Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- Seite 124 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 124 Israelitische Wochenschrift. Nr. 9. Nürnberg, den 1. März. (Umwandlung einer jüdischen Schule.) Durch Regierungsentschließung wurde genehmigt, daß die israelitische Religionsschule zu Scheinfeld in eine Elementarschule umgewandelt werde. Wien, 18. Februar. (Gedenktafel für Theodor- Herz l.) Wie die „Welt" mitteilt, hat der Verein „Ahawath Zion" in Preßburg beschlossen, mit den anderen zionistischen Vereinen Ungarns in Verbindung zu treten, damit eine Gedenktafel an Dr. Theodor Herzls Geburtshaus in Budapest angebracht werde. London, 16. Februar. (Auch ein Weg zur Lösung der Judenfrage.) Lassans Bureau meldet: Die russischen Ministerien der Finanzen und der Eisenbahnen haben nach einem Petersburger Telegramm des „Daily Telegraph" Anordnung getroffen, den nach nichteuropäischen Ländern auswandernden Juden Eisenbahn-Fahrkarten zu einem Viertel des sonst üblichen Preises zur Verfügung zu stellen. Petersburg, 27. Februar. (Der russisch-japanische Krieg und die Juden.) Die hebräischen und jüdischen Zeitungen in Rußland veröffentlichten einen warmen Aufruf zugunsten der 40 000 Soldaten, die sich auf den mandschurischen Schlachtfeldern befinden und sehnlichst wünschen, mit ritueller Kost für die bevorstehenden Osterfeiertage versehen zu werden. Mit Einwilligung des Ministeriums wurde zu diesem Zwecke ein Komitee gegründet; in Samara und Irkutsk sind Orte bestellt, wo die Mazzoth gebacken werden sollen, auch der Transport ist gesichert, nur fehlt es an Mitteln zur Anschaffung des Mehls, das hingeschickt werden soll. Kischinew, 28. Februar. (Russisches Recht.) In dem Prozeß gegen 31 .Christen, die beschuldigt waren, während der Judenhetzen die Jüdin Spiwok ermordet zu haben, wurde die Anklage fallen gelassen. Neun Personen wurden ganz fr^eigesprochen, 22 zu einem Monat Arrest verurteilt, aber auf Hrund des Augustmanifest für straffrei erklärt. Lemberg, 27. Februar. (Ausweisung jüdischer Auswanderer.) 30 jüdische Emigranten, die in Lemberg keine Arbeit finden konnten und von der Polizeibehörde an bem weitern Verbleiben verhindert waren, verließen die Stadt, um sich zu Fuß nach Hamburg zu begeben. Personalnachrichten und Heine Mitteilungen. In Oberwesel wurde der jüdische Lehrer M. Moses auch an der katholischen Stadtschule angestellt, und zwar für den deutschen Unterricht. — Tie angesehensten Newyorker Israeliten haben eine Einladung zum Diner des Presse-Klubs abgelehnt, weil der den Juden feindlich gesinnte russische Gesandte, Graf Cassini — und zwar als der einzige von den fremder: Diplomaten — eingeladen wurde. Wäre ein solcher Judenstolz in Deutschland oder Oesterreich denkbar? — Herr HugoLißner, Begründer und Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Nagasaki, der erster: in Japan, ist im Alter von 88 Jahren verschieden. — Herr Dr. Dünner aus Köln ist einstimmig zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde Rogasen gewählt worden. — Auf dem jüdischen Friedhof des Saardorfesj Könen bei Trier demolierter: ruchlose Hände der: größter: Teil der Grabdenkmäler. Der zionistische Nachlaß Theodor H erzls wird, wie uns mitgeteilt wird, herausgegeben von Professor Leon Kellner, im April d. I. erscheinen. Das Werk wird zwei Bände umfassen und der: Titel: „Theodor Herzls sämtliche zioriistische Schriften" führen. Es wird alle bedeutender: Äußerungen des Zionistenführers, rvie sie irr: handschriftlicher: Nachlaß und ir: Publikationen und Reden vorlieger:, enthalten, dazu der: (in: Buchhandel jetzt vergriffenen) „Judenstaat". In seiner Zusarnmenstellung wird das Buch eir: wertvolles bleibendes Andenker: an der: dahingeschiedenen Führer, ur:d einer: bedeutsamer: Beitrag zur Erfassung seiner Persönlichkeit und der Geschichte der vor: ihn: geleiteten Bewegung darsteller:. Es wird im Jüdischen Verlag, Berlin - Charlottenburg, Herderstrafte 3—4, erscheinen. Vakanzen. Knltusbeamtor und Lehrer per Oktober d. I. in Hamm i. W. Gehalt 2000 Mk. und ca. 500 Mk. Nebeneinkomrnen. Bewerbungen mus. geb. Reflektanten ninunt der Vorstand der Syrragogen-Gemeirrde entgegen. — Sen:, geb. Religionslehrer, ftcmtoi- und Schächter per gleich oder 1. April irr Hüls. Gehalt 900 Mk. bei 200 Mk. Nebeneirrnahme und freier Wohnung. Offerier: lediger Bewerber an der: Vorsteher Herrn A. S. Davids. ~ Religionslehrer und Kantor ir: Andernach a. Rh. per 15. 4 Einkommen 1800 Mk. bis 2000 Mk. Meldungen ar: den Vorsteher, Herrn Simon Kaufmann. — Kantor, Religionslehrer, Schochet, rurd Balkore ir: Scharley O.-S. Gehalt 1000 Mk. und ca. 400 Mk. Rebeneinnahme. Meldur:ger: an Herrr: A. Koplowitz. — Vorbeter, Lehrer und Schächter per 1. April ir: Riesenburg Wpr. Gehalt 1200 Mk. und ca. 000 Mk. Nebeneinkornmen. Offerier: ar: den Vorsteher, Herrn N. Hirschfeld. — Stellvertretender Kantor, Schächter ur:d Lehrer für die Monate April und Mai ir: Nieser:bürg Wpr. Anfrager: ar: Herrn Kantor A. Le,vithau. — Zweiter Kantor, Schächter und Thoravorleser per 1. April in Koster: (Posen). Einkomrnen ca. 1200 Mk. Offerten vorn Syrmgogen-Vorstand erbeten. — $ e u 111 e t o n. RabtscbiR. Eine nachdenkliche Geschichte. Rach dem Jüdisch-Deutschen des Scholen: Aleichem. Rabtschik war ein weißer, fleckiger Hund mittlerer Größe. Er war ruhig und schweigsam, konnte niemand etwas zuleide tun, und es verdroß ihn sogar, wenn ein anderer Hund die Vorübergehenden von hinten her anbellte, ihnen an die Rockschöße sprang und sie in die Waden biß. Er war zufrieden, wenn rnar: ihn nur in Ruhe ließ. Aber wie selten traf sich das! Dem Rabtschik eins mit dem Stock zu versetzen, ihm einer: Fußtritt zu geben, ihm einen Stein an den Schädel zu werfen oder einen Eimer voll Spülwasser über ihn zu gießen, das war vielen ein angenehmer Zeitvertreib. Sogar eine Wohltat. Und Rabtschik pflegte sich mit seinen rohen Peinigern nicht in lange Diskussionen einzulassen, grimmig zu bellen oderwütend die Zähne zu fletschen; im Gegenteil. Jedesmal, wenn er einen Stoß erhielt, bückte er sich demütig, fast bis zur Erde, gab höchstens einen quiekenden Laut von sich und floh mit eingezogenem Schwanz, um in irgend einer sicheren Ecke Schutz zu suchen und nachdenklich Fliegen zu fangen. Wer Rabtschik eigentlich war und woher er stammte, ist unbekannt. Wahrscheinlich gehörte er dem alten Gutsbesitzer, dem früheren Eigentümer dieses Hofes, den er nicht mehr verlassen wollte. Vielleicht hatte er sich auch verirrt, war seinen: Herrn verloren gegangen und nun bei einem andern geblieben. Dir, lieber Leser, ist doch gewiß schon einmal ein obdachloser Hund begegnet, der Dir Schritt für Schritt folgte. Was ist