Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-03-03 · 9 (3.3.1905) · p. Seite 121

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
9 (3.3.1905)
Date
1905-03-03
Page
Seite 121 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9606364-9606424--9148-9606433
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 9. Israelitische Wochenschrift. Seite 121. stimmungen in ihren Bezirken nicht nur völlig zufrieden ist, sondern daß sie auch Aenderungen der bestehenden Verhältnisse nicht wünscht". Den letzten Punkt der Tagesordnung: „Wahl eines Vorsitzenden" hatte der Vorsitzende aus eigenem Antriebe auf die Tagesordnung gesetzt. Er begründet dies mit inner» Vereinsangelegenheiten. Die Versammlung wollte indessen zu einer Neuwahl nicht schreiten, gab vielmehr dem Vorsitzenden einstimmig ein Vertrauensvotum mit der Bitte, das Amt beizuhalten. Demgemäß wurde dieser Punkt der Tagesordnung heute abgesetzt. Nach einigen Schlußworten des Vorsitzenden wurde die Generalversammlung um 5 Uhr geschlossen. ' Der Schriftführer A. Gottschalk-Esens. Literarisches. M. Stengel: Gedichte. E. Piersons Verlag. Dresden 1905. Dr. Markus Epstein: Prozessuale Rechtsgrundsätze der Juden in biblischer und nachbiblischer Zeit. Eine juristische quellenmäßige Studie zur Streitfrage: Bibel oder Babel. Verlag I. Kaufmann-Frankfurt a. M. 1905. Die Broschüre schildert auf 30 Seiten jüdisches Recht im engen Anschluß an Dr. H. Müllers Werk „Die Gesetze Hammurabis und ihr Verhältnis zur mosaischen Gesetzgebung." Der Verfasser hat durch langjährige Tätigkeit als Anwalt eine ausgezeichnete Kenntnis des heutigen Rechtslebens und der modernen österreichischen Gesetzgebung. Ueberall ist er daher imstande, das Fortleben oder das Wiedererwachen jüdischer Ideen im modernen Recht zu beobachten Die Bemerkungen, die er hierüber an zahlreichen Quellen macht, geben dem Heftchen auch einen selbständigen Wert. Dr. M. Marge!: Deutsch-hebräis^es Wörterbuch. Heft 17 und 18. Verlag Leopold Klein. Pozega 1904. Pr. A. Areimann und Pr. K. Wrody. Zeitschrift für hebräische Bibliographie. VIII. Jahrg. 6 Mk. Frankfurt a. M. I. Kauffmann. 1904. Ludwig Pastor. Ungedruckte Akten (Acta inedita) zur Geschichte der Päpste. Freiburg i. Br. Der erste Band behandelt die Periode von 1376—1464. Das Werk ist von großem Wert sür die Geschichte der Juden im Mittelalter. Im März 1456 finden wir einen Antrag des päpstlichen Gesandten in Venedig, die Juden mit Vio ihres Einkommens sür den Krieg gegen die Türken zu besteuern. Jrn Oktober 1459 tritt ein ähnlicher Vorschlag auf, aber die Steuer wurde um die Hälfte herabgesetzt. Und so geht's fort ad infinitum. Das ganze Buch, das außerordentlich interessant ist, macht den Eindruck einer modernen Spendenliste für Kirchenbanten. Die Politik. Pie Asyle sür Hvdachlose. Der Vorstand des Berliner Asylvereins hat seinen Jahresbericht veröffentlicht und führt darin die Namen derjenigen Personen auf, die dem Verein Zuwendungen gemacht haben. Darüber expektoriert die „Deutsche Tageszeitung" folgendermaßen: „Aber frage niemand, wie es in diesem Verzeichnis aussieht! Unter den 22 Gebern unter dom Buchstaben C sind 11 Cohn; der Buchstabe G. hat unter sich fast nur Goldberger, Goldschmidt unb Guttmann; unter L. kommen die Lachmann, Lewin, Levy, Loewy und Liepmann. 46 Mann hoch, nicht ein einziger deutscher Name verunziert diese Rubrik. Dasselbe ist beim Buchstaben N der Fall. Auch die lange Reihe der Salomon, Schlesinger, Simon und ähnlicher Namen unter S weist eine stattliche Reihe runder Nullen zum Teil in fünfstelligen Zahlen auf." Welch ein Verbrechen, daß Juden den Instituten, die wohl nur sehr selten von ihren Stammesgenossen ausgesucht werden, so reiche Geschenke machen! Das Agrarierblatt mit seinem Wahlspruch „Nehmen ist seliger denn Geben" kann natürlich nicht begreifen, daß Menschen in uneigennütziger Weise wohltätige Institute unterstützen. Gleichwohl müssen wir zugeben, daß in der Entrüstung der „Deutschen Tageszeitung" ein berechtigter Kern steckt; denn es ist eine jüdische Frechheit, arme Christen zu unterstützen, während die Christen so bescheiden sind, niemals ihre Namen auf Spendenlisten für arme Juden zu setzen. * * * Pie Kirchensteuer in Swinemünde. Im preußischen Landtag beschwerte sich der Abgeordnete Rosenow darüber, daß in Swinemünde katholische und jüdische Hausbesitzer noch immer Abgaben zu Zwecken der evangelischen Kirche zu zahlen haben. Geheimrat v. Chappuis erwiderte, der Minister habe den Oberkirchenrat ersucht, die Steuer aufzuheben, und die Kirchengemeinde in Swinemünde sei neuerdings ermächtigt worden, für katholische und jüdische Hausbesitzer die Steuer fallen zu lassen. * * * Kitt Schächtverbot in Wien. In der letzten Sitzung de.s Stadtrats berichtete Stadtrat Dr. Krenn über die Abschaffung des Schächtens der Schlachttiere. Nach einem Referat, ii^ dem unter anderm eine Schlachtung ohne vorausgehende Betäubung des Schlachttiers vom Referenten als eine höchst tierquälerische Maßregel bezeichnet und darauf hingewiesen wurde, daß in andren Ländern z. B. in der Schweiz, Sachsen usw ein Verbot dieser Schlachtart schon längere Zeit bestehe, gelangte der Berichterstatter zu folgendem Antrag: Es seien sämtliche in den städtischen Schlachthäusern zur Tötung kommenden Schlachttiere, bevor ihnen das Blut entzogen wird, durch Stirnschlag vollständig zu betäuben. Der Antrag wurde einstimmig zum Beschluß erhoben. * Pie Thronrede des Königs von England. In der Thronrede bei Eröffnung des Parlaments findet sich ein Passus, der den gesetzgebenden Körperschaften die Einbringung der sog. Fremdenbill verspricht. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das Gesetz mit großer Mehrheit angenommen werden wird. Pas russische Saßgeseh. Nach der bekannten Tageszeitung „Naschi Dni" arbeiten die Polizeidepartements gegenwärtig ein Paßgesetz aus, das den Paßzwang innerhalb Rußlands sür sämtliche Russen mit Ausnahme der Juden abschafft. * -i- Zum Sündenregister des Großfürsten Sergius liefert die in Paris erscheinende „Tribüne Russe", das Organ der russischen Revolutionäre, folgenden Beitrag, der auch die Stellung des Großfürsten zur Judenfrage beleuchtet: „Man erinnert sich noch der furchtbaren Judenaustreibungen, die auf

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.