Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 16 (21.4.1905)
- Date
- 1905-04-21
- Page
- Seite 221 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Israelitische Wochenschrift. Seite 221. Nr. 16. mit Genugtuung die großen Sympathien, der sich die in Safed errichtete Volksküche allgemein erfreut. Der Vorsitzende gab Kenntnis von der Finanzlage der Kasse und schloß mit dem erfreulichen Resultat, daß trotz der Barsendungen nach Palästina 4343^0 Mk. und sonstigen Ausgaben der Vermögensbestaud am 10. März 1905 1926 Mk. beträgt. Nachdem dem Vorstande wegen der Kassenverwaltung Decharge erteilt und die Vorstandswahlen vollzogen waren, fand eine lebhafte Diskussion über den weiteren Ausbau der Volksküche statt. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit? besonderem Dank an das Damenkomitee, das sich bezirksweise mit Büchsensammlung befaßt und den Betrag von 2723,03 Mk. in der Zeit vom 1. Januar 1904 bis 10. März 1906 abgeliefert hatte. — Jüdischer Turntag. Am 23. und 24. April wird in Berlin die jüdische Turnerschaft, der Verband der jüdischen Turnvereine, ihre zweite ordentliche Versammlung abhalten. Bei der steigenden Entwicklung und der wachsenden Verbreitung der jüdischen Turnvereine verdient der jüdische Turntag ganz besondere Beachtung. Zu Ehren dieser Tagung wird am Sonnabend, den 22. April abends 9 Uhr in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35 (großer Saal) ein vom jüdischen Turnverein „Bar-Kochba" gegebener Palästinawein-Kommers und am Montag, den 24. April abends 9 Uhr ebenda (Saal ll) eine öffentliche Versammlung veranstaltet, auf der das aktuelle Thema der körperlichen Hebung der Juden in einem Vortrag behandelt werden soll. — Der „Verein zur Pflege hebräischer Musik" hat den Dozenten Herrn Dr. Leopold Hirschberg für einen Vortrag gewonnen, dessen Thema lautet: „Salomon Rossi, ein jüdischer Musiker am Hofe zu Mantua." Der Vortrag wird am 1. Mai d. I. abends 8 Uhr, im großen Festsaale des Logenhauses, Joachimsthalerstraße 13, stattfinden. Außerdem gelangen Kompositionen von Rossi durch den Vereinschor unter Leitung des Kapellmeisters A. Kellermann zur Aufführung. Billets ä 1 Mk. sind bei Bote und Bock, Leipzigerstraße 37, sowie an den mit Plakaten belegten Stellen zu erhalten. Magdeburg. Der Vorstand des „Synagogen-Gemeinde-Verbands der Provinz Sachsen" (Vorsitzender Herr Benjamin Hirsch- Halberstadt) eröffnet seinen soeben erschienenen Verwaltungsbericht für 1904/05 mit Worten pietätvollen Gedenkens für den Heimgegangenen Vorsitzenden des Vorstandes unserer Gemeinde, Herrn Gotthold Simon, und für den Senior und langjährigen Vorsitzenden des Vorstandes der Gemeinde Erfurt, Herrn Isaak Lamm. Durch den Beitritt der Gemeinde Delitzsch ist die Zahl der dem Verbände angehörenden Gemeinden auf 23 gestiegen. Die Tätigkeit des Verbandes war nach Art und Umsang im wesentlichen die gleiche, wie in den früheren Jahren, und vorwiegend dem Religionsunterricht und der Entsendung von Predigern zu den hohen Festtagen zugewandt, wofür insgesamt 2506 M. verausgabt worden sind. In nachahmenswerter Weise ist versuchsweise ein Betrag zwecks Anschaffung von Büchern zur Verfügung gestellt, welche allen Kindern bei Gelegenheit der Inspektion überwiesen werden sollen, um so auch außerhalb der Unterrichtsstunden die Kenntnis des jüdischen Schrifttums verbreiten zu helfen. Die Gesamtausgaben betrugen 3229,08 M, die Einnahmen (einschließlich eines Bestandes von 1220,77 M.) 3829,44 M. Den Verbands-Ausschuß bilden die Herren Benjamin Hirsch- Halberstadt, Vorsitzender, Justizrat Lichtwitz-Magdeburg, Stellvertreter, I. Lindenthal-Magdeburg, Schatzmeister, A. Krojanker- Burg b. M, Ad. Meyer-Stendal, W. Oppenheimer-Nordhausen, A. Sernau-Halle und Herrn. Wolff-Egeln. Hamburg. Ter Verein zur Unterstützung knrbednrftiger Israeliten (Theresien-Stiftung) hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn Ludwig Mathiason ab. Der Verein hat im verflossenen Jahre 52 Personen Den ihnen ärztlich verordneten Kuraufenthalt ermöglicht. 39 weitere Meldungen konnten nicht berücksichtigt werden. Aus dem von Herrn Magnus erstatteten Kassenbericht ging hervor, daß der Verein an einmaügen Spenden 6600 M. erhielt, während die Mitgliederbeiträge 3372 M. betrugen. Als Subvention der Deutsch-Israelitischen Gemeinde gingen 1000 M, an Zinsen 1457 M. ein. Ausgegeben wurden für Unterstützungen 5605 M, für Unkosten 243 M Hamburg. Die Talmud-Thoraschule versendet rhren Jahresbericht. Danach besuchten die Schule am 1 Februar 308.ffchuler, außerdem die Vorschule 233 Schüler. Von d^r 308 Schülern der Realschule waren 237 aus Hamburg. 22 Schüler erhielten das ^b"Nrankfur?a^M. Als besondere Beilage des Programms der Realschule der israelitischen Gemeinde Philanthropln erscheint ein von Oberlehrer Dr. Michel herausgegebener Bericht über di Jahrhundertfeier der Anstalt. Saarburg. Die hiesige israelitische Gemeinde wünscht schon längere Zeit die Verlegung des Rabbinats, das zurzeit in Pfalzburg seinen Sitz hat, nach Saarburg. In den interessierten Kreisen hoffte man zuversichtlich, daß bei der Neubesetzung des vor kurzem freigewordenen Rabbinats diese Verlegung stattsinden würde. Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt. Man kann den Grund hier nicht begreifen, da Pfalzburg etwa 15, Saarburg aber etwa 80 israelitische Familien zählt, Saarburg in der Mitte des Rabbinatssprengels liegt, Pfalzburg an dessen äußerster Grenze. Kassel. Am 15. d. Mts. feierte der Inspektor des israelitischen Friedhofs, Herr Joh Friedr. Menkel, sein 30jähriges Dienstjubiläum. Erwähnt sei, daß der Jubilar den Feldzug 1870/71 mitgemacht hat. Lissa, 11. April. Tie Einweihung der Synagoge der hiesigen jüdischen Gemeinde fand heute Mittag statt Der „Liff. Anz." berichtet hierüber: Nachdem sich der Vorstand der Synagogen- Gemeinde, der Rabbiner und die zahlreichen Ehrengäste vor dem Eingang des Gotteshauses eingefunden hatten, sprach Fräulein Jacobi ein kurzes Gedicht und übergab dann den goldenen Schlüssel dem ersten Vorsteher der Synagogen-Gemeinde, Stadtältesten Jakubowski. der die Tür öffnete, worauf sie die Synagoge betraten, in der die Gemeinde schon versammelt war. Unter den Ehrengästen befanden sich Regierungspräsident Krahmer, der frühere Landrat von Lissa, Polizeipräsident v. Hellmann, Landrat v. Rosenstiel, die Vertreter der Garnison und der Reichs-, Staats- und städtischen Behörden, Magistrat und Stadtverordnete. Chorgesang begrüßte die Eintretenden, worauf Rabbiner Dr. Mandel aus Neutitschein in Mähren, der Schwiegersohn des Dr. Baeck, das Weihegebet sprach und die ewige Lampe anzündete. Hierauf erfolgte unter Chorgesang die Oeffnung der heiligen Lade und nachdem Rabbiner Dr. Baeck das Gebet für den Kaiser gesprochen hatte und die heilige Lade wieder geschloffen war, der Umzug mit den Thorarollen, die sodann in die heilige Lade zurückgegeben wurden. Nun folgte die Festpredigt des Rabbiners Dr. Baeck, und nach einem von Fräulein Helene Wolff aus Berlin herrlich gesungenen Solo erklang als Schlußgesang der 150. Psalm. An die Einweihungsfeierlichkeit schloß sich um 3 Uhr ein Festessen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Herr Joses Carlebach, Sohn des Herrn Rabbiner Dr. Carlebach in Lübeck, ist an das Lehrerseminar des Hilfsvereins der deutschen Juden in Jerusalem berufen worden und wird die Stellung bereits im Mai d. I. antreten. Feuilleton, vie Jm des Uerumilten. Historische Erzählung (nach Julio Venturo). Von Mathilde Schmidt. (Fortsetzung.) „Ich wette, daß keiner von euch oas richtige trifft. Was er im Auge hat, weiß ich am besten", bemerkte der kleine Dicke mit geheimnisvoller Miene. „Er wirft seine Angel aus, wo sich ein Fischchen blicken läßt." „Also irgend eine Liebschaft?" meinte der, welcher sich so interessiert gezeigt hatte, etwas über Diego da Silvas Leben zu erfahren und Se Frade hieß: „Es wundert mich aber sehr, daß er mir das nicht erzählt hat. Na, laß gut sein, ich werde es ihm schon zeigen." „Nichts mehr und nichts weniger als eine Liebschaft." „Und weißt du, wer die Dirne ist?" „Die Tochter des Don Judas." „Sieh da, was für ein Fischchen der sich ausgesucht hat! aber ich wette, er wird es nicht einfangen. Er hat wahrhaftig an einer guten Tür angeklopft", meinte einer, der bis dahin diesem Gespräch wenig Aufmerksamkeit geschenkt und sich stumm verhalten hatte. — — —