Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 12 (24.3.1905)
- Date
- 1905-03-24
- Page
- Seite 161 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12. Israelitische Wochenschrift. Seite 161 weder für Könige noch für Kaiser kennen sie solche Huldigung (non regibus haec adulatio, non Caesaribus honor) und nun wiederholt er die Lüge des Manetho und Apion: Die Juden enthalten sich des Genusses von Schweinefleisch, weil dieses Tier für die Krätze inkliniere, sie fasten zur Erinnerung an die Hungeryualen der Wüstenzeit, sie essen ungesäuertes Brot zur Erinnerung an ihre Getteidediebstähle in Egypten, sie halten den Subbat blandierite inertia aus Faulheit. Unter sich liebreich und treu, sind sie voll Haß gegen alle Menschen. Ihre Proselyten lehren sie conremriere deo3 exuere patriam parentes liberos fratres vilia habere Verachtung der Götter (also rein geistiger Gottesglaube-Atheismus), Geringschätzung des Vaterlandes, Herabsetzung der Eltern, Kinder, Brüder. Gegen solche und ähnliche Stimmen mußten sich die jüdischen Literaten erheben und die Leistungen des jüdischen Volks für die Kultur und die Reinheit seiner Lehre dartun. Gegen den Vorwurf des Menschenhasses und der mangelnden Ehrfurcht vor den Kaisern, weil deren Bildern göttliche Verehrung versagt wird, wird auf die humane Tendenz der mosaischen Gesetze und auf die Tatsache, daß von den Juden für die Kaiser gebetet und geopfert werde, hingewiesen. Solche Verteidigung des Judentums bietet die Weisheit Salomos, eine Warnung vor der Torheit des Götzendienstes in Form einer Mahnrede Salomos an die Könige der Erde. Wie in den biblischen Sprüchen Salomos ist hier die Weisheit als Abglanz Gottes und seine Beisitzerin (paredro8) personifiziert. Der Leib ist die irdische Hülle der Seele, Pflicht ists, die Seele durch Enthaltsamkeit von den Trieben des Leibes unabhängig zu machen. Dieser Gedanke zeigt stoischen Ursprung, wie auch die Aufzählung der vier Kardinaltugenden Besonnenheit, Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit an die Stoa erinnert. Gegen Apion im besonderen wendet sich Josephus. Dieser aus priesterlichem Geblüt gerät im letzten Freiheitskampf gegen Rom im Jahre 69 n. d. ü. Z. als Befehlshaber der Festung Jotapata in Galilaea in die Gefangenschaft der Römer, weissagt dem Feldherrn Vespasian seine Erhebung zum Kaiser, erhält bei Eintreffen seiner Weissagung die Freiheit und einen Ehrensold. Er lebte dann in Rom, wo er den jüdischen Krieg, die jüdischen Altertümer, seine eigene Biographie und eine Verteidigungsschrift des jüdischen Volkes gegen Apion schreibt: Mit der Vernichtung des Staats ist Israels Religion nicht dem Untergang geweiht. Die Menschheit verdankt dem uralten Volk Israel wertvolle Kulturerrungenschaften, vor allem die wahre Gotteserkenntnis. (Fortsetzung folgt.) Berliner Repräsentanten " ‘ _ In der heutigen, kurzen Sitzung nahmen die Repräsentanten zunächst ein 2000 Mark betragendes Legat der Herren Regierungsbaumeister a. D. Adolf Wollenberg und Martin Wollend erg mit der Auflage an, eine „Frau Dr. Bertha Loewenberg geb. Wollenberg-Stiftung" zu errichten, deren Zinsen alljährlich an eine chronisch kranke Person weiblichen Geschlechts im Alter von 20—30 Jahren vergeben werden sollen. Alsdann billigten sie drei zum Zwecke der Erhaltung von Gräbern zugewendete Spenden der Frau Clara Demuth geb. Marckwald (5000 Mk.), der Frau Rosalie Loew enhain geb. Roeder (1000 Mk.) und des Bankiers Joseph Goldschmidt (6000 Mk.) Die Genehmigung eines zum gleichen Zwecke bestimmten Legates des Geheimen Sanitätsrats Dr. Abraham wurde noch nicht erteilt, da die Gräber vor der Uebernahme in Gemeindepflege in ordnungsmäßigen Zustand gebracht werden sollen. — Mit der Verlängerung des Mietskontraktcs für die Armcnkommission um ein halbes Jahr in ihrem bisherigen Heim, erklärt sich die Versammlung einverstanden, und bewilligt für das in der Rosenstraße neu zu errichtende Verwaltungsgebäude weitere 70 000 Mark. In diesem neuen Gebäude wird eine Dienstwohnung für einen Beamten der Friedhofskommission geschaffen, welcher nunmehr für die Gemeindemitglieder ständig erreichbar sein wird. Die Bewilligung von 4165 Mk. für Pflasterungsarbeiten und von 234 92 Mk. nachträglich für den Bau der Krankenbaracke auf dem Grundstück des Krankenhauses wurde debattelos ausgesprochen. In die Armenkommission wurden die Herren Rentier H. Aron, Rentier I. Beer, Sanitätsrat Dr. Cassel, Sally Kirschstein, Rechtsanwalt Dr. Meyerstein, Dr. med. Max Spandow, in den Vorstand der Synagoge Lindenstraße Herr Moritz Rosenow gewählt. Schließlich wurde dem Gemeindevorstand für den Rechnungsabschluß der Gemeinde-Hauptkaffe pro 1903/04 nach Bewilligung einiger Mehrausgaben Entlastung erteilt. In dem Abschluß stellen sich Einnahme und Ausgabe auf 1^619 804 56 Mk. Das Einnahmekonto der Zinsen beträgt 61715,85 Mk . die Ausgaben für Zinsen beziffern sich auf 240,720 84 Mk, die Amortisationen auf 36 000 Mk., Gehälter bei der Hauptverwaltung auf 237 100 Mk., die Kosten für den Gottesdienst in den Synagogen auf 193 OOO Mk., für die gottesdienstlichen Veranstaltungen in den Festlokalen auf 45 000 Mk., für das gesamte Schulwesen auf 204 800 Mk., während die Friedhofskommission einen Ueberschuß von 11000 Mk. erzielte. _ Sprrechscrcll. Eingesandt. Bielefeld, den 18. März 1905. In Ihrer Nummer 11 vom heutigen Tage veröffentlichen Sie Bruchstücke aus meinem in der Märznummer der Brüllschen Monatsblätter enthaltenen Aufsatze: „Zur Bekämpfung des unbewußt Nationalen im Gefühlsleben der modernen Juden". Sie leiten Ihren Abdruck mit den Worten ein: „Heute führen wir unfern Lesern den Artikel in seiner ganzen Originalität vor. Er lautet:". Hier folgen Anführungszeichen. Dadurch wird in den Lesern der Glaube erweckt, als ob es sich um einen wörtlichen Abdruck handle. Tatsächlich aber sind sechs besonders wichtige Stellen, darunter zwei ganze Abschnitte, ausgelassen, ohne daß die Auslaffungen durch Punkte angedeutet wären. Der Gedankengang des Aufsatzes wird dadurch zerrissen und die Begründung der in ihm vertretenen Anschauungen in wesentlichen Punkten beseitigt, so daß an verschiedenen Stellen der logische und sachliche Zusammenhang vollständig fehlt. Ich darf wohl von Ihrem Gerechtigkeitsgefühl erwarten, daß Sie durch Veröffentlichung dieses Briefes in der nächsten Nummer der „Israelitischen Wochenschrift" Ihre Leser über den Sachverhalt aufklären. Noch will ich bemerken, daß zahlreiche Druckfehler — u. a. „günstig" statt „brünstig" Seite 146, rechte Spalte, Zeile 2 von unten; „rhetorisch" statt „theoretisch" Seite 147, linke Spalte, Zeile 15 von oben; „Wolle man" statt „Wolle man dort" Seite 147, linke Spalte, Zeile 7 von unten; „den liberalen Juden" statt „vem liberalen Judentum" Seite 147, rechte Spalte, Zeile 11 von oben; „ihm" statt „ihnen" Seite 67^240