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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · p. Seite 14

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
Seite 14 (sequence 25)
Language
German
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Seite 14 Israelitische Wochettschrisr. Wr. 1 Außer der Pflege seiner Mutter beschäftigte sich Baron Embden mit der Ordnung des literarischen Nachlasses seines berühmten Onkels und hat viel zur Richtigstellung mancher über den Dichter verbreiteter Jrrtümer beigetragen. Er war.eine stille bescheidene Natur. Man konnte ihn zu bestimmten Tagesstunden stets in den das Alsterbassin umgebenden Straßen antreffen. wo er seine regelmäßigen Spaziergänge machte. Zu seinen Testamentsvollstreckern sind ernannt die Herren Notar Dr. Asher und Paul Francois de Vos, Direktor der Export- und Lagerhaus-Gesellschaft. Der letztgenannte Herr ist der einzige in Hamburg lebende männliche Verwandte des Dichters und zwar ein Großneffe; Brüder von ihm sind in Paris ansässig; ihre Mutter war eine geborene Prinzessin de la Rocca. Kauilmrg, 2. Januar. (Rituelle Verpflegung aus den Dampfern der Hamburg-Amerika-Linie). Der Andrang von Auswanderern nach Amerika, namentlich aus Rußland, hat zur Zeit einen solchen Umfang angenommen, wie noch nie zuvor um diese Jahreszeit. Unter den Auswanderern, die ihr Heil in der neuen Welt versuchen wollen, befindet sich ein großer Prozentsatz von strengorthodoxen Juden. Für diese jüdischen Zwischendecker war schon seit einiger Zeit sowohl vom „Norddeutschen Lloyd" als auch von der „Hamburg-Amerika-Linie" die rituelle Verpflegung eingeführt worden, jedoch wurde den Auswanderern keine Fleischkost verabfolgt. In neuester Zeit hat nun die rituelle Verpflegung für die strenggläubigen jüdischen Auswanderer, dank dem Entgegenkommen der Direktion der Hamburg - Amerika - Linie einen wesentlichen Fortschritt gemacht. Es wird den Zwischendeckern jetzt täglich eine Fleischration verabfolgt. Die beiden letzten von hier abgegangenen Dampfer „Pretoria" und „Graf Waldersee" haben von einer hiesigen unter Aufsicht des Oberrabbinats stehenden Schlachterei ein Quantumvon je 4000 Pfund Fleisch, Wurst rc. für die jüdischen Auswanderer mitgenommen. Außerdem macht ein von Herrn Oberrabbiner M. Hirsch beauftragter Aufseher die Reise nach New Z)ork mit; diesem Aufseher ist von der Direktion bereitwilligst die Aufsicht über die jüdische Küche gestattet worden. Diese Neueinrichtung hat bereits bewirkt, daß die jüdischen Auswanderer aus Rußland fast nur noch über Hamburg fahren wollen. Auch für die in den nächsten Wochen von hier abgehenden Amerika-Dampfer sind fast alle verfügbaren Plätze bereits belegt. Der hiesige „Israelitische Verein für Obdachlose", (Vorsitzender Rechtsanwalt I. Alexander), der sich in anerkennenswerter Weise der Auswanderer annimmt und auf dessen Initiative bin die Neueinrichtung geschaffen worden ist, kann kaum den an ihn gestellten Anforderungen genügen. Die Mittel des Vereins sind sehr beschränkt und reichen kaum in normalen Zeiten aus, geschweige denn bei dem jetzigen außergewöhnlichen Andrang von Auswanderern, die fast alle auf Vereinskosten hier verpflegt und mit Reisegeld versehen werden. Der Verein wäre daher für die Zuwendung von weiteren Geldmitteln, Kleidungsstücken rc. sehr dankbar. Wflaumloch (Württemberg), 31. Dezember. (Auflösung einer Gemeinde.) Dieser Tage ist der letzte Jude von hier fortgezogen und somit die einst aus fast 300 Köpfen bestehende jüdische Gemeinde aufgelöst. Das Kultusvermögen besteht noch aus 40 000 M., in die sich die benachbarte jüdische Gemeinde Oberdorf und die bürgerliche Gemeinde Pflaumloch teilen werden. Die Synagoge ist von Kommerzienrat Pflaum angekauft worden, um sie als Denkmal zu erhalten. Das israelitische Schulhaus wird an die katholische Schulgemeinde verkauft werden. Kassel, 30. Dezember. (Verbandstag der israelitischen Lehrervereine Deutschlands.) In unserer Stadt fand der 3. Verbandstag statt, der von etwa 200 Personen aus ganz Deutschland besucht war. Aus der Berichterstattung des Verbandsvorstandes über die Verwaltungsperiode der drei Jahre 1902, 1903 und 1904 ist hervorzuheben, daß der Verband sich günstig weiter entwickelt hat und bis jetzt 20 Vereine mit 1100 Mitgliedern umfaßt. Einer der Hauptgegenstände der umfangreichen Tagesordnung war der Vortrag, welchen der Ehrenvorsitzende des Verbands, Herr Realschuldirektor Dr. Adler-Frankfurt a. M. über das Thema „Das preußische Schulunterhaltungsgesetz und die jüdische Volksschule" hielt. Nach dem eineinhalbstündigen Vortrag, in welchem der gewandte Redner die Materie in lichtvollster Weise behandelte, wurde einstimmig die folgende Resolution angenommen: Der Verbandstag der jüdischen Lehrervereine Deutschlands erklärt die Allgemeinschule als das erstrebenswerte Ziel. So lange dieses Ziel sich nicht verwirklichen läßt, verlangt der Verbandstag die Erhaltung der bestehenden jüdischen Volksschulen und weitere Schaffung von solchen. An Orten, wo sich jüdische Volksschulen nicht errichten lassen, verlangt der Verbandstag staatliche Errichtung von jüdischen Religions-Schulgemeinschaften, damit den Kindern der Religionsunterricht erhalten bleibt. Die Lehrer dieser Religions-Schulgemeinschaften sollen an die bestehenden Volksschulen angegliedert werden." — Einen weiteren interessanten Vortrag über die Errichtung von Fortbildungskursen hielt Herr Realschullehrer Feiner-Hamburg. Auch dieser erschöpfende Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Die Versammlung nahm am Schluß eine Resolution an, worin sie sich für die Errichtung von Fortbildungskursen ausspricht, die sie für unumgänglich notwendig hält. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Realschuldirektor Dr. Adler-Frankfurt a. M. (Ehrenvorsitzender), Dr. Tiegel-Berlin, 1. Vorsitzender, Steinhardt-Magdeburg, 2. Vorsitzender, Realschullehrer Fenner-Hamburg, Schatzmeister, Amram-Borken-Hessen, 1. Schriftführer, Hauptlehrer Graf-Essen, 2. Schriftführer, Professor Dr. Blaschke-Berlin, Professor Dr. Badt-Breslau, Direktor Dr. Driesen-Karlsruhe i. B., Beisitzer. Mraunschweig) 30. Dezember. (Deutsche Wochenzeitung.) Das hiesige Antisemitenorgan, die „Deutsche Wochenzeitung", hat sein Erscheinen eingestellt. Wosen, 5. Januar. (70. Geburtstag.) Der Rabbinatsassessor Samuel Silberberg, Vorstandsmitglied der hiesigen jüdischen Gemeinde, vollendet heute das 70. Lebensjahr. Um allen von seiten seiner Freunde geplanten Ehrungen aus dem Wege zu gehen, hat der bescheidene Jubilar eine Reise unternommen. Herr Silberberg ist ein großer Talmudgelehrter und Väter des derzeitigen Rabbiners von Schrimm. Duna-Szerdaßeky (Ungarn) 31. Dezember. (Der getaufte Lehrer.) An der hiesigen Gewerbeschule unterrichtet seit kurzem ein getaufter Jude, dessen Benehmen seinen jüdischen Schülern gegenüber die Erbitterung der hiesigen jüdischen Bevölkerung mit Recht hervorruft. So ließ er dieser Tage zwei jüdische Schüler im Alter von 15 und 17 Jahren eine Stunde lang vor einem Kreuze knieen. Gegen diesen Herrn hat der jüdische Gemeindevorstand die Anzeige erstattet. Hdessa, 29. Dezember. (Ein Polizeimeister vor dem Kriegsgericht.) Der antisemitische Polizeimeister von Berdjaresk (Gouvernement Taurien) Andrejew und sein Gehilfe sind heute auf Befehl des Gouverneurs von Taurien vor das Kriegsgericht gestellt worden. Der Gehilfe des Polizeimeisters hatte ein anständiges junges Mädchen aus gutem Hause unter dem Vorwand, daß sie sich mit politischen Angelegenheiten befaßt habe, verhaften und ins Gefängnis werfen lassen. Nach

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