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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-04-07 · 14 (7.4.1905) · p. Seite 189

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
14 (7.4.1905)
Date
1905-04-07
Page
Seite 189 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 14. Israelitische Wochenschrift. Seite 189. Die von dem Verfasser beigefügten Noten geben alle wünschenswerten und notwendigen Erläuterungen. Auf eine deutsche Übersetzung des hebräischen Textes wurde wohl verzichtet, um des streng wissenschaftlichen Charakters willen, den die Arbeit hat. Eine solche Uebertragung wäre ganz zweckmäßig, um den des Hebräischen nicht völlig mächtigen Leser einen Einblick in Geist und Denkweise der polnischen Juden im 17. Jahrhundert zu geben. Im geistigen Zusammenhang mit der Vierländersynode bleiben wir bei der vortrefflichen Biographie Akiba Egers. Das Leben und Wirken dieses rabbinischen Heros des 18. Jahrhunderts, dem trotz mancher Vorarbeiten die rechte geschich'.liche Würdigung versagt geblieben ist, schildert Rabb. Dr. Wreschner- Sammter in anziehender geschmackvoller Darstellung unter gewissenhafter Benutzung der Quellen. Ein anschauliches Bild seines Helden, seines Lehrganges, seiner Bedeutung und Wirkungen für Theorie und Praxis im Judentum, wird uns vor Augen gestellt. Mit großem Geschick weiß W. den Leser mit den geistigen und ethischen Stimmungen im Spätrabbinismus vertraut zu machen, für dessen sittliche Vorzüge er mit feinem Takt einem der schärfsten Gegner der talmudischen Richtung, David Friedlaender, das Wort führen läßt. Der apologetischen Wichtigkeit wegen mag diese Stelle auch hrer ihren Platz finden. „Wahr ist es, von Gott und seinen Eigenschaften haben sie erhabene und richtige Vorstellungen, ihre moralischen Grundsätze sind streng, ihre Uneigennützigkeit und Wohltätigkeit sind rühmenswert. Jedes Versprechen ist ihnen heilig. Gottergeben sind sie im Leide, und selbst der kleinste Rabbiner ist Moralist, dringt auf tugendhaften Wandel, Bezähmung der Leidenschaften, und ist als Richter unbestechlich." Gleichfalls in der spätrabbinischen Sphäre bewegen sich die lehrreichen Mitteilungen des Mannheimer Rabbiners Dr. Unna aus den Responsen des R. Joel Serkes. Zweifellos sind für die Erforschung der jüdischen Geschichte zumal die juristischen Gutachten der Rabbiner von großer Bedeutung. Auch in den Responsen Joels, der um 1600 in Polen blühte, findet sich reichhaltiges kulturhistorisches Material über die äußeren und inneren Verhältnisse der polnischen Judenheit. Wir blicken in die tieferen Ursachen des furchtbaren Kosakenaufstandes, wenn wir uns die in den Responsen berücksichtigten, eigenartigen sozialen Verhältnisse der Juden vergegenwärtigen. Auch über den Geschäftsverkehr und seine Formen, wie über die mannigfaltigen Handelsbeziehungen der Juden finden wir Aufklärung und sehen, daß die Lage der Juden, auch vor dem Kosakenaufstand keineswegs eine gesicherte war, was schon die häufigen Kämpfe zwischen Polen und Russen nicht ermöglichten. Von den das innere Leben der Juden betreffenden Notizen ist wohl die Klage der Amsterdamer Rabbiner über einen Freigeist, dem nur die Philosophie Autorität ist, die interessanteste, ob wir aber in ihm den bekannten Uriel Akosta zu sehen haben, scheint mir doch des Beweises zu ermangeln. Nicht nur sittengeschichtlich, sondern ethisch wertvoll ist, was Prof. S u l z b a ch über einen alten FrankfurterWohltätigkeitsv er ein zu erzählen weiß. Es ist die der Holzverteilung an Arme, der Krankenpflege und dem Torastudium gewidmete Vereinigung Rodfe Zedaka, deren Statuten ein schönes Denkmal sind von dem hohen sozialen Pflichtgefühl, das unsre Altvordern beseelte. Zur politischen Geschichte der Juden liefert Liebes Handschriftliche Mitteilungen aus einer Chronik, welche die leidensreiche Geschichte der Prager Gemeinde während der schlesischen Kriege beleuchten. Es wäre zu wünschen, daß der belesene und kenntnisreiche Herausgeber unter gewissenhafter Benutzung der archivalischen Schätze und der mannigfachen Vorarbeiten eine zusammenhängende Darstellung von den Geschicken dieser böhmischen Großgemeinde während der Kriegszeit 1744 -63 liefere; selbst in den größeren Geschichtswerken findet man hierüber nur dürftige und spärliche Bemerkungen, sodaß eine solche Arbeit eine wirkliche Lücke ausfüllen würde. Durch die ganze Literatur der nachtalmudischen Zeit führt uns Professor Berliner in seiner literarischen Causerie über hebräische Büchertitel. Wenn einer, so ist er imstande, mit Leichtigkeit eine Fülle feiner und lehrreicher Bemerkungen darüber zu machen und wir können uns die Freude der Jünger sehr wohl denken, die als Chanukaangebinde von ihrem verehrten Meister diese geistvolle Plauderei erhielten, die im Fluge durch Länder und Zeiten führt. Es hieße der reizvoll geschriebenen Skizze unrecht tun, wollten wir Einzelheiten herausgreifen. Wo Tora ugdiolla bemakom echad ist, Gelehrsamkeit und souveräne Herrschaft über den Stoff, da allein lassen sich die Resultate jahrelanger, enrsagungsreicher Studien im leichten Plauderton mitteilen, ohne der Gediegenheit Abbruch zu tun! Und auch wieder sei es gesagt, wie schon bei anderer Gelegenheit, was uns Berliners Arbeiten so besonders lieb macht, ist der warmherzige jüdisch-innige Ton, der nicht selten die nüchterne Gelehrsamkeit so angenehm unterbricht. Originalität und scharf ausgeprägte Eigenart läßt auch der Aufsatz des seligen Berliner Beihamidrasch Rabbiner A. Biberfeld, der uns in das biblische Altertum führt, nicht vermissen. Wer — wie Schreiber dieses — den verblichenen Gelehrten als edlen Menschenfreund und hervorragenden Talmudkenner kennen zu lernen reiche Gelegenheit hatte, dem wird es eine innige Herzensfreude sein, diesen wie aus Marmor gemeißelten Charakter hier auch als schöngeistigen und feinsinnigen Schriftsteller kennen zu lernen, dessen wohl abgetönte formschöne Sätze die klare am Talmud erstarkte Dialektik nur um so schärfer hervortreten lassen. B. behandelt die Entwicklung des Königtums in Israel. Ausgehend von dem Widerspruch des deuteronomischen Königsgebot mit Samuels anfänglicher Weigerung gegen die Königswahl gibt er eine lichtvolle Uebersicht über die mißlungenen Ausgleichsversuche, wobei die Erklärung des Apostaten Paulus Burgensis mit ihrer künstlichen Distinktion zwischen konstitutioneller und absoluter Monarchie besonders auffallen dürfte. Gegen ihn hatte Abarbanel mit satirischer Schärfe polemisiert. Abarbanel faßt die Deuteronomiumstelle nicht als Gebot, sondern als Verheißung auf. Das widerspricht nun freilich der traditionellen Auffassung und dem strikten Wortlaut des Bibelverses. Der Vers, macht daher folgenden Ausgleichsversuch. Gott habe die Einrichtung des Königtums erst für die Zeit nach völliger unangefochtener Eroberung des Landes geboten. Samuel habe, da er diese Zeit noch nicht herangebrochen hielt, sich anfänglich geweigert, euren König zu wählen. Auf den naheliegenden Einwurf, daß dann folgerichtig alle diese Gebote, bei denen die Erfüllung an die Besitzergreifung des heiligen Landes geknüpft ist, auch erst zur Zeit Davids hätten in Kraft treten dürfen, geht der Verfasser nicht ein. Auf zwei neuentdeckte Siegelinschriften aus der Königszeit macht Professor Barth aufmerksam. Der erste ein ovaler Jaspis in Talergröße im Wert von 50 000 Fr. mit dem Namen: Schamma Knecht Jerobeams und dem Embleme eines Löwen mit aufgerichtetem Schweif weist auf einen hohen Beamten des israelitischen Königs Jerobeam hin. Eine zweite Siegelinschrist: Schamma, dem Knecht des Königs, ist zu Je-

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