Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 4. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 2)
- Language
- German
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das wiederholte בקרב שנים ein bescheidenes sich Ergeben in den Gotteswillen, der da gebietet (23) חכה א! Nun kann aber שמעך in schönem Doppelsinne auch auf eine Kunde aus der Vergangenheit hindeuten, auf eine Nachricht wie 29 : 3 שמע יעקב, und demnach könnte es als Ueberleitung zu der nun folgenden Schilderung dienen, die bekanntlich von jeher als Spiegelbild des Mosesegens, des Deboraliedes, und des 468 ׳ angesehen worden ist. In allen diesen Stücken versetzen sich die Seher und Dichter in die Vorzeit Israels, um daraus Trost für die Gegenwart oder frohe Hoffnungen für die Zukunft zu schöpfen. Die allgemeinen Züge dieses Gemäldes schildern die glanzvollsten Ereignisse jener Zeit, also den Zug durchs rote Meer, die Sinaierscheinung, den Zug über den Jordan (310), die Schlacht bei Gibeon (!1) und die vollkommene Niederwerfung der Kanaanitischen Völker, deren Absichten mit unverkennbarem Seitenblick auf den Chaldäer (314) lebhaft geschildert werden. 315 greift auf die Haupt- Schilderung der ersten Sätze und 316 auf die Stirnmung von 3^ zurück, während 317 das verwüstete Land nach dem Zuge der Chaldäer zeigt 18—19 bieten den hoffnungsfreudigen Ausblick, der der Zweck des Ganzen ist, während der Schluß im Gegensatz zum schwermütigen 31 שגיון, also למנצח בנגימתי etwas Siegesfreudiges hat (schon von LXX bemerkt toD vuc^xi). Der Schluß gleicht 4 18 34, der auch sonst dem Inhalte unseres Abschnittes nicht fernsteht. Ob man dies dritte Kapitel gern entbehren möchte? Es bietet uns, nachdem die Gottheit mit göttlicher Zunge gesprochen, den versöhnenden Ab- Schluß; es zeigt uns, wie sich der Mensch aus seiner Angst und Beschränktheit zu höherer Auffassung emporgearbeitet, und nur so, indem vor unseren Augen das menschliche Gefühl sich klärt und beruhigt, können wir uns als Menschen befriedigt fühlen. Es ist die gleiche menschliche Saite, die auch l!g!7 anklingt, und in beiden Stellen ringt mit aller Zähigkeit das Sondergefühl des Menschen um seine Anerkennung. (Fortsetzung folgt.) Optimismus Israels. Von Dr. A. Lericli. Dieselben Motive und Eigenschaften wie bei einzelnen Individuen sind auch bei Völkern maßgebend für die Bildung der optimistischen Weltanschauung. Ein Volk, von einem gesunden sittliehen Trieb geleitet, welches ein einheitliches ethisches in sich geschlossenes Prinzip zur Grundläge seines Strebens und Lebens gemacht, davon seine Ideen und Grundsätze ableitend, die weit über den engen Kreis seiner Volksgemeinschaft der großen Menschheit zugute kommen, ein solches Volk dürfte sich nicht aufgeben, dürfte nicht an sich an seinen Idealen zweifelhaft werden. Vielmehr würde ein solches Volk festen Glauben an seine Zukunft bewahren; es wird Leiden dulden, aber doch leben wollen. Jedes Glied eines solchen Volks sieht in dem Bestände dieses die Sicherung seiner idealen Existenz, denn in der Gemeinschaft liegt für es die Gewähr für die Aufrechterhaltung und Fortbildung der Idee; diese aber ist gleichsam die Verkörperung der Volksgemeinschaft. Hier wird jeder bei der Fortbildung und Ausbildung seiner Kräfte und Fähigkeiten an die Förderung und Fortentwicklung der Gemeinschaft denken, als deren Schuldner er sich fühlt und diese weiß es zu schätzen, sie behält ihre Getreuen im Andenken. Nicht anders verhält es sich mit der Generation im geschichtlichen Leben eines solchen Volks. Im Glorienschein einer großen Vergangenheit betrachtet sie ihr kurzes Dasein und sieht in und durch sich den ewigen Bestand ihres Volks gewährt. Die Generation bildet gleichsam eine Station an der Grenze zwischen Vergangenheit und Zukunft für den auf der geschichtlichen Reise sich befindenden Volksgeist. Dagegen wird ein Volk, das von Natur leichtlebig, vielleicht sittlich etwas locker, dem es für die Zusammenfassung und Durchdringung des Lebens an einem einheitlichen ethischen Ideal fehlt, aus dem heraus sich der Volkscharakter und seine Lebensformen entwickeln, mit der Zeit entweder degenerieren oder ganz verschwinden. Israel mit seiner einheitlichen großangelegten, vom reinsten ethischen Inhalt erfüllten Gottes- und Weltanschauung stellt das erstere dar, während die Griechen, deren Gottesideal ein in eine Vielheit zerklüftete Gottheit, deren Teile ein Zerrbild menschlicher Begierden und Leidenschaften waren, das letztere. Im Lichte jenes einheitlichen ethischen Weltprinzips-Gott beurteiltlsrael das Leben, den Menschen. In seinem allzusammenfassenden Willen vereinigt es sich zu einem Volk. In ihm sieht es seine Existenz begründet. ״Ihr seid mir ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk“. Das Leben wird zu dem göttlichen Willen in engster Beziehung gebracht, an ihm wird es auf seinen Inhalt geprüft und eingeschätzt. Die Eigenschaften Gottes, wie sie in seinem Walten in der Natur offenbar werden, suche sich der Mensch anzueignen, dahin deuten unsere Weisen das Schriftwort: Du sollst in seinen Wegen wandeln. So sehr sind die ethischen Forderungen in das israelitische Volksbewußtsein gedrungen, so sehr identifizierte sich Israel mit diesem, daß es jedes Abweichen von ihm als etwas Unnatürliches, Krankhaftes ansah, das Unglück und Leiden im Gefolge haben müsse. Diese wurden also in Israel nicht als ein unabwendbares Geschick, als ein grundloser Haß der Götter empfunden, sondern als eine gerechte Strafe; daher soll der Mensch nach dem Talmud, wenn ihn Unglück getroffen, mit sich selbst ins Gericht gehen. Durch die Strafe aber gelangt der Mensch zum Bewußtsein des Guten, zu einer höhern Würdigung des Sittlichen. Diese Ansicht spricht Ez. aus in dem Satz: ״Nicht die Strafe des Frevlers, seinen Tod wünscht Gott, sondern seine Rückkehr, daß er wieder genese“. Die Natur mit all ihren nützlichen und schädliehen Kräften, den andern Völkern ein Gegenstand der Furcht und Drohung, wird in Israel, da sie in