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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · p. Seite 150

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 150 (sequence 10)
Language
German
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Seite 150. Israelitische Wochenschrift. 'lir. 11. Kestprediglen von Dr. F. Hillel, Rabbiner in Leipnik. I. Heft: Pessach und Schewuaus. Verlag von I. Kaufmann. Frankfurt a. M. Preis 1 Mk. Mitteilungen zur indischen Volkskunde unter Mitwirkung hervorragender Gelehrten herausgegeben von Dr. M. Grunwald. ReueReihe. Erster Jahrgang. Heftl. Berlin N.W. 7. Verlag von S. Ealvary &. Co. Preis jährlich 4 Mk. Es werde Licht. Eine Aufklärung über Babel und Bibel von Dr. Wilhelm Münz. Breslau. Verlag von Wilhelm Koebner. Preis 0,60 Mk. Ein Blick auf die Geschichte der Juden in Wnrzburg von Rabbiner Dr. M. L. Bamberg er. Verlag der I. Frankeschen Buchhandlung, Würzburg. Meyers Großes Konverfations - Lexikon. Ein Nachschlagewerk des allgemeinen Wissens. Sechste, gänzlich neubearbeitete und vermehrte Auslage. Mehr als 148 000 Artikel und Verweisungen auf über 18 240 Seiten Text mit mehr als 11 OO0 Abbildungen, Karten und Plänen im Text und über 1400 Jllustrationstafeln (darunter etwa 190 Farbendrucktafeln und 300 selbständige Kartenbeilagen) sowie 130 Textbeilagen. 20 Bände in Halbleder gebunden zu je 10 Mark. (Verlag des Bibliographischen Instituts in Leipzig und Wien.) Je mehr die sechste Auflage von Meyers Großem Konversationslexikon fortschreitet, um so mehr erkennen wir, welcher Schatz damit dem deutschen Volke geboten wird. Der soeben erschienene neunte Band ist wiederum mustergültig in Inhalt und Ausstattung. Wenn dem Artikel „Herero" bereits eine Karte „Südwestafrika" beigegeben wurde, so war dies ein sehr glücklicher Gedanke. Von unsrer engern Heimat bringen die Karten „Hessen" und „Hessen-Nassau" eine Uebersicht, für die Kriegslage im Osten wird die Karte „Hinterindien" vielleicht in kurzer Zeit Bedeutung gewinnen. Der Llteraturfreund ftndet auch im neunten Bande sehr reiche Anregung, wenn er Namen wie „Hebel", „Hebbel", „Herder", „Heine", „Heyse", „Hugo", „Herwegh", „Humbold", „Helmholtz", „Hume", „Hegel", „Herbart" und die „Humanisten" vor sich erblickt, den Maler, den Naturfreund ziehen die ganz vortrefflich illustrierten Artikel „Hirsche", „Insektenfresser", „Hühnervögel", „Körperteile der Insekten" an, besondern Reiz aber haben die interessanten Tafeln „Insektenfressende Pflanzen", „Hydromedusen" (aus dem Reich der Narurschönheit) und die fabelhaft lebensvollen Tafeln „Hunde" und „Hühnerrassen", die nicht mehr übertroffen werden können. — Aeußere und innere Politik, Volkswirtschaft, Technologie, Kulturgeschichte, Kunst und Wissenschaft sind mit großer Sorgfalt behandelt, Eine Auszählung alles dessen, was auch als abgeschlossene Lektüre und als Studium hohe Beachrung verdient, würde zu weit führen. 48 Tafeln und 5 Karten schmücken das Werk, wirklich eine prächtige Mitgift für den gediegenen Inhalt. Die Politik.;]\\v Allswanderersrage Die angesehene englische Zeitschrift „Forthnightly Review" plädiert für eine internationale Vereinigung zur Regelung der Auswandererfrage. Alle Länder hätten ein Interesse daran, zu verhüten, daß gute Bürger auswandern und minderwertige Personen einwandern. Die Angelegenheit der Emigranten könne nicht durch einen einzelnen Staat, sondern nur durch eine gemeinsame Aktion geordnet werden. — Dieser Vorschlag erscheint uns wertlos, da kein Land außer England und Amerika ein lebhaftes Interesse an der ganzen Frage hat und die europäischen Staaten sich nicht um Dinge kümmern werden, die ihnen keinen Schaden verursachen. * * + Juden und Antisemiten. Es gibt wahrhaftig Juden, die die Selbstverleugnung so weit treiben, daß sie den Mittelstands- Schwindel der „Staatsbürgerzeitung" mitmachen. In den „Konkordia-Sälen" fand eine Beratung über die Gründung einer Ortsgruppe der deutschen Mittelstands-Vereinigung statt. Ein Redakteur Eisenträger legte sich warmherzig für die Gründung eines Mittelstands-Organs ins Zeug. Justizrat Baumert aus Spandau wollte das sonst von den Handwerkern mit scheelem Auge betrachtete Genossenschaftswesen unterstützt haben; andere wollten das Kapital, andere nur dessen Auswüchse bekämpft wissen. Merkwürdig ist aber, daß Kommerzienrat Lissauer unter diesen stark antisemitelnden Herren eine Rolle spielt und noch merkwürdiger, daß er künftig mit Herrn Bruhn von der „Staatsbürgerzeitung" Arm in Arm gehen wird. Einstimmig wurde nämlich der Antrag auf Gründung einer Ortsgruppe Berlin angenommen, und nach einem lebhaften Widerspruch gegen die Wahl des Kommerzienrats Lissauer, der nicht anwesend war, folgende Personen in den Vorstand des Ausschusses gewählt: Zeitungsverleger Abg. Bruhn, Kommerzienrat Lissauer, Lehrer Berg, Gastwirt Preilipper, Obermeister Bernhardt, Obermeister Rahardt, Ober-Postassistent Stockmann und Obermeister Vogler. Von den Anwesenden erklärten etwa 800 schriftlich ihren Beitritt, darunter auch bekannte liberale Männer. Es wäre interessant, zu erfahren, ob sich Herr Lissauer über die Wahl beruhigt oder die ihm angetane Beleidigung sofort energisch zurückgewiesen hat. -j- * * Das Fremdengeseh in England. Auf eine Anfrage von Sir Howard Vincent antwortete der Minister Balfour im Unterhause: „Ich bin nicht in der Lage augenblicklich anzugeben, an welchem Tage die Fremdenbill eingebracht werden wird. Aber ich hoffe, es wird nicht zu lange dauern". Mr. Balfour stellte die Einbringung des Gesetzantrages noch vor Ostern in Aussicht. -i- * Sympathiekundgebung der Juden in Homel. 24 jüdische Einwohner Hömels veröffentlichen folgenden Brief in der St. Petersburger „Nowosti": „Wir, die unglücklichen Opfer der Homelschen Zerstörung, wir, die wir ruiniert und verarmt sind, können doch nicht umhin, uns mit dem schrecklichen Weh unserer Genossen im Leiden, der Bakuschen Armenier zu beschäftigen. Wie wir, haben sie an sich die grausamen Schläge einer unwissenden Menge erfahren, die von der tückischen Hand menschenhafferischer und dunkler Macher fanatisiert und geleitet wurde. Wie wir, beweinen sie ihre Väter, Mütter, Brüder, Schwestern und Kinder, die durch Kugeln und Dolche in einer friedlichen Stadt, inmitten ihrer friedlichen Beschäftigung umgekommen sind. Friede der Asche der unschuldig Umgekommenen! , Ihr Blut falle auf die Häupter der Anstifter dieses blutigen Gemetzels! Wir glauben, daß die Bakuer Sache allseitig erforscht und durch gerichtliche Untersuchung beleuchtet werden wird, daß sich eine so freche Verletzung der Wahrheit, wie sie sich vor den Augen der ganzen Welt in dem Homelschen Gericht vollzog, niemals mehr in Rußland wiederholen wird. Die Bürgschaft für unseren Glauben ist die Bildung der Untersuchungskommission (in Baku), zu welcher Vertreter der Gesellschaft und der Presse zugezogen sind". Die „Köln. Zeitg." meint, es sej nicht ausgeschlossen, daß der Homelsche Gerichtshof sowohl gegen die „Nowosti" wie gegen die 24 Briefschreiber Klage wegen Amtsbeleidigung erhebt oder daß der Justizmimster es tut. Im übrigen sei dieser Brief sehr charakteristisch für die Sprache, die jetzt die russischen Blätter führen. #>

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