Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · p. Seite 152

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 152 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606441--9168-9606453
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 152 Israelitische Wochenschrift. Nr. 11. Paris, 12. März. (Denkmal für einen jüdischen Soldaten.) In der Stadt Tülle (Frankreich) wird ein Denkmal für den jüdischen Korporal Charles Lövy errichtet, der im Dienst des Vaterlands vor zwei Jahren gefallen ist. Lövy war an der marokkanischen Grenze postiert und wurde mit 20 Mann von einer 150 Mann starken maurischen Bande überfallen. Während des heftigen Gewehrfeuers flohen 17 Franzosen, der Korporal aber blieb mit 3 Alaun zurück, um den Rückzug seiner Kolonne zu decken. Er und seine drei Genossen starben den Heldentod. Petersburg, 11. März. (Neue Judenverfolgungen.) Nach altbewährten Beispielen versuchen die russischen Behörden die allenthalben ins unermeßliche angesammelte Unzufriedenheit gegen die Juden abzuleiten. Für den Erfolg kann man leider garantieren. So melden zahlreiche Telegramme aus dem Innern des Landes, daß nach dem Muster von Riga und Rostow Proklamationen unter dem Volke verteilt werden, die zu Mißhandlungen der Juden auffordern. Demgegenüber ist eine Mitteilung der „Allg. Ztg. d. Judt." von Interesse, worin es heißt: „Ein junges Mädchen Namens Raisa Sichmann übergab dem Kiewer Polizeimeister eine Bittschrift mit dem Ersuchen, ihr ein Zeugnis über ihre Zuverlässigkeit zu geben, da sie den Wunsch hege, als Freiwillige in ein Kosakenregiment einzutreten und an den kriegerischen Ereignissen im fernen Osten teilzunehmen." Eine derartige Selbstverleugnung ist zweifellos pathologisch. Rotterdam, 11. März. (Die Tuberkulose bei den Juden.) Die Rotterdamer Gesundheitskommission veröffentlicht eine Statistik, wonach die Lungenschwindsucht in den letzten vier Jahren bei den Juden weit seltener aufgetreten ist als bei der übrigen Bevölkerung. Es litten an Tuberkulose der -u"gen ,on der Gesamtbevölkerung von den Juden 1901 1,4 pCt. 1,18 pCt. 1902 M „ 0,63 „ 1903 1,3 „ 0,50 „ 1904 1,2 „ 0,51 „ Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der Direktor der Klarschen Blindenanstalt in Prag, Herr Emil Wagner, wurde von dem israelitischen Blindeninstitute „Hohe Warte" in Wien, in Würdigung seiner Verdienste um die Erwerbsfähigkeit der Blinden zum Ehrenmitgliede ernannt. — Herr- Moses Nenhaus, Lehrer der israelitischen Schule in Harmuthsachsen feierte am 2. März sein fünfzigjähriges Dienstjubiläum. — Herr Rabbiner Dr. Kramer in Wien ist zum Stiftsrabbiner in Karlsruhe gewählt worden. Herr Dr. Kramer hat seine Ausbildung an dem Rabbiner-Seminar zu Berlin erhalten. — Der Titel Professor wurde verliehen dem Oberlehrer Dr. Moritz Schäfer, hier, ferner Dr. Julius Schwarz, Oberlehrer am Philanthropin in Frankfurt a. M., Dr. Albert Pick, Oberlehrer am Gymnasium Gnesen und Dr. Robert Philippson, Oberlehrer am König Wilhelms-Gymnasium in Magdeburg. — In London ist der bekannte jüdische Philanthrop Rüben David Sassoon im Alter von 71 Jahren gestorben. — Der Kantor und Lehrer, Herr I. Oschorowitz in Swinemünde feiert am 1. April sein dreißigjähriges Amtsjubiläum. — Vakanzen. Synagogendiener und Schächter per 1. April in Zabrze O. S. Gehalt 1400 Mk. sowie freie Wohnung und Nebeneinnahmen. Offerten an den Vorstand der Synagogen- Gemeinde. — Schächter per 13. Juli a. c. in Emden. Gehalt 1500 Mk. Bewerbungen all den Vorsteher Herrn Jacob Pels. — Musik, geb. Kantor und Religionslehrer, welcher mit Orgel und Chor vorzubeten und den Schächter zu vertreten versteht, baldigst in Stolp. Ansangsgehalt 2400 Mk. nebst Amtswohnung und Pensionsberechtigung. Meldungen bis zum 31. d. Mts. an den Vorstand der Synagogen - Gemeinde. — Stellvertretender Kantor, Schächter und Vorbeter, welcher einen Chor zu leiten versteht, in Sch neide müh l. Gehalt 1200 Mk. Meldungen an den Synagogen-Vorstand. — Religionslehrer, Kantor und Schächter, per April oder Mai in Roßdorf (Hessen)- Einkommen ea. 1200 Mk. bei freier Wohnung. Offerten sem. geb., möglichst rnlverheirateter Bewerber vom Vorstand der israelitischen Religionsgemeinde erbeten. — Religionslehrer, Vorbeter und Schächterper 1. Mai in Gr. Büseck. Gehalt 600 Mk., freie Wohnung und Nebeneillnahmell. Offertell senl. geb. Bewerber sind aü Herrn Simon Wallenstein einzureichen. — I. Kantor uud sem. geb. Religionslehrer, möglichst auch Schochet, baldigst in Stargard i. Pomm. Gehalt 2400 Mk. und freie Wohnung. Meldungen an den Vorstalld der Synagogen-Gemeinde. — Kantor, Religionslehrer und Schochet, per 1. April in Steinau a. d. Oder. Einkommen ca. 1050 Mk. und freie Wohnung. Meldungen an den Vorstand. Der üogeiaieb. Eine Geschichte für unsere Kleinen. Damals war ich etwa zehn Jahre alt und gehörte nach der Ansicht der Leute zu den unartigsten Kindern der Stadt. Unser Lehrer nannte mich immer „Lümmel"; aber ich machte mir nichts daraus. Jeder Mensch hatte an mir etwas zu tadeln und zu bessern, und unsere alte Dienstmagd pflegte zu sagen: „An dem Bengel erlebt man nichts als Schande". Der Einzige, der mich nicht schalt, war mein Großvater. „Was wollt ihr denn von ihm?" rief er häufig aus. „Das ist doch ein Junge und keine Hofdame. Und wenn er in der Schule nicht so rasch milkommt, wo steckt denn da das Unglück? Je später er auslernt, desto später wird er anfangen treife zu essen. Laßt ihn tun und treiben, was er will. Mit der Zeit wird er sich schon beruhigen." Der gute Großvater hat recht gehabt. Ich habe mich mit der Zeit sehr — sehr beruhigt. Aber das geht ja eigentlich niemand was an. . . Einmal, an einem sehr heißen 'Nachmittag im Juni — 0, wie schwitzten da die Leute! Keinen Menschen sah man auf der Straße, und an allen Fenstern waren die Jalousien heruntergelassen. Hier- und da trottelte ein Hund vorbei, dem die Zunge weit zum Maul heraushing; und die Krämer lagen hemdsärmelig aus ihren Ladentischen ausgestreckt und schliefen. Nur wir Jungens blieben fidel. Gleich nach dem Mittagessen liefen wir die Landstraße entlang in unfern lieben Wald, der da anfängt, wo das Städtchen ein Ende hat. Ei, da gab's ein lustiges Spektakel! Erst schimpften wir gemeinsam auf die Schule, dann spielten wir Soldaten und dann „Ritter und Räuber", dann prügelten wir uns und dann trieben wir andere wichtige Dinge. — — Und dort im Schatten der Buchen und Fichten schwanden die Stunden im Laufschritt davon. Wir merktens garnicht, als die Sonne längst ihre brennenden Stacheln eingezogen hatte und als es im Walde allmählich dunkel wurde. Bis einer der Knaben Hunger bekam und sagte, daß er nach Hause müsse; denn seine Mama war sehr streng und er fürchtete sich vor dem Rohrstock. Und ein anderer rief: „Ich geh mit, ich geh mit. Wißt ihr, bei uns gibts heut?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.