Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 29 (1905)
- Issue
- No. 1. (1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
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שאין״משאו|ומתנו1בנחת עם הכריות, also in der Bedeutung von Anstand und Höflichkeit. Wenn wir das מצלה אחת in מצלה ראשנה emendieren, so א liegt es dann sehr nahe, das דרך ארץ als ״Ehe1‘ zu nehmen,' waslSinn und Zusammenhang vereinfacht. Der J Ausdruck ד״א für ״Ehe“ ist ein der talmudischen Anschauung sehr geläufiger, was ja durch den Vers (Prov. 30, 19) דרך גבר^בעלמח motiviert ist. In diesem Sinne ist auch der Titel des Traktats דרך ארץ zu nehmen, der anfängt את האשה tc חמקד• Nun" finde sich Berachoth'8b: Rabban Gamliel sagt: ״In drei Dingen liebe ich die Perser — sie sind צנועין באכילתן וצניעץ בבית חפסא וצנועי׳ ברבר אחר• Zu דבר אחר bemerkt Raschi תשמיש• Meines Wissens kommt der Ausdruck דבר אחר für תויר und ע״ן, aber nicht weiter für תשמיש vor. Ich vermute darum auch hier, daß ursprünglich die Initialen ר״א für ז־רב אריץ gestanden haben, und דבר אחר sei nur eine falsche Lesung dieser Initialen. Litteraturbcriclit. Recensionen. Alex ander Pache, Naturgefühl uud Natursymbolik bei Heinrich Heine. Leopold Yoß, Hamburg. 164 S. 3,20 Mk. Als ich nur die Ankündigung dieses‘Werkes las, fiel mir die Dankbarkeit des Stoffes ins Auge. Oft zeigt schon die Wahl des Gegenstandes den Meister, und ich konnte mir im Voraus etwas Gutes versprechen. Verfasser sieht in der Betrachtung der Heineschen Naturdichtung ein Mittel, das Wesen des Dichters selbst vom neuen Standorte aus zu beleuchten. In der Tat zeigt uns das Verhältnis eines Menschen zur Natur den Menschen selbst. Pache erhielt d׳e Anregung zu vorliegender Arbeit von Litzmann und fußt darin im Gegensätze zu den absprechenden Urteilen eines Gödeke auf Brandes, Bölsche, Legras und ihre klärende Tätigkeit, wie auf Vorarbeiten anderer neueren Forscher. In der Natur sieht der Mensch sein Ebenbild und entnimmt aus ihr die Zeichen •und Züge, die seine eigenen Stirnmungen und sein Wesen versinnbildlichen. Daher steht Lied und Gesang stets mit Feld und Wald, mit Fluß und Meer, mit Wolken und Blumen in steter Verbindung. Gerade Heine bietet darin eine große Ausbeute, der Alfred Biese weder dem Umfang noch der Behandlung nach gerecht geworden ist. Bei Heine finden sich klar gezeichnete Naturbilder neben nebelhaft verschwommnen, unbewußt empfundene neben bewußt gemachten, scharf berechnete neben frei und zwanglos ihm entströmenden. Dazu kamen noch bei Heine die in übermütiger Laune geschaffenen Naturbilder, die als neu ganz besonders wirken. Heine hatte die Gabe, durch die innige Versenkung in die Natur, den Menschen, der doch nur ein Teil davon, tiefer zu begreifen und die gleichen überall waltenden Werdegesetze daraus zu erkennen, 11m so tiefer wird sein Einblick in die eigenen Stimmungen. Wenn Heine aus Zuständen der Unlust und Sclfaffheit sich emporrafft, dann ist er besonders befähigt, Naturanschauungen in sich aufzunehmen. Die Erscheinungsweit fließt mit seiner Gemütswelt zusammen und so haucht der Dichter Allem seinen belebenden Odem ein. In der Einsamkeit oder mit Gleichgestimmten vereint, empfindet Heine dies stark, während es sonst zeitweise erlischt. Er ist nur imstande, den Augenblick zu schildern, nicht das All im Zusammenhang. Daher auch das Irrlichtern seiner Gedanken und seiner Empfindungen. Im Gegensatz zu ihm stehen die Großdichter, die, über das Einzelne erhaben, das Ganze gesetzmäßig im Zusammenhang sehen. Das gewaltsame Erneuern früherer Gefühle bringt das Gemachte und Schauspielernde so mancher Schilderungen hervor, die als Ergebnisse seiner Stimmungen auch an sich wahr dargestellt sind. So ist er der eigentliche Vater der neuesten Augenblicksbilder. Unter solchen Voraussetzungen stellt Pache, dem Dichter durch die einzelnen Werke folgend, alle naturschildernden Bestandteile Heines dar und später sein Verhältnis zum schon vorhandenen Schrifttum, wobei besonders Klemens Brentano und Tiök hervortritt. Den Schluß bilden die Formen dieser Dichtungen, die Aehnlichkeit und der Gegensatz in dem Geschilderten, und die weiteren Nachweise für die in den Vorbemerkungen gegebenen Behauptungen. Das nennt man liebevolle und dabei gründliche Behändlung. Das Aburteilen über Heine hat hier ebenso aufgehört, wie die einseitige Verhimmlung. Pache merkt das Große und das Geringere an Heine, das ernst Empfundene, wie das Gen achte. Er lehrt es uns aber aus' Heines Zuständen verstehen und führt uns dadurch der rechten Würdigung des Vielverkannten näher. Aber seine Darlegung zeigt uns auch den Menschen überhaupt in Welt und Natur, da Heine doch auch nur Teil der Menschheit ist. Wir bitten unsere Leser, durch Anschaffung des Werkes es dahin zu bringen, daß es sich, wie man zu sagen pflegt, selbst empfehle. Predigtumrisse. וארא (Ö. Raschi Anfang). Den Stammvätern erschien Gott nicht als der Ausführer der Glaubensverheißungen, sondern als ihr Verkünder. Demnach waren diese der Zukunft lebenden Männer und Frauen gläubig. Hoffen schien ihnen mehr, als die Erfüllung bieten konnte. Die Spätgeborenen wollen die Erfüllung sehen und zweifeln leicht, wenn sie nicht kommt. Wie lebten unsere Väter vor einem halben Jahrhundert! Und wir, umgeben von der Fülle der Genüsse, sind unglücklich und zweifeln. Freuen wir uns des Errungenen und hören wir nicht auf zu streben. Möge Zufriedenheit uns erfüllen im Hasten der Jetztzeit, daß Gott nicht rufe: 0״, um die Alten, die ich verloren, die nicht mehr sind!“ רא• Plage der Finsternis — Maß für Maß. לא קמו איש מתחתיו• «Die Aegypter konnten sich nicht von ihrem Standpunkte erheben“, indem sie die Knechtung Israels für geschichtlich begründet ansahen, darum ״sahen sie nicht das Angesicht ihrer Brüder“, sie erkannten sie nicht als Menschen, d. h. sie waren blind. ״In den Wohnungen der Kinder Israel war es dagegen hell.“ Die Leidgeprüften waren eher geneigt, ihre Mitmenschen anzuerkennen, weil sie wußten, wie den Leidenden zumute ist. Inhalt der Nummer I. Wissenschaftliche Aufsätze: Habakuk — Nahum — Joel. Von Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal. (Fortsetzung.) — Zur Geschichte des ״Schmone eszreh־‘-Gebetes. Von Dr. J. Goldschmidt-Frankfurt a. M. — Verhängnisvolle Initialen in Mischna und Talmud. Von Dr. J. Gold- Schmidt- Frankfurt a. M. — Literaturbericht. Rezensionen: Alexander Pache, Naturgefühl und Natursymbolik bei Heinrich Heine. — Predigtumrisse. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr. L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.