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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-17 · 11 (17.3.1905) · p. Seite 153

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
11 (17.3.1905)
Date
1905-03-17
Page
Seite 153 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Israelitische Wochenschrift. Seite 153 Erdbeeren in Milch, und wenn ich nicht da bin, so ißt meine Schwester den größeren Teil". Und die übrigen schlossen sich den beiden an, und mit lautem Hallo liefen alle auf die Chaussee und heimwärts — alle außer mir. Ich war unbemerkt zurückgeblieben; denn ich wußte ein Geheimnis. Während des Spiels hatte ich in dem Geäst eines Baumes ein Nest entdeckt. Das wollte ich nun plündern. Ich zog meine Jacke aus, spuckte mir in die Hände und begann zu klettern, immer höher und höher; und endlich war ich oben und guckte der entsetzten Familie ins saubere Stübchen. Zwei Vögel flatterten mit großem Geschrei heraus und hüpften zwitschernd hin und her, von einem Ast zum andern. Und da sah ich drei gelbe Küchlein, die machten die Schnäbelchen auf, als hätten sie eine Bitte an mich ... Ich packte die kleine Gesellschaft, legte sie in meine Mütze und sprang eilig hinab. Heidi! ging's im Galopp durch den Wald. Die beiden alten' Vögel umkreisten mich mit ihrem Gestöhne. Da hörte ich, wie eins von den Kleinen in meiner Mütze betete: „O Gott, du lieber Gott, Hab Erbarmen mit uns und bring uns in unser Nest zurück". Und das Elternpaar über mir in der Luft schrie: „Verflucht sei der Räuber, Gott verfluch' ihn!" — Was frag ich nach eurem Gekrächze, dacht ich mir. Schreit, was ihr wollt, Viehcher, dumme. Immer rascher rannte ich und überlegte dabei, wie ich aus einer Zigarrenkiste einen Käfig für meine Zöglinge machen könnte. Und als ich in der Stadt ankam, war mein erster Gang zum Großvater, weil ich ihm eine Freude bereiten wollte. „Sieh mal, Großvater!" „Was hast du denn da, mein Kind?" „Kann man kleinen Vögeln Milch zu trinken geben?" fragte ich. „Du bist ein Schaf." „Schau mal in die Mütze 'nein. Die sind ganz jung und haben noch keine Federn. Ich werde mir jetzt eine Kiste holen — —" Aber was für ein bitterböses Gesicht der Großvater machte! „Pfui, schäm dich!" sagte er. Ich stand betroffen da und wußte nicht, was ich antworten sollte. Und er zog mich zu sich Heren und sprach: „Was du getan hast, ist eine große Sünde". Dann holte er sein buntes Taschentuch hervor und putzte mir kräftig die Nase, so daß mir die Tränen in die Augen traten. Da glaubte der gute Großvater, daß ich weine, und er begann mich zu trösten: „Sei hübsch still, mein Junge, das läßt sich wieder gut machen. — Weißt du nicht mehr, daß ich dir cmmal erzählte, wie der grausame Römer die Juden aus ihrem Lande verjagte und wie er die jammernden Kindlein aus ihren kleinen warmen Nestchen stahl? — Hast du das alles schon vergessen? — Und wie schreckliches Unglück seitdem unser armes Volk bedrängt? — Damals sagtest du: Großvater, ich will zum lieben Gott beten, daß er uns wieder in unsere Heimat führt. . . 'Nun sieh, mein Kind, heute bist du selbst ein Titus und raubst die hilflosen Tierchen aus ihrem Nest, — weil's dir Spaß macht. Wie sollte Gott dein Gebet erhören? Soll er dich damit segnen, womit du anderen Wesen siuchst? Das kann er nicht, unser Gott ist nicht so ungerecht. Und wenn wir alle um unsere Heimkehr flehen, dann mußt du schweigsam im Winkel stehen und dir denken: Ich brauche meine Lippen nicht zu bewegen, denn mein Gebet wird der Himmel gewiß nicht erhören". Er sprach das so feierlich gedämpft, daß mir graute. Ich empfand ein seltsames Weh, und mir wurde so — ach ich weiß nicht wie. Fast hätte ich jetzt wirklich geweint. Ich sah betrübt zu Boden und stammelte: „Großvater, ich will die Vögel wieder zurücktragen". Und da küßte er mich auf die Stirn: „Tu das, mein Kind". Als ob mich ein Gespenst verfolgte, so rannte ich durch die Landstraße. Wie lang war doch der Weg! Obwohl ein kühlendes Lüftchen wehte, fühlte ich, wie mir die Tropfen den Rücken hinunterrollten; aber ich wagte nicht zu verschnaufen und lief und lief, was ich laufen konnte, bis ich den Saum des Waldes erreichte. Da war's so still. Ich hörte nichts, als das Flüstern des Abendwinds, der träumend durch die Zweige schlich. Und ich ging tiefer in den Wald hineinhorch! Eines Vögleins Stimme, und wie ein Klagelied klang's. Immer deutlicher vernahm ich die Töne; und als ich am Baume stand, der das verwaiste Nestchen barg, da wußte ich's, , woher sie kamen. Zwei trauernde Eltern weinten um die verlorenen Kinder. Ein inniges Mitleid erfüllte mein Herz. Ich nahm die Mütze mit den Küchlein zwischen die Zähne und kletterte behutsam hinauf. Husch! Da flüchteten die beiden alten Vögel. Vorsichtig faßte ich die Jungen und legte sie nebeneinander ms weiche Bett. Dann bedeckte ich meinen Kopf und ließ mich behend auf den Boden herab. Nun begann ein lärmendes Gepiepse. Die Alten waren herbeigeflogen und sprangen erregt auf dem Rande des Nestchens herum. Das war ein Wiedersehen! Das war eine Freude! Und ich hörte, wie sie riefen: Viel Dank, viel Dank. — — — Ein Sternlein vom Himmel blickte durch die leise tänzelnden Blätter hernieder. Die blassen Mondstrahlen schlängelten sich durch das Gebüsch. Ich war so voll des Glücks. Da lehnte ich meine Schläfe an den Baum und faltete die Hände und betete. . . Die hiesige jüdische Gemeinde beabsichtigt die Anstellung eines Predigers, der zugleich eine Religionsschule leiten soll. Reichsangehörige, welche die Qualifikation als Rabbiner besitzen, werden ersucht, ihre Meldungen unter Beifügung von Zeugnissen bis spätestens 31. d. M. bei dem Unterzeichneten Vorstand einzureichen. Berlin, den 8. März 1905. Der Worstand der jüdischen Gemeinde. MAGGI Würze. Altbewährt! Vielfach preisgekrönt! 'bim Mk. 1.20, 1.40, 1.50, 1,60, 1.70, 1.80, 1.90, 2.— pro V> Ko. Käuflich in fast allen Geschäften der Konsumbranche und den eigenen Filialen der Firma A. Zuntz sei. Wwe. Probe-Ausschank: Leipzigerstr. 83 und Spittelmarkt 8—10.

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