Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 49 (2.12.1904)
- Date
- 1904-12-02
- Page
- Seite 691 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Serie 691. _rt8srs^..i»|0je Wochenschrift. seiner Rede g.eda</'gefch§agen", gestand der Spötter ein, „aber mp'7>?^cküe?n bleibt an eurem Gott die Schuld der Heimlichkeit haften. Warum hat er sein Werk nicht offen, vor den Augen des Adam, vollführt?" „Herr", versetzte das Mädchen, „gestatte, daß ich etwas Fleisch hole, um dir eine Speise zu bereiten."; „Ich bitte darum", erwiderte er. Sie verschwand auf kurze Zeit in ein anderes Gemach, kehrte dann mit einem Stück rohem Fleisch zurück, wendete es vor der Augen des Gastes nach allen Seiten um, klopfte darauf mit oen Händen, betastete es wiederholt mit den Fingern, ließ es dann eine Weile braten und reichte es ihm, daß er es koste. „Liebes Mädchen", sagte der Spötter, „ich weiß, daß es immer so zubereitet wird, aber, wenn ich die Zubereitung mit ansehe, wird mir die Speise zum Ekel: entschuldige daher, daß ich dein Gericht nicht koste." „Ich zweifle nicht", versetzte lachend das kluge Mädchen, „daß es auch dem Adam so ergangen wäre, wenn ihm Gott offen ein Stück Fleisch genommen und in seiner Gegenwart daraus das Weib gebildet hätte."!) Interessant ist auch eine uns überlieferte Erzählung, nach der Gamliel mit seiner Schwester Jmma Schalom, der Frau des Elieser ben Hyrkanos, einen fingierten Erbschaftsprozeß vor einem zum Christentum sich bekennenden jüdischen Richter brachte und ihn grober Bestechlichkeit überführte. Bei dieser Gelegenheit verwies ihn Gamliel auf den Ausspruch Jesu in der Bergpredigt, daß er nicht gekommen sei, etwas von der Lehre Moses wegzunehmen und auch nicht etwas hinzuzufügen.2) (Schluß folgt.) fiermann Senator. Hermann Senator, eine Zierde der Berliner Repräsentantenversammlung, feiert am 6. Dezember seinen 70. Geburtstag. Er ist in Gnesen geboren. Er besuchte das Gymnasium in Bromberg und studierte 1853 —1857 in Berlin, wo er sich an Johannes Müller anschloß, dem er durch seine Fähigkeiten so auffiel, daß dieser ihn zu seinem Amanuensis machte. Nachdem er lVa Jahre lang in Müllers Laboratorium gearbeitet hatte, beschäftigte er sich besonders auf den Kliniken von Schönlein und Traube und promovierte 1857 mit einer Dissertation: Oe rnordorurn hepatis causis et evolutione. Im nächsten Jahre machte er sein Staatsexamen. Nach dem Staatsexamen widmete sich Senator besonders der ärztlichen Praxis, ohne dabei seine wissenschaftliche Tätigkeit aufzugeben. So veröffentlichte er 1859 eine Arbeit über Jnfraktion des Brustbeins, 1865 über die Leichenerscheinungen nach Chloroformvergiftung, 1866 über den Tod des Kindes in der 'Geburt und über den Tatbestand des Kindesmordes. 1868 erschien eine berühmt gewordene Arbeit üver den Einfluß von Resprrationsstörungen auf das Stoffwechselgebiet, die erste Arbeit über das Fieber, auf welchem Gebiet Senator später bahnbrechendes geleistet hat; ferner Arbeiten über Schwefelwasserstoffvergiftung und Pankreasverdauung. Die Arbeit über Schwefelwasserstoffvergiftung ist noch dadurch von größter Bedeutung geworden, als sie das später fruchtbar gewordene Gebiet der Autointoxikation inaugurierte, dessen Schöpfer Senator ist. Infolge dieser bedeutenden Arbeiten wurde Senator 1868 als Privatdozent an der Berliner Universität zugelassen. Nun J) Sanhedrin 39 a. -') Sabbath 116 b. begann eine reiche wissenschaftliche Tätigkeit. In ununter" brochener Folge veröffentlichte er experimentelle und klinische Arbeiten, die bis heute die Zahl von 185 erreichen. Im Jahr 1875 wurde Senator zum außerordentlichen Professor ernannt; gleichzeitig übernahm er als Chefarzt die innere Abteilung des Augusta-Hospitals, um 1881 als dirigierender Arzt in die Charite überzusiedeln. Er hatte hier anfangs eine' kleine Abteilung und wurde nach Frerichs Tod im Jahr 1885 auf ein halbes Jahr vertretungsweise mit der Leitung der I. medizinischen Klinik beauftragt, die dann von Leyden definitiv übernahm. Im Jahr 1888 setzte es Senator durch, daß seine Krankenabteilung vergrößert und gleichzeitig mit der Universitätspoliklinik seiner Leitung unterstellt wurde. Seine Abteilung wurde zur III. medizinischen Klinik in der Charite erhoben. Seit 1872 ist Senator Mitredakteur des Zentralblattes für die medizinischen Wissenschaften. Er ist ferner Mitherausgeber der Zeitschrift für klinische Medizin, und seit vielen Jahren ist er stellvertretender Vorsitzender der Berliner Medizinischen Gesellschaft. 1899 wurde Senator zum ordentlichen Honorarprofessor an der Berliner Universität ernannt. Seine weit über die Grenzen des Vaterlandes hinausgehende Bedeutung hat einen beredten Ausdruck darin gefunden, daß zahlreiche auswärtige wissenschaftliche Gesellschaften ihn zum Ehrenmitglied ernannt haben, so die Akademien und Gesellschaften von Wien, Budapest, Bologna, Constantinopel, Florenz, Moskau, Perugia, Petersburg, Wilna, Paris. Die Arbeiten Senators lassen sich in drei Gruppen teilen: Die erste Gruppe umfaßt besonders Arbeiten auf dem Gebiet der medizinischen Chemie, unter denen zu erwähnen ist: die Harnstoffausscheidung bei Tetanus, über die Eiweißkörper im Harn, sowie die Ausscheidung des Kreatinins bei Diabetes mellitus und insipidus, ferner über Kalk- und Jndikanausscheidung. In den letzten Arbeiten trat Senator sehr energisch für die Anschauung ein, daß das Jndikan nicht nur bei der Darmfüulnis entsteht, sondern durch Gewebszerfall infolge von Kachexie. Ferner zeigte Senator, daß der Harn der Neugeborenen kein Jndikan enthält, daß also im Darm der Neugeborenen keine Darmfäulnis vorkommt. Eine große Anzahl von Arbeiten chemischen und klinischen Inhalts beschäftigen sich mit der Bedeutung der Albuminurie. Diese Frage wurde besonders durch ihn geklärt. In diese Gruppe gehören auch die Untersuchungen, die er an dem Hungerkünstler Cetti angestellt hat, sowie seine Arbeit mit H. Munck über den Einfluß venöser Stauungen auf den Harn; ferner die Arbeiten über schwarzen Urin und schwarzen Aszites, über Peptonurie und viele andere. Die zweite Gruppe umfaßt die experimentell-klinischen Arbeiten: Außer den schon erwähnten Arbeiten über Fieber, über Respirations-Gaswechsel, über Wärmebildung ist hier eine sehr bekannt gewordene Arbeit zu nennen: Wie wirkt das Firnissen der Haut beim Menschen? Ferner seine Beiträge zur Pathologie der Nieren und des Harns, über Sehnenreflexe in Beziehung zum Muskelonus, zur Lehre vom Doppelton in der Schenkelbeuge bei Aorten-Jnsuffizienz, über die Aetiologie der Wanderniere, über Selbstinfektion durch abnorme Zersetzungsvorgänge und dadurch bedingtes Koma; zur Diagnostik der Herderkrankung der Brücke und des verlängerten Marks, über Chylurie und chilösen Aszites, über Ikterus, seine Entstehung und Behandlung re. rc. Zahllos sind Senators kasutstische Beiträge und besonders wertvoll die therapeutischen Neuerungen, die einen bleibenden Wert in der inneren Medizin gewonnen haben. Von diesen