Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 9 (3.3.1905)
- Date
- 1905-03-03
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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'Jii. 9 Israelitische Wochenschrtst. Seite 119. eine Summe, die im Verhältnis zum Synagogenetat natürlich garnicht in Betracht kommen kann. Ein weiteres Herabgehen in den Preisen für die besseren Synagogenplätze hält er für möglich. Die Herren Loewenthal und Weinberg sehen vom praktischen Standpunkt der Synagogenvorsteher keine Veranlassung, an dem jetzigen Modus — die Mizwoth werden gegen Entrichtung von nur 1 Mark an die in einer Liste eingetragenen Petenten vergeben -- etwas zu ändern. Prof. Kalischer findet die jetzige Form des Verkaufs durchaus würdig, auch Justizrat Simon wünscht die Beibehaltung des Herkommens, auf dessen ethischen Hintergrund er nachweist, während Herr Hirsch die Abstellung des Verkaufes befürwortet, der bereits in allen kleinen Gemeinden eingestellt sei. Die Versammlung einigt sich, nachdem zwei Anträge zurückgezogen waren, auf einen Antrag Blaschke, in dem der Gemeindevorstand ersucht wird, die vereinigten Synagogenvorstände betreffs dieser Frage zur gutachtlichen Aeußerung und schriftlichen Berichterstattung aufzufordern. Beim Etat der Koscherfleischkommission gibt der Referent zahlenmäßige Beläge für den Rückgang des Konsums an Koscherfleisch. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Jacoby, bestätigt nochmals diese Tatsache, da seine bereits jüngst hierüber gemachten Angaben von der Separatgemeinde Adaß Jisroel als unzutreffend bezeichnet worden sind. Die Zunahme an Fleischverbrauch um nur 250/0 in dieser Nebengemeinde betrachtet Herr Jacoby unter Berücksichtigung der durch Zuzug und durch die Heranwachsende Generation erfolgende Erweiterung der Gemeinde ebenfalls für einen Beweis des Rückganges des Konsums. Geheimrat Blumenthal will den Grund des Rückganges in den zu hohen Preisen des unter Aufsicht des Nabbinats stehenden Fleisches erkennen, Prof. Blaschke vermutet den Grund in der Aufhebpng der Fleischbeschau, wodurch mehr Fleisch von auswärts eingeführt werde. In die gemischte Deputation zum Zwecke der Vorbereitung des Krankenhausbaues werden die Herren Baginsky, Blumen- 'thal, Senator, Manheimer, Hirsch und Weigert abgeordnet. Die Bewilligung eines Beitrages zu dem Verband für Statistik der Juden wird in die geheime Sitzung verlegt. Von einem Schreiben aus der Kraftschen Knabenschule, in welchem die fernere Erteilung von jüdischem Religionsunterricht abgelehnt wird, nimmt die Versammlung Kenntnis. In einer sehr ausgedehnten Debatte beschäftigte sich die Versammlung noch mit einem Anträge des Gemeindevorstandes, für die laufende Etatsperiode Gemeindemitglieder mit einem Jahreseinkommen von 900 Mk. und darunter von der Beitragspflicht zu entbinden, ausgenommen in denjenigen Fällen, in denen solche Mitglieder freiwillig den Beitrag zahlen. Irgend ein Extraneus in der Steuerverwaltung hat schlaflose Nächte darüber verbracht, daß die Fassung des § 59 des Gemeindestatul s den Schluß zulasse, daß die Gemeinde verpflichtet sei, selbst solche Personen, die mangels jeglichen Einkommens unter 900 Mk. von der staatlichen Einkommensteuer befreit sind, mit dem Mindestbelrag von 0 Mk. jährlich zu den Gemeidebeiträgen hcranzuziehen. Ein solches Verfahren ist undenkbar, widerspricht der Billigkeit und würde die Gemeinde finanziell belasten, da die Einziehungskosten die Einnahmen übersteigen würden. Gcmeindesyndikus Lilienthal bittet aus rechtlichen Gesichtspunkten, den Antrag, welcher nichts neues schaffe und nur den längst gewohnten Brauch legalisieren wolle, anzunehmen, Kommissar Eisner, der Vorsitzende der Veranlagungskommission, plaidiert aus rein praktischen Gründen für die Annahme. Der Referent der Vorlage, Prof. Blaschke, beantragt die Annahme mit dem Amendement, daß die Gemeindemitglieder über die Folgen für das aktive und passive Wahlrecht unterrichtet werden. Der Korreferent, Geheimrat Blumenthal, wünscht die Ablehnung aus ethischen Gründen, denn in einer Religionsgemeinde solle jeder das Recht haben, mitzureden, und empstehlt die alljährliche Festsetzung einer Bestimmung, ob die unterste Steuersiufe zur Erhebung gelangen soll oder nicht. Justizrat Simon beantragt nach längeren juristischen Deduktionen, den Gemeindcvorstand zu ersuchen, von einer Veranlagung der Censiten unter 900 Mk, Abstand zu nehmen, da eine solche dem § 59 der Statuten nicht entspricht. Herr Loewenthal befürwortet die glatte Annahme des Vorstandsantrages unter Ablehnung aller übrigen Anträge, während Herr Weinberg gegen die Annahme des Antrages, der für ihn eine Statutenänderung bedeutet, spricht. Die ausgedehnte Debatte endete wie das Hornberger Schießen; sämtliche Anträge wurden abgelehnt, der Antrag des Gemeindevorstandes mit 6 gegen 7 Stimmen. ürrrin der jüdischen lehrtr i» den llnlihiiuitslirmkrii (Oiidrn-tAdrnbilrg-Sremrn. Protokoll über die außerordentliche General-Bersammlitng am 19. Februar 1905. Zwecks Berichterstattung über den Kasseler Verbandstag und Stellung der Konferenz zu dessen Beschlüssen bezw. zum Verband fand am heutigen Tage eine außerordentliche General-Versammlung unseres Vereins statt. Die Mitglieder waren fast vollzählig erschienen, da alle wußten, daß auf der heutigen Konferenz eine für unfern Verein wichtige Frage zur Entscheidung kommen würde. Anwesend waren die Herren Landrabbiner Dr. Löb-Emden, Dr. Mannheimer-Oldenburg, Dr. Rosenack-Bremen, Lehrer Apt Emden, Abt-Weener, Adler- Delmenhorst, Bernheim-Varel, Gottschalk-Esens, Klein-Norden, Lachmann-Wittmund, Levy-Norden, Lothheim-Dornum, Lstwenstein-Jever, Meyer-Leer, Meyer-Wilhelmshaven, MeenM- Bremen, Selig-Emden, Seliger-Bunde, Strauß-Papenburg/^ Speier-Sögel, Wolkowsky-Neustadt-Gödens. Der Vorsitzende Levy-Norden eröffnete 1// Uhr die Sitzung mit herzlichen Begrüßungsworten und verlas dann den von 14 Mitgliedern unseres Vereins Unterzeichneten Antrag, der um Einberufung der heutigen Generalversammlung zwecks Berichterstattung unseres Delegierten über den dritten Verbandslag zu Kassel und Stellungnahme unseres Vereins zu den Beschlüssen und zum Verbände ersuchte. Alsdann machte er einige geschäftliche Mitteilungen, daran anknüpfend, daß der Referent Wolff-Aurich durch Krankheit leider verhindert sei, den Bericht mündlich zu erstatten, da ihm nach einem der Konferenz vorliegenden ärztlichen Zeugnis seines leidenden Zustarü^H wegen mehrere Wochen jede amtliche wie außeramtliche TcrtM keit versagt sei. Wolfs aber habe seinen Bericht schriftlich eingesandt. Die Versammlung beauftragt hierauf den Schriftführer, Wolff die herzlichste Teilnahme sowie die besten Wünsche für seine baldige Genesung auszusprechen. Auf Antrag wird der Bericht vom Vorsitzenden verlesen. Dieser schildert im großen und ganzen den Verlauf des Verbandstages so, wie ihn das amtliche Protokoll bringt. Jedoch bedarf letzteres in einigen für uns wichtigen Punkten der Berichtigung. Es ist nicht richtig, wenn das amtliche Protokoll schreibt, daß die Ablehnung des von unserem Verein gestellten Antrages einstimmig erfolgt sei, und damit sagen will, daß Wolff schließlich selbst gegen seinen eignen Antrag gestimmt habe. Wolff hat viel-