Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · p. Seite 165

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
Seite 165 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606458--9182-9606471
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 12. Israelitische Wochenschrift. Seite 165. des Amoriterlandes zugebracht. Das Land sei felsig, besitze glänzende Bausteine, obwohl es augenblicklich nur wenige Häuser aufweise, ausgenommen die Ruinen; aber das Land sei prächtig, die Aussichten seien prächtig und das Klima sei prächtig, und wenn sie dort einen Staat gründen wollten, würden sie sich in einem prächtigen Staat befinden. (Lachen.) Er verstehe nicht, warum man lache. (Lauteres Lachen.) Er könne nicht einsehen, was das für ein Scherz sei, wenn er einen Landstrich anbiete, auf dem die unterdrückten Juden der ganzen Welt angesiedelt werden könnten. (Lauter Beifall.) Er sei durch den Beifall wieder ermutigt und werde in der Erklärung seines Plans fortfahren. Was könnte man tun, um den 3000. Geburtstag von König Sihon würdig zu begehen? Sie könnten ihm doch nicht ein Tafelservice schenken. Das wäre kostspielig, und dann würde man Schwierigkeit haben mit dem Arrangement des Empfangs. Wie könnte man den 3000. Geburtstag besser feiern, als dadurch, daß man die Geschichte sich wiederholen lasse, die Einwohner des Landes vertreibe und es nach dem Beispiel der Vorfahren gewaltsam in Besitz nehme? Das Land habe nach dem Erobererrecht unseren Vorfahren gehört, jetzt gehöre es uns durch Erbe, und in der Tat sehe er es schon als sein Eigentum an. (Murren.) Der Vorsitzende machte den ehrwürdigen Redner in höflicher Weise aufmerksam, daß er doch wohl ein wenig zu ehrgeizig sei, wenn er hoffe, der einzige Besitzer des ganzen Amoriterlandes zu sein. Dr. Himmelspring lehnte jeden derartigen Ehrgeiz ab. Er werde gerne eine der besten Städte dem werten Herrn Vorsitzenden überlassen, der es wahrlich verdient habe, und er werde auch die Ansprüche jedes einzelnen russischen Juden erwägen, der vom Zaren ein Zeugnis darüber beibringe, daß er verfolgt worden sei. Mr. Moses da Costa Fonseca erhob sich hier, um den Redner mit einem gewissen Elfer zu unterbrechen. Er sagte, als Mitglied der spanisch-portugiesischen Synagoge fühle er sich gekränkt, daß seine Gemeinde von dem ehrwürdigen Redner übersehen worden sei. Er möchte den Kongreß daran erinnern, daß die rumänischen Juden ebenso unterdrückt seien wie die russischen, und daß sie das Hebräische sephardisch aussprechen, was das einzig richtige sei; folglich glaube er, daß sie einen vollen Anteil am Amoriterland beanspruchen können. Er möchte daran erinnern, daß seine Gemeinde die älteste sei, wenn auch vielleicht die kleinste in der Welt, und daß es ihre Pflicht sei, auf ihre Würde zu bestehen, da ihr Bestand ja auch sonst schon so gering sei. Dr. Himmel spring gab dem Vorredner die Versicherung, daß bei der Verteilung des Landes auch fote Rumänen, Spanier und Portugiesen berücksichtigt werden sollen. Vorher aber müsse man das Land doch erst erobern, und dazu sei in erster Linie Geld nötig. Er schlage deshalb die Sammlung eines Fonds und die Gründung einer Bank vor, die aber, wenn sie Erfolg haben solle, gewagte Spekulationen vornehmen müsse. Ein Delegierter erkundigte sich nach der Lage des Amoriterlandes auf der Landkarte von Palästina und nach dem Namen der nächsten Eisenbahnstation. Er habe im Reichskrrrsbuch vergeblich danach gesucht. Dr. Himmelspring bat um Entschuldigung, daß er diese Information nicht früher gegeben habe. Augenblicklich sei die nächste Eisenbahnstation Jerusalem. Er kenne nicht die genaue Lage des Landes auf der Karte von Palästina, da es mcht in Palästina liege, sondern auf der Unrechten Seite des Jordan. Alles, was er über die Lage sagen könne, sei das: Man bucht von Jerusalem auf, reitet auf einem Kamel 75 Kilometer ostwärts, bis man an den Jordan kommt, da wo er das Tote Meer erreicht; hier überschreitet man den Fluß auf einer hölzernen Brücke, nimmt den ersten Kreuzweg rechts und den dritten links, geht dann geradeaus etwa noch 75 Kilometer, natürlich auf dem mitgenommenen Kamel, und man ist da. Der Vorsitzende dankt dem ehrwürdigen Doktor für seine lichtvolle Beschreibung des Wegs. Das zeige, wie vorteilhaft die Ansprache eines ausgezeichneten Reisenden wirke, der an Ort und Stelle gewesen sei. Vielleicht könnte er noch etwas über die ungeheure Ausdehnung des Landes und seine natürlichen Reichtümer und Ertragsquellen erzählen. Dann werde er die Diskussion schließen und die erste Resolution zur 2lbftimmung bringen. Dr. Himmelspring sagte fortfafjre nfc, er fürchte, schon zu viel Zeit in Anspruch genommen zu hoben. (Rein, nein.). Er könne sich schwerlich für einen od< r sjwei Morgen mehr oder weniger verbürgen, aber er glaube mit zi emlicher Sicherheit sagen zu dürfen, daß das Territorium für den. neuen jüdischen Staat annähernd so groß sei, wie die Insel Wight. (Großer Beifall.) Was den Boden betreffe, so könne cr mitteilen, daß das, was er gesehen habe, ungemein trocken, hart und felsig gewesen sei; aber er habe das feste Vertrauen, daß, wenn man tief genug grabe, man auf guten schwarzen Grund kommen werde, auf dem alles gedeihe, Getreide, Hülsenirüchte, Flachs, Datteln, Tamarinden, Weintrauben, Ananas und Melonen. (Hört, hört!) Natürlich würde das Zeit, Arbeit und Kapital erfordern. Er schlage also vor: „Der Kongreß ist der Meinung, daß der 3000. Geburtstag des Amoriterkönigs Sihon nicht besser gefeiert werden kann als durch die Eroberung seines Landes zwecks Gründung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte für alle unterdrückten Juden, Sephardim, Polen, Deutsche, Russen und Rumänen". Mr. Moses da Costa Fonseca unterstützt die Resolution und dankt dem Vorredner für die große Kourtoisie, da er die alte sephardische Gemeinde verdientermaßen zuerst genannt habe. Mr. Salamander, der einen deutlich ausländischen Akzent sprach, sagte, daß die Leiden seiner Brüder ihn bereit machten, die größten Opfer zu bringen. Er werde gern seinen Schekel zahlen, und er hoffe, daß es auf diesem Wege gelingen werde, tausende, ja zehntausende von russischen und rumänischen Juden im Amoriterlande anzusiedeln. (Beifall.) Er selbst wäre auch hier einst ein Fremder gewesen, obwohl wenige, die ihn so beredt und fließend englisch sprechen hören, das glauben würden (Gelächter) und da er nun ein naturalisierter Engländer sei ohne Spur eines fremden Akzents, halte er es für seine Pflicht, zu sagen, daß England nicht mehr fremde Juden vertragen könne. Darum würde er sich freuen, wenn es gelänge, die armen Juden in das Land der Amoriter zu bringen. Er sei nur ein armer Mann; aber er könne doch versprechen, daß er, wenn der neue Judenstaat eingerichtet, bewohnt, und mit komfortablen Hotels versehen sein werde, eine Woche dort während seines Sommerurlaubs verbringen werde, anstatt wie gewöhnlich mit seiner Familie nach Margate zu gehen, und er empfehle ihnen allen das Gleiche zu tun. Er schlägt hierauf eine Resolution vor, die sehr humoristisch wirkt (nicht auf die Zuhörer, sondern auf die Leser), und es entspinnt sich eine kurze, charakteristische Debatte für und wider. Dann dankt Dr. Himmelspring dem Vorsitzenden und der Vorsitzende dem Kongreß, und Sir Jacob schließt mit einem „Gut Purim" die Sitzung. Kurz vor Redaktionsschluß geht uns noch die Mitteilung zu, daß der Sihonistenplan den ersten Erfolg aufzuweisen habe: die Subskription hat bereits die Summe von 233,20 Mk. erreicht. Unsere höchsten Erwartungen wurden übertroffen. Wenn unsre Leserinnen sich einen besonderen Genuß verschaffen wollen, der das Auge und den wirtschaftlichen Sinn erfreut, so raten wir ihnen, dem Berliner Verkausshaus der Leinen- und Gebildweberei F. B. Griinseld, Leipzigerstr. 25, einen Besuch abzustatten. Dort ist eine Fülle der schönsten Erzeugnisse der Wäsche-Industrie ausgelegt, unter denen eine Brautausstattung besonders hervorragt, deren Eleganz, Solidität und Reichhaltigkeit wohl kaum übertroffen werden kann. Jede der kostbaren Leibwäsche- Garnituren ist in Muster und Ausstattung verschieden; feinste Handstickereien sind in reizender Weise mit Spitzen kombiniert, und die Feinheit der Durchbrucharbeiten erregt die Bewunderung des Beschauers. Auch in der Wäsche spricht die Mode ihr gewichtiges Wort mit. So haben die modernen Negligees kurze bauschige oder offene Aermel und zeigen einen weiten kragenlosen Halsausschnitt. Allen Fabrikaten der Firma F. V. Grünfeld ist aber die gleiche VorzügUchkeil des Materials und die sorgfältige Arbeit eigen. B- S. y« in . :.Y;■ ' Mk. I.— 1.20, 1.40, 1.50, 1,60, 1.70, 1.80, 1.90, 2.— pro V* Ko. Käuflich in fast allen Geschäften der Konsumbranche und den eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83 und Spittelmarkt 8—10.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.