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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-21 · 16 (21.4.1905) · p. Seite 222

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
16 (21.4.1905)
Date
1905-04-21
Page
Seite 222 (sequence 15)
Language
German
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Seite 222. Israelitische Wochenschrift. Nr. 16 Wirklich richtete Diego da Silva, indem er mehrere Straßen und Gassen durcheilte, seine hastigen Schritte nach der Villa Nova da Gribralta, welche damals eine der Vorstädte der Stadt war und von den Juden bewohnt wurde. Kaum war er hier angelangt, als er an die niedrige Tür einer Parterrewohnung klopfte. Sogleich öffnete ihm eine Frau mittleren Alters und führte ihn in eine Art Saal. „Was für Neuigkeiten, Judit?" fragte er ohne weitere Vorrede. „Da ist nichts zu machen, Herr", erwiderte das Weib. „Ich habe Donna Esther den Brief übergeben, und sie hat ihn augenblicklich in meiner Gegenwart zerrissen. Sie drohte mir sogar, mich bei Don Judas zu verklagen, wenn ich es noch einmal tun würde. Sicherlich ist da schon ein anderer im Spiel, sonst würde sie sich nicht so zieren." „Bist du dessen gewiß?" fragte Silva mit schlecht verhehlter Wut. „Ich will meinen Kopf darauf wetten." „Wer mag es sein, weißt du es?" drang Diego da Silva in die Alte. „Wenn ich mich nicht irre, so ist es Magister Mopses, der Arzt. Kennen Ew. Gnaden ihn?" „So gut wie mich selbst. Also der Arzt ist es? gut, daß du es mir gesagt hast." In diesem Augenblick ging in der Straße ein Mann vorüber, von ziemlich großer Figur, vollendetem Ebenmaß, kräftig und jung. Diego da Silva erkannte an dem roten Stern auf seinem reichen Wams, daß er zu den Juden gehörte. Die Juden, welche schon zurzeit der Goten die pyrenäische Halbinsel bewohnten, waren unter der Herrschaft der verschiedenen Völker und Fürsten einem äußerst wechselvollen Schicksal ausgesetzt. Während die Goten sie zu unterdrücken suchten, wurden sie von den Arabern begünstigt, da diese den Vorteil erkannten, den sie aus ihrer Arbeitsamkeit ziehen konnten. Unter den späteren Fürsten Portugals gelangten sie, ebenso wie in Spanien, zu großem Ansehen, da sie in der damaligen unwissenden Zeit außergewöhnliche Kenntnisse besaßen und auch große Reichtümer erworben hatten, durch den sie einen bedeutenden Einfluß am Hofe ausübien. Dieser Zustand änderte sich aber unter der Regierung Don Eduards und Don Alfonso V. Sie lebten von andern abgesondert in ihrem Judenviertel, dessen Tore bei Sonnenuntergang geschlossen wurden. Außerdem mußten sie durch ein Abzeichen auf ihrer Kleidung, einem roten Stern auf der Brust, als Juden kenntlich sein. Nur die Eintreibung der Steuern war ihnen geblieben und hierbei rächten sie sich an dem Volk für die Beleidigungen, die sie täglich zu erdulden hatten. Die Könige Don Joao II. und Don Manuel folgten dem Beispiel Spaniens und verhängten eine grausame und barbarische Verfolgung über die unglücklichen Juden. Sie wurden gezwungen das Christentum anzunehmen oder das Land zu verlassen, ohne jedoch ihre Kinder mitnehmen zu dürfen. Dieser grausame Befehl veranlaßte viele, die den Glauben ihrer Väter nicht abschwören wollten, ihre Kinder zu töten, indem sie sie in die Brunnen und Flüsse warfen. Andere ließen sich taufen, waren aber fest entschlossen, in ihren Häusern den Gott ihrer Väter zu verehren, was man ihnen in der Oeffentlichkeit nicht erlaubte. Das konnte aber nicht so geheim gehalten werden, als daß nicht das Volk, ihr steter Feind, es entdeckt hätte, und hierdurch vergrößerte sich der Haß gegen die Marranos (Neubekehrten) immer mehr. Judit, die ihren magern Hals durch das Gitter geschoben hatte, sobald sie die Schritte hörte, sagte, indem sie aus den Vorübergehenden deutete: (Fortsetzung folgt.) lljlTl Mk. 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