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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1905-01-01 · No. 1. (1905) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
29 (1905)
Issue
No. 1. (1905)
Date
1905-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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chaunen, umaul esz lewowenu lejireoszecho aus unseren Haschiwenu, werachakenu mimacheauwenu aus unserem Rephoenu, wedaschnenu bineaus arzecho aus unserem Borech olenu, wehatoim al datecho jischophetu aus unserem Hoschiwo entstanden ist. Eine Abkürzung bringt keine neuen Gesichtspunkte, und solche sind auch im weiteren Teile des Hawinenu die Ausdrücke: uwethikkun hecholecho, uwaarichasz ner lewen Iischai und terem nikro atto thaane. Anders ist es, wenn diese kürzere Fassung die ältere ist, und in unserer Fassung die jüngere Erweiterung, die Paraphrase, vorliegt. Hier sind Abweichungen in Wort und Inhalt naturgemäß. Mit der Annahme, daß הביננו die ältere Form ist, würden noch einige Schwierigkeiten beseitigt. Vor allem begriffe sich besser die Erlaubnis, unter Umständen die kürzere Fassung zu beten, wenn diese die von alters her übliche, weil die einzige war. — Es bestände dann ferner zwischen der Tephilla der Werktage und der des Sabbat und der Festtage die Gleichmäßigkeit, daß sie alle aus sieben Segenssprüchen bestanden, von welchen nur die mittleren, die vierte, der Bedeutung des Tages entsprechend, verschieden war. Die Verschiedenheit in der Anzahl der Eulogien wäre dann späteren Alters. Wir könnten endlich bei dem allen Erklärungen bisher Trotz bietenden מעין י״ח daran denken, ob es nicht ״ מעין י״חQuelle des 18־Gebetes bedeute. Wenn nun auch das מגן אבות von Freitag abend die ältere Form wäre, dann hätten wir darin die ältere Fassung auch für die 3 ersten und die 3 letzten Eulogien. Wir hätten dann die zu Pijutim führende Tendenz der stetigen Erweiterung und Bereicherung der Gebete von den ersten Ansätzen an in Wirksamkeit. Das kürzeste und — fügen wir hinzu — am wenigsten stylisierte Gebet wäre dann als das älteste zu betrachten, während Erweiterung und Styliserung Merkmale jüngeren Alters wären. Damit wären die allgemeinen Prinzipien der modernen historischen Forschung, die immer einen Werdegang vom Einfachen zum Komplizierten vorausgesetzt, auch auf das Gebiet des Gebetbuches der Synagoge übertragen. Wie fruchtbar diese Prinzipien auf diesem Gebiete sich erweisen, das kann hier in einem kurzen Artikel nicht ausgeführt werden, vielmehr gedenke ich es in einer Einleitung zu den Festgebeten der Synagoge, deren poetische Uebertragung sich meiner poetischen Bearbeitung des Gebetbuches anschließen soll, eingehend darzulegen. Sicher ist, daß hier noch viel Arbeit zu tun, daß in der Geschichte der Liturgie der Synagoge das letzte Wort noch lange nicht gesprochen ist. Verhängnisvolle Initialen in Mischna und Talmud. Von Dr. J. Goldschmidt, Offenbach a M. Eine der unbegreiflichsten Mischnas ist wohl die Kidduschin I, 10: ״Wer ״eine Mizwa“ erfüllt, dem wird gutgetan, er wird lange leben und das Land besitzen. Wer aber nicht ,,eine Mizwa“ מצוה אחת erfüllt, dem wird nicht gut getan, sein Leben wird nicht verlängert und er wird das Land nicht besitzen.“ Die im Talmud und von den Interpretatoren rezipierte Erklärung ist sehr gekünstelt. Demnach wäre der Sinn so: Wer eine Mizwa tut, wodurch seine guten Taten das Uebergewicht über seine Sünden erlangen, dem wird gut getan etc. Wer aber nicht eine Mizwa tut, sodaß die Sünden das Uebergewicht haben etc. So ungern man Erklärungen des Talmud widerspricht, hier kann man nicht anders. Der Fall, daß das Verhältnis der guten Taten zu den Sünden so liegt, daß eine einzige Mizwa das Gleich- oder Uebergewicht herstellen kann, ist doch gewiß ein so seltener, daß nicht nur die Ausführlichkeit der Mischna zu seltsam erscheinen muß, sondern auch schon, daß die Mischna sich überhaupt damit bebeschäftigt. Auch die Form, wie die Mischna dies ausdrückt, konnte garnicht unpassender gewählt werden. Den vom Talmud angenommenen Sinn würde die Mischna sicherlich so ausgedrückt haben: כל שוכיותיו מרובין מעינותיו כד וכל שעונותיו מרובין מזכיותיו וכו׳• Eine andere Schwierigkeit teilt die Mischna in diesem Sinn mit den vorhergehenden 3 Mischnas. Diese 4 letzten Mischnas des ersten Abschnitts von Kidduschin machen durch ihre Form — sie fangen alle mit כל an — eine Einheit aus. Aber keine einzige rechtfertigte durch ihren Inhalt die Einfügung an dieser Stelle, wo es sich darum handelt, wie Eigentumsrecht erworben wird an den vevschiedenen Gütern. Eine ganz kleine Emendation ergibt aber hier einen so vorzüglichen Sinn und beseitigt mit einem Schlage so einfach alle Schwierigkeiten, daß ich mich ihrer garnicht erwehren kann. Nehmen wir an, für כל העושה מצות אחת und וכל שאינו עושה מצוה אחט hätte die Abkürzung gestanden מצוה א׳ und das א׳ sollte nicht י אחת sondern ראתוגח gelesen werden, so haben wir einen vorzüglichen Sinn. Die ימצוה ראשונה die erste מצוה in der Thora ist nämlich פריה ורביה die Pflicht, eine Frau zu nehmen. Der Sinn der Mischna ist nun einfach: Wer die erste מצוה (der Thora) erfüllt, dem wird gut getan etc. Das wird noch wahrscheinlicher, wenn man den Spruch des R. Chanilai (Jebanoth 92b) hier vergleicht: כל שאין לו אשה שרוי כלא מוכה ובו׳; das ist dann dasselbe, wie hier in der Mischna כל שאינו עושה מעזה ראשינה אין מטיכין לו וכי׳• Damit hätte diese Mischna ihre ganz richtige Stelle da, wo von קירושין gehandelt wird, und die vorhergehenden 3 sind nur Anhängsel durch den gleichen Anfang mit כל• Der Schluß dieser Mischna ist: כל שישנו כמקרא כמשנה וכדרך ארק* וכד וכל שאינו לא במקרא ולא במשנה ולא כדרך ארק אינו מן הישוב• Zu דרך ארץ bemerkt Bertinoro

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