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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-24 · 12 (24.3.1905) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
12 (24.3.1905)
Date
1905-03-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Zeitschrift für die Geftmtinterelsen des Judentums. Webst dem Weibk'crtt: Züörsthes LitterclLurbtcrtt. Erscheint an jedem Freitag I Redaktion und Verlag: das jüdische Litteraturblatt monatlich zweimal. Nerlm 6., Woß-Straße 3 Alle Postanstalten nehmen Abonnements entgegen. ' Telephon: Amt I, 5729. Bezugspreis vierteljährlich: Deutschland u. Österreich-Ungarn 3.— Mk. alle anderen Länder 3.50 Mk. Anzeigen für die Ispaltige Petitzeile 30 Pf. Alle Annoncen-Expeditionen nehmen Anzeigen entgegen. Uirnirner 12. KrrLi«, 24. Marx 1903. 14. Jahrgang. Alle, auch sür die Redaktion bestimmte Mitteilungen erbitten wir an die Adresse Israelitische Wochenschrift _Berlin C., Roß-Straße 3._ Die heutige Nummer enthält das Jüdische Litteraturblatt Nr. 6. Inhalt. Artikel: Zum Purimfest. — Das hellenistische Judentum. II. Von Rabbiner Dr. Max Beermann-Jnsterburg. — Berliner Repräsentantenversammlung. — Sßrechsaal: Eingesandt. — Politik: Der Minister schweigt. — Politische Forderungen der Juden in Rußland. — Wochenchronik: Wochenkalender. Berlin: Jüdische Arbeiterkolonie in Berlin. — Die Mittelstandsbewegung und Herr Kommerzienrat Lissauer. — Düsseldorf: Eine Heinebibliothek. — Mühlheim: Aufhebung des Schächtverbots. — Prag: Gegen die Demolierung des Prager jüdischen Rathauses. — Die Erklärung der Konfessionslosigkeit ist kein Religionswechsel. — Hof i. Bayern: Das Schächtverbot. — München: Professor Osthoff über die akademische Freiheit. — Rom: Bevölkerungsstatistik. — Petersburg: Neue Antisemitenkrawalle. — New- Pork: Großes Brandunglück. — Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. — Vakanzen. — Feuilleton: Der sihonistische Trimillenniums-Kongreß. — Inserate. Zum Purimfest. Oft genug ist wohl gesagt worden, die Geschichte sei weiter nichts, als die Summe der Jrrgänge des Menschengeschlechts in Wissen und Tätigkeit; man hat wohl sogar behauptet, der Wechsel der Zeitalter zeige nur einen Tausch der Jrrtümer; was man für Wahrheit und Recht ausgebe, sei der Gedanke, der in der Mode ist; der Irrtum sei bloß der unmoderne Gedanke, der aber doch auch einmal Mode war und es vermutlich wieder werden wird. Hören wir nicht heute Jrrtümer verkünden, die man vielleicht vor einem halben Jahrhundert getadelt hatte und die wir längst verschwunden glaubten? Und sind es nicht dieselben Jrrtümer, gegen die man schon vor einem Zeitalter mit einer Kraft gesprochen hatte, die wir heute noch bewundern und preisen? Daß das Böse oder das Unwahre sich ausbreiten will, ist noch das kleinste Uebel. Das beklagenswerteste ist erst, daß das Böse sich in das Gute einmischt, daß es das Gute in dessen Wesen verdreht, es innerlich vergiftet, wie der Wurm in das Innere der Frucht dringt. Das alles ist nicht unrichtig und der Quell der Wehmut aller höheren Geister. Und dennoch ist es nicht wahr. Nur ist unser Blick selten so umfassend und zugleich so scharf, um den Sieg der Wahrheit zu erkennen. Und da ihr Triumph eigentlich im Unendlichen liegt, so schauen wir ihn fast niemals vollkommen. Das Estherbuch will uns nun veranschaulichen, daß die Wahrheit, die Unschuld, wie sehr sie auch eine Zeitlang, durch Lüge und Bosheit niedergehalten, sich in das Gewand der Trauer hüllen muß, doch schließlich durch die ihr selbst innewohnende Kraft die feindlichen Elemente überwindet und sich die goldene Krone aufs Haupt setzt. Und wenn auch ein solcher Sieg nicht immer in dem Sinn sich vollzieht, daß die Lüge und das Böse sich freiwillig der Wahrheit gefangen geben, wenn auch machtbesitzende böse Männer mit dem zähesten Eigensinn bei der Lüge und dem Bösen verharren, so weist doch dieses endliche Unterliegen der Lüge gegenüber der Wahrheit auf eine höhere Leitung der Dinge hin, auf einen Gott der Wahrheit, der ihr verhilft, daß sie aus dem Gewand der Trauer zur goldenen Krone gelange. Das Buch Esther erzählt den Juden nicht bloß eine Geschichte, sondern erinnert sie an tausend Ereignisse, nicht bloß aus vergangenen Zeiten, sondern auch aus ihrer Gegenwart. Denn was in den Jahrhunderten der Roheit in der Uebermacht einer ungezügelten Leidenschaft auftrat, erscheint in dem Jahrhundert der Sitte und der Verfeinerung, wo der Geist herrscht und das Wort eine Macht ist, und das Recht geschirmt und geschützt ist, mit schlauen Scheingründen und hinterlistigen Ratschlägen. Ja, noch mehr. Der religiöse Fanatismus der früheren Zeiten hatte noch im Vergleich zur jetzigen Intoleranz eine edle Gestalt; in ihm glühte noch ein Funke einer von Natur edlen Leidenschaft. Jeder, der die Geschichte kennt, weiß/ daß es keineswegs immer die Schlechtesten und Unedelsten gewesen sind, die das Feuer der religiösen Verfolgung schürten. Thomas Buckle sagt in seiner Geschichte der Zivilisation: „Es ist eine unzweifelhafte Tatsache, daß die überwiegende Mehrheit der religiösen Verfolger Menschen von den reinsten Absichten gewesen sind. Es konnte auch garnicht anders sein; denn das sind keine Menschen von bösen Absichten, welche Meinungen, die sie für gut halten, zu erzwingen suchen..." Und wenn wir auch nicht jedes Wort dieser Behauptungen unterschreiben, so stand doch jene religiöse Verfolgung insofern höher, als in ihr ein religiöser Funke glühte, wenn er auch vermischt war

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