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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · p. Seite 160

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
Seite 160 (sequence 4)
Language
German
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Israelitische Wochenschrift. Nr. 12 Seite 160. mit 8er trüben Glut roher Leidenschaft; während bei der jetzigen Intoleranz Neid, Habsucht, gekränkter Ehrgeiz, persönliche Feindschaft und die ganze Schar der rohesten und wildesten Leidenschaften das Grundmotiv bilden, die Religion aber nur als Maske vorgeschoben wird. Gilt cs antisemitischen Sport, so werden plötzlich Ungläubige zu Gläubigen; da fühlen sich Männer, denen das ganze Christentum sonst ein überwundener Standpunkt ist, sofort von Stolz erfüllt auf dieses höher stehende Christentum und wissen den Juden alles Ueble nachzusagen: Materialismus, schnöde Gewinnsucht, Mangel an Vaterlandsliebe, Mangel an Verständnis für die sittliche Weltordnung usw. Es ist also ein tatsächlicher Rückgang auf Haman, mit dem wir es zu tun haben. Desto tröstender mag uns die Erinnerung sein, die das Purimfest in uns wachruft. Auch diese Verdunklung des Menschengemüts findet ihr Ende; — es kommt eine Nacht, in der der Schlaf weicht, der Wahn zerreißt, das Gewissen sich regt, die Völker innewerden, was sie Israel zu danken haben, was für Frevel man an Israel begehen wollte; und abermals, wie schon unzählige Male tritt es zutage: „Fürwahr, nicht verläßt der Ewige sein Volk". Allein, dieser Sieg der Wahrheit und des Guten darf keineswegs dahin verstanden werden, als bedürfe die Wahrheit keines Ringens, als könnte die wirkende Macht der Wahrheit ohne Anstrengung sich selbst Bahn brechen. Die rauhe Wirklichkeit zeugt gegen diese idealistische Ansicht. Alle großen Errungenschaften, die die Geschichte zu registrieren hat, sind erst auf dem Wege langen und heftigen Kampfes gewonnen worden. Ebenso ist die biblische Stelle „Krieg sei gegen Amalek von Geschlecht zu Geschlecht" nicht nur auf den geschichtlichen Amalek zu beziehen, sondern unter diesem Namen ist die typische Bezeichnung frevelhafter Willkür zu verstehen, gegen die durch alle Jahrtausende der Geschichte die Wahrheit und das Recht einen rastlosen Kampf bestehen müsse. Wohl durchzieht das gesamte alte jüdische Schrifttum eine tröstliche Verheißung von einem zukünftigen goldenen Zeitalter der Menschheit, wo Wahrheit und Recht auf Erden herrschen werden, jedoch sollen wir diese glorreiche Zeit nicht etwa schmerzlos und tatenlos in die Wirklichkeit treten sehen, sondern erst durch lange und schwere Kämpfe, die man in ganz bezeichnender Weise „messianische Geburtswehen" nannte, soll dieser Sieg der Wahrheit und des Guten vorbereitet werden. Kämpfer für Gott, das ist unser Name, unser Adelstitel, auf den wir mit Stolz Hinweisen können. Ein Blatt aus diesem Buch der Gotteskämpfe ist es auch, das uns das Estherbuch entrollt und mit den Taten eines jüdischen Mannes und einer jüdischen Frau macht es uns bekannt, die in den heiligen Kampf für Israels Recht und Ehre eingetreten, ihr eigenes Leben aufs Spiel gesetzt haben, um Schmach und Verfolgung von Israel abzuwenden. Sich nicht beugen vor der rohen Gewalt, nicht im Staub kriechen vor dem Mächtigen, nicht preisgeben seinen Glauben, seine Ehre, seine Ueberzeugung, den Uebermütigen mannhaft gegenübertreten, das war es, was Mordechai für seine Pflicht hielt, für die Pflicht eines Juden. Dr. S. Das hellenistische Judentum. Von Rabbiner Dr. Max Beermann-Jnsterburg. II. Neben der Uebersetzertätigkeit der hellenistischen Juden erwähnen wir zunächst jene schriftstellerischen Leistungen, die als Anhänge der Bibel — Apokryphen — betrachtet zu werden pflegen. Es sind dies vor allem Zusätze zu den biblischen Büchern Jeremias, Daniel, Esther, Esra, wie das Buch Baruch, das in der Form eines Sündenbekenntnisses der babylonischen Exulanten Trost und Mahnung dem Judentum der Diaspora gibt. Das 2. Makkabäerbuch ist eine erbauliche Betrachtung über die im 1. Makkabäerbuch (ursprünglich hebräisch) geschilderten Ereignisse der Hasmonüerzeit; das 3. Makkabäerbuch knüpft an einen Vorfall unter dem judenfeindlichen Egypterkönig Physkon an, um die durch Caligulas Forderung abgöttischer Verehrung in schwere Not geratenen Juden zu trösten. Physkon hätte trunkengemachte Elephanten auf die in der Zirkus-Arena versammelten Juden getrieben, die Elephanten hätten sich aber statt auf die Juden, auf die heidnischen Zuschauer gestürzt. Im sog. 4. Makkabäerbuch: Ueber die Herrschaft der Vernunft haben wir eine schulgerechte Predigt jener Zeit (o Nachkommen Abrahams, o Israeliten) vor uns; die Tendenz der Rede ist, Gehorsam gegen das Gesetz zu lehren, durch dessen Hilfe der Mensch sein Fleisch allein zu zügeln vermag. Als leuchtende Vorbilder wird auf den Märtyrer Eleasar und auf die Mutter mit den sieben Söhnen hingewiesen. Diese Schriften dienten der Erbauung jüdischer Leser. Auf Bekehrung der Heiden und auf die Verherrlichung des Judentums in der nichtjüdischen Welt zwecken ab Eupolemos, der in seiner Schrift über die jüdischen Könige Mose als Erfinder der Buchstabenschrift, Artapanos, der ihn als Erfinder der Philosophie, als Musaeos und Orpheus preist, Aristobul, der in einer freien philosophischen Reproduktion des Pentateuchs Mose als Vater der griechischen Bildung hinstellt, bei dem die hellenischen Denker und Dichter gleichsam in die Schule gegangen wären. Ehe wir auf diese Verteidigungs- und Verherrlichungsliteratur des Judentums weiter eingehen, ist es zweckmäßig, die literarischen Gegner Israels zu betrachten. Da ist zuerst der Verfasser einer egyptischen Geschichte, der Priester Manetho um 250 v. d. übl. Z. zu erwähnen, der die über die Juden in: Umlauf befindlichen gehässigen Legenden, wie ihre Verjagung aus Egypten wegen Aussatzes, darbietet; freilich noch soviel Forscherehrlichkett hat, hinzuzufügen, daß es nur Sagen seien. In seinen Spuren geht der aufgeblasene und sittenlose Rhetor Apollonius Molon, der Lehrer Cäsars und Eiceros; Apollonius stellt die Juden als gottlos und menschenfeindlich, als feige und unfähig zu jeder Kulturarbeit hin. Mit ihm im Bunde war der eitle Apion, der als Wanderredner Vorträge über Homer hielt. Er hetzte gelegentlich gegen die Juden, weil diese die Kaiserbilder nicht anbeten wollten. Plinius nennt ihn die Posaune seines eignen Ruhms. Er verspricht jedem die Unsterblichkeit, dem er eines seiner Werke widmete. In seiner griechischen Geschichte wiederholt er die Albernheiten des Manetho. Er ist der Vater des Ritualmordmärchens, er berichtet in beweglichen Worten von den Qualen, die der zum Menschenopfer bestimmte Grieche im Tempel zu Jerusalem durchzumachen habe. Seine Glaubwürdigkeit charakterisiert sich selbst am besten dadurch, daß er allen Ernstes gegen die Annahme sich wendet, als verehrten die Juden den geistigen Gott des Himmels und der Erde, nein, ein Eselskopf befände sich im Heiligtum zu Jerusalem und würde von den Juden angebetet. Cicero sieht im Judentum bart>ara superstitio, einen scheußlichen Aberglauben. Tacitus spricht voll Verachtung und Gehässigkeit über Israel: biloliche Verehrung der Gottheit ist ihnen fern, das höchste Wesen halten sie für ewig und unvergänglich. Keine Standbilder in Städten und Tempeln,

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