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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · p. Seite 164

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
Seite 164 (sequence 13)
Language
German
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Seite 164. Israelitische Wochenschrift. Nr. 12. gelüste, einmal gepflanzt, sich weiter und weiter verbreitete? Wer Wind sät, wird Sturm ernten, sagt ein altes Sprichwort." Nom, 17. März. (Bevölkerungsstatistik.) Ein interessantes Bild, wie in Rom, der Hauptstadt der katholischen Christenheit, die Konfessionen sich auf die Bevölkerung verteilen, gibt eine Vergleichung der statistischen Resultate der Volkszählung von 1871 und 1904. In dem Zeitraum von 33 Jahren hat sich die Zahl der Bevölkerung fast verdoppelt. Mit dieser Verdoppelung der Gesamtbevölkerung hat die Zunahme der einzelnen Konfessionen nicht gleichen Schritt gehalten, mit Ausnahme der Katholiken. Von den nichtkatholischen Konfessionen ist die Zahl der Juden nur wenig in den 33 Jahren gestiegen und im Verhältnis zur Gesamtzahl der Bevölkerung hat sie sogar abgenommen. Im Jahre 1832 bildeten die Juden 3,3 pCt. der Bevölkerung, 1862 nur noch 2,2, 1871 2 pCt. und heute anderthalb Prozent. Hierbei ist jedoch zu bemerken, daß viele der jetzt in Rom ansässigen Juden es vorziehen, ihre Religion überhaupt nicht anzugeben. Petersburg, 21. März. (Neue Antisemitenkrawalle.) In Njeshin ist eine israelitische Familie in brutaler Weise ermordet worden; es liegen schwere Indizien gegen vier Soldaten der dort garnisonierenden Batterie vor. Von Borissow sind drei Eskadrons Dragoner nach dem Flecken Beresino im Kreise Jgumen und Kaidanowo im Kreise Minsk abgegangen. Wie es heißt, sind in Beresino von der jüdischen Bevölkerung Unruhen hervorgerufen, bei denen der Polizeikommissar und ein Landpolizist erschlagen worden sind. Immer das alte Lied: die bösen Juden haben die braven orthodoxen Christen so lange geärgert, bis diese sie zum weiteren Ruhm des Zaren totschlugen. Andere Berichte^sind von russischen Offiziösen nicht zu erwarten. New-Nork, 14. März. (Großes Brandunglück.) Bei dem Brande eines Miethauses in New-Pork in der Allen-Straße, im östlichen Teil der Stadt ist, wie ein Kabeltclegramm meldet, eine große Anzahl Personen ums Leben gekommen. Neunzehn Leichen sind bereits aufgefunden, viele werden jedoch noch vermißt; zwölf Personen wurden verletzt, davon drei lebensgefährlich. Die Opfer sind zum größten Teil polnische Juden. Personalnachrichteu und kleine Mitteilungen. Herr W. Schüler, Kultusbeamter in Guttstedt feierte sein 25jähriges Amtsjubiläum. — Die israelitische Gemeinde in Peine (Hannover) beabsichtigt die Errichtung einer Synagoge. —- Tie Stadtvertretung von Friedrichstadt (Holstein) beschloß für den Religionsunterricht in der jüdischen Gemeinde 100 Mk. zu bewilligen, falls der Staat die gleiche Summe zu diesem Zweck überweise. Vakanzen. Rabbiner in Schön tanke, Gehalt einschl. Nebeneinkünfte ca. 3000 Mk., sowie freie Wohnung. Meldungen an den Synagogeu-Vorstand. — Sem. geb. Religionslehrer, Kantor und Schächter per 1. April in Pr. Friedland, Gehalt 1800 Mk., Nebeneinkommen ca. 600 Mk. Offerten stimmbegabter Bewerber werden vom Vorsteher Herrn P. Freundlich entgegengenommen. — .Kantor, Lehrer und Schächter per 1. April in Baerwalde i. P. Gehalt 900 Mk., freie Wohnung und ca. 100 Mk. Nebeneinkommen. Meldungen an den Vorstand. — Religionslehrer mit kantoraler Befähigung per 1. April für eine Gemeinde in der Eifel. Fixum bis zu 1200 Mk. und Nebenverdienst durch teilweise Uebernahme der Schechita.Z Meldungen religiöser Bewerber an Herrn Rabbirrer Tr. Wolf in Köln. — Religionslehrer, Schächter und Vorbeter per 1. April oder später in Frechen-Köln. Gehalt 900 Mk., freie Wohnung und Nebeneinkommen. Bewerbungen an den Vorsteher Herrn Joseph Meyer. — Lehrer und Kantor baldigst in Altena i. W. Meldungen an den Vorstand der Gemeinde. — Religionslehrer und Vorbeter per 1. April in Holzappel, Gehalt 700 Mk. mtb freie Wohnung. Meldungen an den Vorsteher Herrn Meier Levita. — Schochet, der auch als Synagogendiener und Hilfsvorbeter fungiert, in Burgsteinfurt. Gehalt 750 Mk. Meldungen an der: Vorsteher Herrn I. Marcus. Ar lilioiüftifdic Triimlleimiums-Klmgreß. (Aus der Purimnummer des „Jewish Chronicle"). Das 20. Jahrhundert ist noch jung; aber wenn es zu Ende geht, wird man wahrscheinlich finden, daß sein größtes Ereignis — wenigstens für die Juden von Ost-London — gestern stattgefunden hat. Der 3000. Geburtstag von Schon, dem König der Amoriter, wurde gestern abend durch einen gewaltigen Kongreß in Giant Hall, Whitechapel Road, unter dem Vorsitz des Parlamentsmitgliedes Sir Jacob Leerkopf gefeiert, der von den jüdischen Mandarinen von Stepney, Mile End und den östlichen Vororten umgeben war. Punkt 8 Uhr eröffnete Sir Jacob Leerkopf die Sitzung, unter so lautem und langanhaltendem Beifall, daß von seinem Echo die Schläfer in der Untergrundbahn unter Whitechapel Road erweckt worden sind. Der Vorsitzende sagte, er habe das Gefühl, daß das der stolzeste Moment seines Lebens sei. Obwohl er längst daran gewöhnt sei, öffentlich zu sprechen, obwohl er daran denke, daß er ein Self-made-man sei, der alles seiner eigenen Fähigkeit verdanke, und obwohl er von Natur eine große Bescheidenheit besitze, empfinde er dennoch einen verzeihlichen Stolz, da er bei der gegenwärtigen Gelegenheit den Vorsitz übernehme. Denn diese Gelegenheit, so wage er zu sagen, sei eine Gelegenheit, die sich nur gelegentlich ereigne, (hört, hört!) und er brauche eine so intelligente Versammlung kaum daran zu erinnern, daß der 3000. Geburtstag eines großen Königs aus vergangenen Zeiten nicht jeden Tag vorkomme, (lauter Beifall) und es scheine ihm und vielen der hervorragenden Männer seiner Umgebung, daß, da unsere Vorfahren in alter Zeit mit Schon, dem König der Amoriter, zu tun hatten, und ihnen daran gelegen war, gelegentlich die Gelegenheit zu ergreifen, um seiner Majestät Königtum und Leben zu rauben, daß — sage er — hierin die eigentliche Gelegenheit liege, seinen 3000, Geburtstag gelegentlich durch einen Sihonistenkongreß zu feiern (Lauter Beifall). Er (der Vorsitzende) möchte dem Kongreß gestehen, daß er sich nicht, — wie viele in dieser gewaltigen Versammlung — einbilde ein großer Gelehrter zu sein; infolgedessen sei seine Kenntnis von weiland König Sihons Majestät sehr begrenzt. Aber er habe den Chasan seiner Synagoge befragt, der ihm erzählte, daß nach den Angaben der Geschichte (und er möchte daran erinnern, daß die Geschichte die höchste Beachtung verdiene) gegen König Sihon nichts vorliege, außer daß er unseren Vorfahren, den Kindern Israels, verweigerte sein Land zu betreten. Vielleicht sei er im Unrecht gewesen, vielleicht auch im Recht. Sein Chasan, der ein sehr gelehrter Mann sei und hebräisch ohne Interpunktion zu lesen verstehe, sage, er habe unrecht; folglich werde er (der Vorsitzende) nicht sagen, er habe recht; aber da er selbst einen großen Garten besitze, glaube er, daß man das Verhalten seiner Majestät bis zn einem gewissen Grade entschuldigen könne; denn wenn die 600000 Kinder Israels wie andere Kinder gewesen seien, so würden sie das Land König Sihons kaum berührt oder gar betreten haben können, ohne die Beete zu zerstampfen. (Ein Herr im hinteren Raum des Saales bemerkt, daß das offenkundige Bibelkritik sei.) Wenn sonst nichts gegen König Sihon vorgebracht werden könne, und wenn die Geschichte nicht berichtet, daß er ein schlechter Ehemann und Vater gewesen sei, so habe er Anspruch auf unsere Ehrfurcht und Bewunderung und auf die höchsten Ehren, die der Kongreß ihm erweisen werde. Er möchte die Art der Ehrung nicht enthüllen, um den folgenden Rednern nicht den Wind aus den Segeln zu nehmen; aber er werde jetzt einem berühmten Gelehrten das Wort erteilen, nämlich Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Himmelspring, der einen ganzen Tag lang das Land der Amoriter bereist habe und nun die erste Resolution Vorschlägen solle. (Fürchterlicher Beifall.) Dr. Himmelspring sprang mit Heftigkeit von seinem Sitz empor und sagte, daß er sich ungern erhebe, da er sich für völlig unwürdig halte, zu einer so gewaltigen Versammlung zu sprechen. Aber er gestehe ebenfalls, daß kein Mensch für die Ansprache geeigneter sei als er, denn er habe auf einer von Cook & Son veranstalteten Gesellschaftsreise mehrere Stunden mit der Erforschung

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