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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1905-01-06 · 1 (6.1.1905) · p. Seite 13

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
1 (6.1.1905)
Date
1905-01-06
Page
Seite 13 (sequence 24)
Language
German
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'Nr. 1 Israelitische Wochenschrift Seite 13 Unterstützungen von wissenschaftlichen Arbeiten und Forschungsreisen, den Plan des eorpus tunnaiticum (einer Ausgabe alttanaitischer Texte), wie auch des Werkes zu Ehren des Maimonides. Eine Erörterung schloß sich daran nicht. Darauf wurde der bisherige Vorstand durch Zuruf wiedergewählt. Es folgte ein Vortrag des Rabbiner Dr. Bloch- Posen über Kabbalah, und schon nach einer guten Stunde war die Generalversammlung inkl. Vortrag beendet. Werkln, 30. Dezember. (Vereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner.) Die Vereinigung traditionellgesetzestreuer Rabbiner hielt am 28. und 29. Dezember in dem Repräsentanten-Sitzungssaal der Adaß Jisroel-Gemeinde ihre 4. Generalversammlung ab. Anwesend waren 49 Rabbiner aus allen Gegenden Deutschlands. Zunächst begrüßte Herr Rosenblüth die Herren namens der Adaß Ju-roel-Gemeinde. Herr Rabbiner Dr. Kohn Ansbach erstattete hierauf den Bericht. Der Verein zählt 72 Mitglieder. An den Bericht schloß sich eine Debatte, an der sich die Herren Dr. Baßfreund-Trier (Schechita-Buch), Dr. Rosenak-Bremen (Jugendliteratur), Auerbach-Halberstadt (Waisenhäuser) beteiligen. Am Schluß des 1. Tages wurde über den Schomre Schabbos - Verein diskutiert. Am 2. Tage referierte Dr. Lange-Frankfurt a. M. über die religiöse wissenschaftliche Fortbildung mit besonderer Berücksichtigung des Jugendunterrichtes. Seine einstimmig angenommenen Thesen wurden einer Kommission zur Erledigung übertragen. Danach hielt Rektor Dr. Hoffmann einen halachischen Vortrag, Rabb. Dr. Munk-Marburg über Trauervorschriften nach Feuerbestattung, Dr. Kohn-Ansbach über das Schächten. Zum Schluß sprach Dr. Wohlgemuth-Berlin den Dank aus. Werkln, 1. Januar. (Vorträge in der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums.) Wie alljährlich veranstaltet auch in diesem Jahre das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine Reihe von Vorlesungen zum Besten des Stipendiensonds dieser Anstalt. Die Vorlesungen, die im Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9, abends 8 Uhr, gehalten werden, sind folgende: Am 9. Januar: Privatdozent Dr. Georg Huth: „Die Juden in Turkestan nach eigenen Beobachtungen"; am 23. Januar: Rabbiner Dr. M. Warschauer: „Ueber die Gesetze religiöser Entwickelung mit besonderer Rücksicht auf das Judentum der Gegenwart"; am 6. Februar: Professor Dr. Otto Marburg: „Die wirtschaftliche Entwickelung und Aussicht Palästinas"; am 20. Februar: Professor Dr. Adolf Baginsky: „Reisebilder aus Algier und Tunis" (mit Lichtbildern); am 6. März: Wilhelm Goldbaum, Redakteur der Neuen freien Presse, Wien: „Deutschjüdische Literaturzusammenhänge"; am 20. März: Professor Dr. Heinrich Rosin: Thema Vorbehalten. Werkln. 31. Dezember. (Verein jüdischer Arbeiter- Kolonie.) Am Sonntag, den 25. Dezember 1904 fand im Bureau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes eine gemeinschaftliche Sitzung des Vorstandes, des Wohlfahrtsausschusses und des Komitees der Ehrendamen des Vereins jüdischer Arbeiter-Kolonie statt. Das zuletzt genannte Komitee hat sich unter dem Vorsitz der Frau Maurermeister Adler konstituiert, deren Stellvertreterin Frau Amalie Apt ist, während Frau Oberlehrer Dr. Schaefer das Amt einer Schriftführerin übernommen hat. Auch die übrigen dem Komitee ungehörigen 6 Damen sind größtenteils auf dem Gebiete der Wohltätigkeitspslege wohl bekannt und es ist zu hoffen, daß ihre Tätigkeit zu Gunsten der Arbeiter-Kolonie recht erspießlich sein wird. Hauptsächlich wird sie sich naturgemäß auf das Hauswesen beziehen. Ueber das abgelaufene Jahr läßt sich Erfreuliches berichten. Die Entwickelung der Kolonie ist eine glückliche gewesen. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 1904 sind nicht weniger als 419 Mann neu ausgenommen worden, während 400 die Kolonie verlassen haben. Dadurch hat sich der am 1. Januar 1904 vorhandene Bestand von 71 Mann auf die höchst zulässige Besetzungsziffer von 90 Mann erhöht. Die 90 Insassen sind wie folgt auf die verschiedenen Berufszweige verteilt, Rohrflechterei 22, Stockfabrik 23, Hosenträgerfabrik 7, Bürstenfabrik 31, Kolonieschneider 1, Hausarbeit 1, noch keinem Betriebe fest zugewiesen 4. Seit Eröffnung der Kolonie sind bereits 932 Mann ausgenommen worden. Der Gesundheitszustand der Kolonisten ist ein günstiger. Hervorzuheben ist noch, das sich das Krankenhaus der jüdischen Gemeinde in dankenswerter Weise bereit erklärt hat, erforderlichenfalls erkrankte Kolonisten aufzunehmen. — Die Chanuka-Feier hat einen schönen und würdigen Verlauf genommen. — Zuwendungen sind in letzter Zeit nicht allzu reichlich der Kolonie zugeflossen. Erwähnt sei die Gewährung einer einmaligen Spende von 500.—Mk. seitens des Herrn Bankiers Paul Jüdel, der die Rechte eines Stifters erworben hat. — Der Vorstand wiederholt seine oft ausgesprochene Bitte betreffend Ueberweisung von gebrauchten Kleidungsstücken an die Anstalt. — Bezügliche Nachrichten wolle man richten: An die Jüdische Arbeiterkolonie, Weißensee, Wörthstr. 20. Schöneöerg, t. Januar 1905. (Mischehen.) lieber die Mischehen in Berlin und Schöneberg gibt der neue Verwaltungsbericht der Siadt Schöneberg bemerkenswerte Aufschlüsse. Die konfessionell ungemischten Ehen betrogen in Berlin 84,23 v. H. gegen 82,93 v. H. aller in Schöneberg vor dem Standesamt geschlossenen Ehen, die Mischehen bilden in Berlin 15,77 v. H. und in Schöneberg 17,07 v. H. In den Jahren 1899—1902 wurden getraut in Berlin in 5008 Fällen evangelische Männer mit katholischen Frauen und in Schöneberg in 230 Fällen, in 6157 bezw. 272 Fällen katholische Männer mit evangelischen Frauen und in 3447 Fällen bezw. 155 Fällen katholische Männer mit katholischen Frauen. In den vier Jahren belief sich die Zahl der evangelisch-jüdischen Ehen für Berlin auf 284 und für Schöneberg auf 9, die der jüdisch-evangelischen Ehen für Berlin auf 284 und für Schöneberg auf 9, die der jüdisch-evangelischen auf 432 bezw. 14. In Berlin ergibt sich hieraus auf seiten der jüdisch-evangelischen Paare ein Uebergewicht von 52,1 v. H. Auch bei den Verbindungen von Katholiken zeigt sich für Berlin ein ähnliches Verhältnis, das dahin zu formulieren ist: bei den Mischehen sind die Verbindungen der der konfessionellen Minderheit ungehörigen Männer die häufigeren. Kamöurg, 30. Dezember. (Ein Neffe Heinrich Heines.) Hier starb gestern abend Herr Baron L. H. von Embden im 78. Lebensjahre. Er war ein Sohn der einzigen Schwester des Dichters Heinrich Heine, Charlotte, die einen Hamburger Hausmann Embden heiratete. Sie war seit langer Zeit Witwe und starb hier vor einigen Jahren hochbetagt in Hamburg. In ihrem traulichen Heim an der Esplanade lebten Mutter und Sohn ein idyllisches Leben. Der nunmehr verblichene Baron Embden war stets auf das sorglichste um seine Mutter bemüht, die vielfach von Verehrern des Dichters aufgesucht wurde. So hatten Mutter und Sohn eines Tags auch die Freude, die später ermordete Kaiserin Elisabeth von Oesterreich als Besucherin in ihren Räumen zu sehen. Die Kaiserin, eine warme Verehrerin Heines, dem sie auch ein Denkmal hat setzen lassen, war auf der Reise nach England von Hannover in einem Sonderzug hier eingetroffen, um seine von ihrem Lieblingsdichter so sehr verehrte einzige Schwester Charlotte zu begrüßen.

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