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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-11-18 · 47 (18.11.1904) · p. Seite 658

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
47 (18.11.1904)
Date
1904-11-18
Page
Seite 658 (sequence 6)
Language
German
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Seite 658. Israelitische Wochenschrift. Nr. 47. preußischen Vereins den Beschluß auf sofortige Eröffnung der Verbandskasse.*) Dieser, auch wegen seiner Fassung und Begründung merkwürdige Eröffnungsbeschluß lautete wörtlich: „In Anbetracht, daß der Verbandsvorstand sowohl, als auch die Mehrheit der Einzelvereine für sofortige Eröffnung der Kaffe eintreten, beschließt das Kuratonum, die Kaffe nunmehr am 1. Oktober zu eröffnen und die weitere Behandlung der Anträge des Vereins jüdischer Neligionslehrer Ostpreußens dem Delegiertentag des Verbandes der jüdischen Lehrervereine anheimzugeben." An diesem Beschluß war alles falsch und willkürlich, was nur als wesentlicher Teil in Betrachtung genommen werden kann. Erstens war es falsch, daß der Verbandsvorstand je einen Beschluß auf sofortige Eröffnung der Kaffe gefaßt hat, was ein Schreiben des damaligen Verbandsvorsitzenden, Herrn Blumenfeld-Adelebsen, an den Schreiber dieses ausdrücklich bestätigte. Zweitens widerspricht es den Tatsachen, daß sich die Mehrzahl der Verbandsvereine damals für die sofortige Eröffnung der Kaffe erklärt hatte. Bis zum Datum der Kuratoriumssitzung hatten nach dem eigenen Bericht des Kuratoriums erst 8 von den 18 Verbandsvereinen eine Erklärung zur Sache abgegeben. Davon traten 3 Verbandsvereine (Ostpreußen, Westpreußen und Schlesien-Posen) generell für die vorliegenden Anträge ein; 4 Vereine (Berlin, Brandenburg, Großherzogtum Heffen und Hannover) erklärten sich gegen eine zeitige Berücksichtigung und 1 Verein (Mitteldeutschland) ließ ausdrücklich in seinem Beschluß erkennen, daß er bezüglich der rein technischen Anträge des ostpreußischen Vereins, die keine Veränderung der Grundlagen der Kasse zur Folge haben können, eine weitere Erwägung des Kuratoriums erwartet, bezüglich deren Entscheidung der Verein dem Kuratorium keine spezielle Anweisung geben mochte. Die einfache Zählung dieser Noten gibt also weder eine unbedingte Mehrheit unter den bis dahin zu einer Aeußerung über die Sache gelangten Vereinen, noch weniger, wie der Beschlußsatz des Kuratorium es darstellt, eine Mehrheit der Verbandsvereine im ganzen gegen die zeitige Berücksichtigung der ostpreußischen Anträge. Daneben bleibt es aber vollständig unzulässig, daß das Kuratorium überhaupt eine Entscheidung über die beregten Anträge getroffen, ehe die von ihm selbst eingeleitete Voräußerung der Vereine als abgeschloffen gelten konnte. Ein wesentlicher Teil der Verbandsvereine, die ihre Jahresversammlungen erst gegen Ende des Jahres abhalten, konnten sich bis zu dem Termin dieser Kuratoriumssitzung über die Sache noch gar nicht äußern. Daß das Kuratorium dazu nicht einmal das Votum des größten unserer Kassenvereine, von Rheinland-Wefalen, abgewartet, muß dabei besonders ins Gewicht fallen. Der frühere Beschluß des Kuratoriums, der die Verbandsvereine zur gutachtlichen Aeußerung über die von Ostpreußen gestellten Anträge aufforderte, ließ auch annehmen, daß das Kuratorium nach Eingang dieser Voten der Vereine noch selbständig zu den Anträgen Stellung nehmen würde. Das war schon in Rücksicht auf die Anträge unbedingt geboten, die, *) Zu beachten ist, daß alle entstandene Verzögerung im Abschluß der Statutenberatung nicht etwa durch die ostpreußischen Anträge an sich, sondern nur durch die vom Kuratorium bezüglich ihrer beliebten Behandlung verursacht wurde. Das Kuratorimn hätte sich ebenso gut wie die Verbandsvereine ganz allein in kürzester Frist über die Anträge schlüssig werden können. wie der Verein Mitteldeutschland sie zutreffend von den andern Vorschlägen unterschied, und wie sie auch im Antragsschreiben des ostpreußischen Vereins schon äußerlich (Teil I und Teil II) getrennt worden, rein technische Abänderungen zu den einzelnen Bestimmungen des Statuts enthielten. Für diese Anträge lag weder — selbst im Sinne des Kuratoriums — ein eigentlicher Grund vor, sie vor der Entscheidung des Kuratoriums erst den Verbandsvereinen zur Prüfung zu überweisen,*) noch durfte daraus eine Berechtigung zu ihrer Vertagung bis nach der Eröffnung der Kaffe bezw. bis zum Entscheid der nächsten Delegierten-Versammlung hergeleitet werden. Indem das Kuratorium aber beide Arten Anträge, die rein technischer Art und die, welche „einschneidende Aenderungen der Grundlagen, auf denen die Kaffe beruht, enthalten" bei der Behandlung zufammenwarf, hat es nur bewiesen, daß es hier eine Pauschal-Abweisung vorgenommen, ohne gewissenhafte Prüfung deffen, was nach den von ihm selbst vorgegebenen Gründen damit getroffen werden konnte. Endlich aber muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die ganze Behandlung dieser Anträge ungesetzlich war, weil sie gegen die Bestimmung der Delegierten-Versammlung vom Jahre 1893 verstieß, die alle rechtzeitig eingereichten Abänderungsanträge zum Kaffenstatut vor der Eröffnung der Kasse erledigt wissen wollte.**) Zu einem Abgehen von btefer Bestimmung dürfte selbst eine Mehrheit der Verbandsvereine oder der Verbandsvorstand dem Kuratorium keine Vollmacht geben, bezw. dürfte sie diesem nicht als solche gelten. Die Beschlüsse der Delegierten-Versammlung haben den festen Pol in allem Streit der Meinungen zu bilden. Gilt dies nicht mehr, dann wankt der Boden, auf den wir uns bei Begründung des Verbandes gestellt haben. Die weitere Entwicklung der Sache hat dann gezeigt, wohin eine solche Geschäftsleitung führt, die sich so leichten Herzens von den Geboten des Rechts frei zu machen vermag. (Fortsetzung folgt.) Uier Jahre in Persien. Bericht des Schuldirektors Confino an das Zentral-Komitee der Alliance. Ispäh an, den 18. September 1904. Da dieser Jahresbericht wahrscheinlich der letzte ist, den ich Ihnen aus Jspahan schicke, dürfte ein Rückblick auf den ganzen Verlauf unsrer Tätigkeit von Jrrterefse sein. *) Das Kuratorium hakte ja auch zur Erledigung der gleichartigen Anträgen von Hamburg und Mitteldeutschland die Mithilfe der Verbandsvereine nicht in Anspruch genommen. **) Wenn dem Kuratorium so viel daran gelegen war, die Eröffnung der Kasse durch die ostpreußischen Anträge nicht zulange hinauszuschieben, so hätte es diejenigen von diesen Anträgen, deren Erledigung ihm über, seine Kompetenz zu gehen schienen, einfach mit solcher Begründung ablehnen, alle andern Anträge aber, welche keine Kompetenzbedenken erwecken konnten, nach seiner sachlichen Ueberzeugung entweder durch Annahme oder durch Ablehnung schnellstens erledigen sollen. — Das Kuratorium hat aber auch später! nicht einmal diejenigen Anträge weiter berücksichtigt, die ihm bei der ersten Durchsicht schon beachtenswert erschienen waren (die Anträge, welche ein gesetzliches direktes Mitbestimmungsrecht des Verbandes über die Kasse fordern).

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