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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-14 · 15 (14.4.1905) · p. Seite 205

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
15 (14.4.1905)
Date
1905-04-14
Page
Seite 205 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 15. Israelitische Wochenschrift. Seite 206. und Talrnud-Thora-Vorstandes einzuholen, ob geprüfte Lehrerinnen und Hospitantinnen nicht den vom deutsch-israelitischen Gemeindebund eingerichteten Kursen überwiesen werden sollen. Dr. Minden empfiehlt ebenfalls die Rückverweisung der Vorlage an den Schulvorstand. Der Korreferent Justizrat Dr. Simon tritt für die Vorlage ein unter der Modifikation, die genannten Damen zuzulassen, sobald sie sich verpflichten, den ganzen Coetus (3 Jahre) durchzumachen. Außerdem beantragt er, den Gemeindevorstand zu ersuchen, mit den Behörden betreffs einer Qualifikationserteilung an die Lehrerinnen für den Religionsunterricht in Verbindung zu treten. Beide Anträge des Korreferenten wurden angenommen. Auf Wunsch der in Pankow wohnhaften Gemeindemitglieder wird der bisher dort für Knaben und Mädchen gemeinschaftlich erteilte Religionsunterricht getrennt. Jede Abteilung wird nach dem Ausschußantrage nunmehr wöchentlich zwei volle Unterrichtsstunden erhalten. Zur Speisung Inhaftierter in Brandenburg werden 200 Mk. bewilligt, ferner die Kosten für den durch den Neubau notwendig werdenden provisorischen Unterricht der Zöglinge der jüdischen Knabenschule im Betrage von 57 760 Mk. Die Einrichtung einer vierten Abteilung in der Religionsschule in Weißensee wird genehmigt. Der Religionsgemeinde Schachere hatob und B'ne Brith werden 950 Mk. als einmaliger Zuschuß zur Schuldentilgung und die Erhöhung ihrer Jahressubvention von 3600 Mk. auf 3500 Mk., der israelitischen Vereinigung von Friedrichsberg ein Drittel der Gesamtkosten ihrer neuerrichteten Synagoge bis zum Höchstbetrage von 2000 Mk. und eine Subvention von 2000 Mk. bewilligt. Der Verein für Arbeitsnachweis erhält die bisherige Subvention von 2000 Mk., der Fortbildungsverein Montefiore und der Verein jüdisches Kinderheim je 300 Mk. jährlich. Zum Schluß der mehr als dreistündigen Sitzung wurden folgende Herren gewählt: Eugen Proskauer und Heinrich Bock m oen Vorstand der Synagoge Rykestraße, Maurermeister Samuel Weile in die Baukommission, Berthold Israel in die Fürsorge- Kommission, Rentier Bernhard Joseph, Max Lichtenstcin, Salo Eassirer, Rentier Emil Eohn in die Kommission für Unterstützung hilfsbedürftiger Durchreisender. Die Politik. Zu der Debatte im Reichstage über die Stellung des Kaisers Ariedrich zum Antisemitismus wird der „Voss. Ztg." von authentischer Seite Folgendes geschrieben: Im Winter 1880/81 trat die Judenhetze mit verstärkter und erneuter Kraft auf, hervorgerufen durch einige absichtliche Aufreizungen in der Oeffentlichkeit durch fanatische Antisemiten. Die Sache hatte auch die Lehrerschaft Berlins ergriffen; der damalige Stadtschulrat Dr. Cauer nahm Stellung zu der Frage, sowohl in der Stadtverordnetenversammlung, wie in einer Erklärung, daß er diejenigen Lehrer entlassen würde, welche die Judenfrage in die Schule hineintragen würden. Seine klare und unzweideutige Haltung regte nicht allein die damaligen noch mächtigen Stöckerianer auf, sondern rief auch den Widerstand jener Lehrer hervor, die sich nicht mit der Toleranz des Stadtschulrats dem Judentum gegenüber einverstanden erklärten. Im Einverständnis mit dem Oberbürgermeister Forckenbeck erfolgte ein festes und entschiedenes Votum der Lehrerschaft gegenüber, daß der Grundsatz, die Schule frei von jeglicher Agitation zu halten, mit aller Energie durchgeführt werden würde. Auf Wunsch von mehreren Seiten entschloß sich Dr. Cauer, trotzdem er sich schon leidend fühlte, in einem Bortrage die Gedanken Lessings in „Nathan dem Weisen" im Hinblick auf Christentum und Judentum dem Publikum wieder einmal ans Herz zu legen. Einige Tage vor dem Vortrage erhielt Dr. Cauer die Nachricht, daß der Kronprinz mit seiner Gemahlin nnd seiner Umgebung dem Bortrage beiwohnen würden. Jedermann empfand die Ankündigung als das, was sie auch sein sollte, als eine Kundgebung gegen die herrschende Hetze, die bis in die höchsten Kreise hinein von der Stöckerschen Clique vollführt wurde. Das kronprinzliche Paar erschien zu dem Vortrage. Sowohl der Kronprinz wie seine Gemahlin drückten ihre Zustimmung zu dem Verhalten des Stadtschulrats aus und gaben der Hoffnung Raum, daß die Lessingschen Ideen Gemeingut des Volkes werden möchten. Juden als Soldaten. In Frankreich wird die Stadt Tülle demnächst einem jungen jüdischen Soldaten Namens Charles Lovy, der im Alter von dreiundzwanzig Jahren auf dem Felde der Ehre gefallen ist, ein Denkmal errichten. Die kurze Lebensgeschichte dieses Soldaten ist jüngst vom Oberstleutnant Aronson in einer auf der Mairie des 4. Pariser Arondissement abgehaltenen Konferenz und vorher von Herrn Rene Fage in Tülle erzählt worden. Lovys Vater schon hatte sich 1870, obwohl bereits militärfrei, auf die ganze Dauer des Krieges zum Dienst verpflichtet. Der junge Lovy, der bereits im Alter von dreizehn Jahren bei einer Feuersbrunst Proben von Mut und Kaltblütigkeit abgelegt hatte, absolvierte die Jnfanterieschule, ließ sich in das 105. Linienregiment aufnehmen und drei Jahre später finden wir ihn in Algier an der marokkanischen Grenze beim 2. Schützenregiment. Seine Kompagnie muß zehn Mann stellen, um einen isolierten Posten — Ksar-el- Azoud — zu besetzen. Auf vieles Bitten erhält Lovy das Kommando über diese kleine Truppe, die am 3. März 1903 auf ihren Posten anlangt. Die Gegend ist dort schwer heimgesucht von Räubern und eignet sich ganz besonders zu Hinterhalten. Ueberall sind Ruinen. Bis zum 28. ereignet sich nichts besonderes. An diesem Tage aber wird die kleine Truppe von hundertundfünfzig marrokkanischen Räubern überfallen. Beim Hören des Gewehrgeknatters eilen 30 Männer herbei um der Truppe Hilfe zu leisten. Da sie aber ihre Ohnmacht erkannten, ziehen sie sich zurück. Lovy bleibt mit drei Schützen zurück, weniger um die Stellung zu verteidigen als um den Rückzug der Uebrigen zu decken. Alle vier sterben, fern von der Heimat, den Heldentod. Die Stadt Tülle ehrt das Andenken ihres gefallenen jüdischen Bürgers durch ein Denkmal. * * -i- Die jüdische Bevölkerung chroßörilanniens. Von der Londoner „Jüdischen Gesellschaft" angestellte Erhebungen haben mit ziemlicher Sicherheit ergeben, daß sich die jüdische Bevölkerung Großbritanniens auf 184 000 beziffert, von denen 128 000 in London, die restlichen 56 000 in anderen englischen Großstädten leben. Bemerkenswert ist die jüdische Todesrate im Vergleich zu der eingeborenen Bevölkerung; denn sie stellte sich im verflossenen Jahre in Manchester auf 55,98 gegen 72,50 im Tausend. In anderen Städten beträgt sie durchschnittlich 16,99 gegen 21,78. Der Bericht hebt noch den großen Kinderreichtum der in England angesiedelten jüdischen Familien hervor, die meist mit dem Vorsatze einwandern, sich seßhaft zu machen. -i- * Die Einwanderung der jüdischen Armen nach England dauert noch immer an, trotz der fortwährend wiederholten dringenden Warnung der jüdischen Armenpfleger und Organisationen. Der Bericht der jüdischen Armenpfleger für 1904, der eben erschienen ist, konstatiert, daß in diesem Jahre nicht weniger als 6000 jüdische Arbeitslose und 22 000 jüdische Frauen und Kinder unterstützt und für mittellose jüdische Einwanderer nicht weniger als 1 200 000 Mk. aufgewendet werden mußten. Die meisten derselben wurden nach Kanada und Argentinien weiterbefördert. * * * Das Uecht auf Segen. Die Handelsleute David Krautkopf, Leopold Löb und dessen Sohn aus Wachenheim a. d. Ufa sind der Störung des Gottesdienstes angeklagt. Sie sollen auf dem Versöhnungs- und Laubhüttensest im vorigen

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