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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-01-13 · 2 (13.1.1905) · p. Seite 25

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
2 (13.1.1905)
Date
1905-01-13
Page
Seite 25 (sequence 14)
Language
German
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Israelitische Wochenschrift. Seite 25. Nr. 2. Bezirke Zwickau und Schwarzenberg errichtet hier eine Andachtsstätte. Die Gemeinde zählt ungefähr 180 Mitglieder. Wien, 7. Januar. (Der nächste Zionistenkongreß.) Das große Aktions-Komitee, das augenblicklich hier tagt, hat bestimmt, daß der nächste Kongreß Ende Juli oder Anfang August stattsinden soll. An den Kongreß wird sich unmittelbar ein zweiter, außerordentlicher Kongreß anschließen, der über das bekannte Ostasrika-Projekt entscheiden wird. Wien, 7. Januar. (Theodor Herzls Nachlaß.) Wie die „Welt" mitteilt, werden die unveröffentlichten zionistischen Reden und Essays Herzls zusammen mit den gedruckten Arbeiten zu einem Werk vereinigt, das den Titel führen wird: „Theodor Herzls sämtliche zionistische Schriften". Dieses Werk wird von Professor L. Kellner hcrausgegeben werden, der von Herzl testamentarisch zum Herausgeber des literarischen Nachlasses bestellt worden ist. Iekalerinoskaw (Rußland), 6. Januar. (Neue Judenhetze.) Hier wurden unter der christlichen Bevölkerung massenhaft Proklamationen verbreitet, worin zur Bernichtung der Juden aufgefordert wird; denn diese seien schuld am Krieg und hätten den Minister des Innern, Fürsten Swjatopolk-Mirski, bestochen, damit er sich für sie verwende. — Wenn diese Nachricht auf Wahrheit beruht, so wird man wohl mit Recht annehmen können, daß höhere Personen die Hand im Spiel haben, die nach berühmten Mustern den Zorn des Volks über den unseligen Krieg auf die Juden ablenken möchten. Standerion (Südafrika), 6. Januar. (Ein jüdischer Bürgermeister.) Herr Charles Landau wurde zum Mayor von Standerton gewählt. Auch Kapstadt hat in diesem Jahr einen jüdischen Bürgermeister. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Dem Rabbiner Dr. Kurrein in Teplitz ist der Titel Professor verliehen worden. — Herr Lehrer Schapira in Briesen feierte das 25jährige Lehrerjubiläum. — Herr Emmel in Ems feierte das 50jährige Jubiläum als jüdischer Religionslehrer. Alls diesem Anlaß wurde ihn: der hohenzollernsche Hausorden mit der Zahl 50 verliehen. — Eine seltene Feier begeht am 23. d. M. der in Altona wohnende Rabbinatsassessor I. M. Cohll mit seiner Gattin, geb. Stern, nämlich das Fest der eisernen Hochzeit (65 jähriges Jubiläum). Der Jubelgreis ist 98, seine Frau 85 Jahre alt. Beide crfrcucit sich voller geistiger lnld körperlicher Frische. _ Vakanzen. Religionslehrer und Vorbeter, per 1. April in Menden, Bezirk Arnsberg. Gehalt 1200 Mk. Offerterl vom Vorstand erbetelr. _ Feuilleton. vasche-Lea. Skizze nach dem Jüdisch-Deutschen des D. Pinsky. Wer kann so wie Basche-Lea die Waren ausrufen, die sie im Korb liegen hat? Wenn Basche-Lea mit ihrer klangvollen, hellen Stimme beginnt: „Frische Eier, Zwiebeln — wie Marmelade, Petersilie, zuckersüße Aepfel, saftige Birnen Hab ich" usw. — dann hörtman's in der zehnten Gasse. So behaupten es wenigstens alle Marktweiber. Allein, Basche-Lea schreit nicht so einfach in den Tag hinein, bloß um zu schreien. Nein. Ihr Ausrufen gleicht eher dem kunstvollen Singen des Chasan in der Schul. Es klingt so melodisch. Es ist so tonreich und variabel. „Es ist wie gedrechselt", meinen die Marktweiber. Und den Dienstmädchen wird dabei so wohl zu Mute, daß sie darüber fast ihre Bestellungen vergessen: sie wähnen sich wieder in Basche-Leas Stube und durchtanzen in Gedanken noch einmal die Quadrille des letzten Schabbes. „Eine feine Ware!" winken die Weiber mit den Köpfen auf Basche-Lea, sobald diese ihren „Gesang" beendet. „Ja, ja, ein sauberes Ding!" Basche-Lea genießt die Liebe aller ihrer Kolleginnen. Ja, diese tun sich sogar etwas zugute auf die „gesanglichen Leistungen" Basche-Leas. Ganz besonders seit dem Tage, wo der alte Pan Grinliewitsch, der schon einige Jahre infolge einer Lähmung der Beine zu Bett liegen muß, über die Stimme Basche-Leas derart in Entzücken geriet, daß er sich mit Aufgebot aller seiner Kräfte im Belt aufrichtete und mit lauter Stimme zum Fenster hinausrief: „Horch, was die Jüdin für ne schöne Stimme hat!" Auch gclächelt hatte er dabei. Er gedachte wohl der Zeiten, wo er, noch ein schneidiger Kavalier, zu den feurigsten Anbetern aller stimmbegabten Damen zählte, ob diese nun als Sterne erster Größe in der Oper glänzten, oder bloß als kleine Sternchen in irgend einem Cafe-Ehantan . . . Basche-Lea ist eine junge Frau von etwa 32 Jahren, mirtelgroß. Sie trägt eine Perrücke, wie es das rabbinische Judentum vorschreibt; indeß würde ein Uneingeweihter diese für eigenes Haar halten: so schön sitzt sie ihr. Ihr Kleid ist alt und geflickt, aber tadellos sauber, und sitzt wie angegossen. Einst war Basche-Lea sehr hübsch. Brünett, mit üppigem Haar und schwellender Brust! — Und heute? — Das Gesicht gelb und runzlig. Anstelle der früheren Anmutsgrübchen auf den Wangen — dicke Falten, die Zeichen vorzeitigen Hinwelkens. Nur bie Augen haben noch ihr Feuer bewahrt, und ihre Lippen umspielt noch ein liebliches, frohes Lächeln. Und wenn sie mal schelmisch mit den Augen blinzelt, erhält ihr Antlitz ein so prächtiges Aussehen, daß ihre Freundinnen sich in jene Zeit zurückversetzt glauben, da Basche-Lea noch ein junges, mutwilliges Mädchen war. „Ja, das war ein feuriges Ding!" sprechen dann ihre Freundinnen; „ein Blitzmädel!" „Und was ist sie heute?" fragt mit einem vielsagenden Lächeln eine Händlerin. „Basche Leike!" antwortet eine zweite in einem Ton, als liege in diesem Deininutivum die völlige Erklärung dessen, was Basche-Lea jetzt sei. Basche-Lea hat viele Artikel zu verkaufen, gleichsam um viel „singen" zu können. Man sieht sie stets mit einem Korb voll Eiern auf dem rechten Arm und einem mit Aepfeln auf dem linken, in Begleitung ihrer drei Kinder. Das älteste, ein Mädchen von zehn Jahren, trägt einen Koro mit Pflaumen und einen mit Petersilie, Mohrrüben und Rettig. Ihr folgt ihre siebenjährige Schwester, einen Korb voll Kohl mit beiden Händchen vor sich hinhaltend. Und geschlossen wird der Zug durch einen kleinen fünfjährigen Jungen, der um den Hals einen Kranz trägt von Zwiebeln — wie Marmelade. Für Basche-Lea ist alles gangbare Ware. Kaum erscheint irgend ein neuer Handelsgegenstand auf dem Markt, so hört man ihn schon in Basche-Leas „Gesang" als neue Einlage.

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