz und die Hochmut der Herero Ihnen gilt der Weiße nichts, denn er hat das Land nicht erobert, wie sie es getan haben. Die Verachtung der Weißen spricht sich schon in der Bezeichnung aus, die der Herero für ihn hat. Während er dem Namen jedes Lebewesens die Vorsilbe Omu vorsetzt, bezeichnet er den Weißen nur als „gelbes Ding". Man ersieht aus dem hier Mitgeteilten, wie herzlich wenig dazu gehört, auf seine Rasse stolz zu sein und andere in den Kot zu ziehen. Man sieht ferner daraus, wie viel Aehnlichkeit die Antisemiten mit den Herero haben. Die Aehnlichkeit würde noch auffallender sein, wenn die antisemitischen Herrschaften freie Hand hätten. * * * Das Äventeuer des Hrafen 'Mückker-Kt. Uchirue in dem Hotel de Rome zu Berlin wird, wie es heißt, noch ein gerichtliches Nachspiel haben. Wie erinnerlich, kam es in diesem Hotel zwischen dem Grafen Pückler und einem Juwelenhündler Levy aus Frankfurt a. M. zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung, deren Resultat verschieden dargestellt wird. Jetzt ist gegen Herrn Lewy Anklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung erhoben worden. Die Verteidigung hat Justizrat Wronker übernommen. * * * Meöer das Londoner Ghetto berichtet Adele Schreiber in dem soeben ausgegebenen zwölften Heft der illustrierten Zeitschrift „Ueber Land und Meer": Ueber mehrere Bezirke Ost-Londons dehnt sich das Ghetto aus, immer weiter um sich greifend. Seine Eigentümlichkeit ist, daß es nicht etwa wie das Ghetto in Prag, Amsterdam oder anderen europäitchen Städten ein historisches Ueberbleibsel darstellt, sondern daß es eine Institution neuen Datums ist. Obgleich ungehineert, sich ihre Wohnstätten zu suchen, haben sich die nach London eingewanderten Juden in bestimmte Gegenden zusammengedrängt und so freiwillig ein Ghetto geschaffen. Die jüdische Kolonie in London wird gegenwärtig auf etwa 115 000 Seelen geschätzt; mindestens 100 000 davon dem industriellen Proletariat angehörend, bewohnen den Osten. Die Verfolgungen, denen die Juden insbesondere in Rußland und Rumänien ausgesetzt waren, trieben sie über den Kanal in den englischen Zufluchtshafen. Die jüdische Bewohnerschaft, die sich von 1871 bis 188 l nur um 10 Prozent vermehrt hat, stieg in dem folgenden Jahrzehnt, 1881 bis 1891, um 70 Prozent; sie wächst jetzt noch um etwa 12 000 Personen jährlich. Viel Leid haben die meisten erlitten, ehe sie sich dazu entschlossen, mit ihrer letzten Habe die weite Reise von Rußland, Polen oder Rumänien anzutreten, dann wurden sie oft noch auf dem Wege von Agenten oder gewissenlosen Beamten der letzten Barschaft beraubt. Gegen die starke Judeneinwanderung wird vor allem der zweifellos ungünstige Einfluß geltend gemacht, den sie auf Löhne und Arbeitsbedingungen ausüben. Mit den niedrigsten Lebensansprüchen erzogen, von unermüdlichem Fleiß, gewöhnt, sich in alles zu fügen, bilden sie unstreitig ein retardierendes Moment in der englischen Lohnbewegung einiger Branchen, denen sie sich fast ausschließlich zuwenden. Noch geringere Ansprüche an ihre Wohnräume als die englischen Proletarier stellend, sind die Juden überaus gesuchte Objekte für den Wohnungswucher. Von ihnen verlangen die Hausbesitzer viel höhere Mietspreise als von den Einheimischen; vier, fünf, sechs Personen begnügen sich mit einem Zimmer; in winzigen Kammern werden noch Schlafgänger ausgenommen, um den unerhörten Mietszins zu erschwingen, der den Wohnungshyänen pünktlich entrichtet wird. Diese erhöhte Zahlungsfähigkeit, verbunden mit der Tatsache, daß die Juden sich fern von Raufhändeln, von Trunksuchtsexzessen und Gewalttaten halten, macht, daß selbstsüchtige Eigentümer mit Vorliebe an Juden vermieten, ja, daß zahlreiche Hausbesitzer, und zwar größtenteils nichtjüdische, an Christen überhaupt nicht mehr vermieten wollen. Kaum haben daher einige jüdische Familien ihren Einzug in einer Straße gehalten, steigen auch schon die Preise der angrenzenden Häuschen, und binnen kurzer Frist ist die ganze Straße nur von Juden bewohnt, dem Ghetto eingefügt, das so entstand. Dieses enge Beieinanderwohnen begünstigt ein zähes Zusammenhalten in Sprachen, Gebräuchen und Lebensweise, das der Anglisierung verzögernd entgegentritt. * * Wußkand. Aus Kischenew wird gemeldet: Da die antisemitischen Hetzereien angesichts der Osterfeiertage immer drohender zu werden begannen, hat ein Teil der jüdischen Bevölkerung Vorkehrungen zur Gegenwehr getroffen. Die Sicherheitsbehörde, welche hiervon Kenntnis erhielt, ließ bei zahlreichen Juden Haussuchungen vornehmen, und der Gouverneur hat den Kaufmann Moses Silbermann, in dessen Laden und Wohnung in 35 Fässern verborgen gehaltene Revolver gefunden wurden, in administrativem Wege zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. * * * Kuöa. Von der Einwanderung russischer Juden nach Kuba verspricht sich die kubanische Regierung große wirtschaftliche Erfolge. Der kubanische Konsul in Nürnberg, Max Leh-

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