Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 19. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 79 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/6492408-6582200-9732883--3313-9606320- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
79 Bei Nahum: 2 5 Durch die Straßen rauschen di(־ Wagen, Sie stürmen durch die Gassen hin . . . 6 b Eilen die Mauern hinan . . . Die Tore der Wasser sind offen. 2. Das Ungewöhnliche, Undenkbare, jedes Herkommens Spottende dieser Angriffe betonen auch alle drei. Bei Habakuk: 1 5 0 bückt auf die Völker, Schaut hin und erstarrt! Denn in Euren Tagen wird etwas geschehe, Ihr würdet, erzählt, es nicht, glauben. Bei Joel: 12 Hört an, ihr Greise, Vernehmt’s, ihr Landesbewohner: War solches wohl in Euren Tagen, Ja, war’s in Eurer Väter Tagen? Erzählet den Kindern noch davon, Und Eure Kinder ihren Kindern, Und diese dem spätsten Geschlecht! In Nahum braucht ein Einzelzug dafür nicht gesucht zu werden; ist doch seine gesamte Rede von Staunen darüber durchzogen, daß auch Ninive fallen mußte. 3. Die Wirkung der Ereignisse auf die davon Betroffenen wird auch sonst stark betont. Nah.: Alle liiehn. Steht! Steht! Doch wendet sich keiner . . . Das Herz verzagt, es wanken die Knie, Ein Beben in allen Lenden Und jedes Antlitz ist erblaßt. Jo.: Es zittern die Völker vor ihm Und jedes Antlitz ist erblaßt. Uebrigens ist Jo. und 1 eine einzige erschütternde Darstellung der Wirkung auf Menschen, Tiere und Land. (Fortsetzung folgt) Litteraturbericht. Recensionen. M. Grunwald. Hamburgs deutsche Juden bis zur Auflösung der Dreigemeinden 1811. VI., 357 S. Hamburg, Janssen. Aus Einzelarbeiten über Spinoza und seine Beziehungen zu andern ist Grunwald zu seiner Preisarbeit ״Spinoza in Deutschland“ gelangt. Seine ״Portugiesengräber auf deutscher Erde“ ist zu einer Geschichte der Portugiesen in den Dreigemeinden geworden. Von den Portugiesen ist er nun zu den ״Hochdeutschen“ in Hamburg gekommen und bietet hier deren Geschichte, Familiengeschichte, Gemeindegeschichte mit stetem Blick auf die Kulturgeschichte. Und auch dieses Buch geht auf früher erschienene Einzelarbeiten zurück. Das nenne ich gradlinig arbeiten. Wer sich daran gewohnt hat, für den gibt es trotz der verschiedenartigsten Be- Strebungen keinen Schritt vom Wege, denn alles geht auf ein einheitliches Ziel und rundet sich vom einzelnen zu immer größerem Ganzen. Die Hamburger deutsche Gemeinde hat in einer deutschen Stadt weit später als die Portugiesen Duldung gefunden. Die Deutschen standen zuerst unter dem Schutze der Portugiesen. Aber die einheimische Pflanzung gedieh besser, als die auswärtige. Lange Zeit erhalten sich in der freien Reichsstadt bei aller Duldung die Spuren alter Unduldsamkeit. Das geistige Leben der Hamburger Gemeinde zeigte sich trotzdem zu allen Zeiten rege. Denke man an die portugiesischen Kämpfe zwischen Texeira und Sasportas, besonders aber an den großen Streit zwischen Jacob Emden und Jonathan Eibenschütz. Im 19. Jahrhundert ist es wieder der Tempelstreit, der in Hamburg tobt und von da aus Israel in zwei Lager teilt. Und Bermays und Samson Raphael Hirsch gehören ebenfalls der Hamburger Gemeinde an. Außerdem gewinnt die Geschichte der deutschen Juden Hamburgs Bedeutung durch den Welthandel, an welchem jüdische Häuser teilnehmen. Die Hamburger und Altonaer deutschen Juden scheinen vielfach aus dem Detmold’schen zu stammen. Die Memoiren des Glückei von Hameln eröffnen den Blick auf ein stilles und fleißiges Hausleben, das nicht ganz arm an Bildungsbestrebungen ist. Das Leben war behaglich und friedlich und genügte den bescheideuen Ansprüchen jener Zeit. Allerdings wurden 1649 die Juden aus Hamburg ausgewiesen und ihnen erst 1657 nach dem winterlichen Schwedenschrecken der Wohnsitz dort wieder gestattet. Jeder zahlte ein besonderes zu vereinbarendes Schutzgeld und blieb zur Vorsicht Altonaer Bürger. Synagogen duldete die Geistlichkeit nicht, nur Betstuben. (Die älteste Ansiedelung wird schon auf 1610 festzusetzen sein.) Wühlereien g8gen die Juden ruhen aber nicht. Die 1670 beschlossene Austreibung kommt nicht zur Ausführung. Der Anschluß Wandsbecks 1671 an Altona und das Recht letzterer Gemeinde, fremde Juden in ihrem Verband aufzunehmen (1688) bedeuten Fortschritte; doch bleiben kleinliche Quälereien, sei es bezüglich des Handels oder des religiösen Lebens, nicht aus; vielfach wittert man die verbotenen Synagogen. Im Jahre 1780 muß der Senat durch öffentliche Anschläge vor Aufläufen gegen die Juden warnen, nachdem solche bereits stattgefunden hatten. Vom 24—27. August hatten dieselben grtobt. Man rät den Juden, sich wenig sehen zu lassen; die Maßregeln des Senats nützen ihnen nicht. Trotzdem hält die Gemeinde für ihre Rettung einen Dankgottesdienst und zur Selbstprüfung und Besserung eiu Fasten ab. Gegen das Verbot der Laubhütten und des Schofar legen die Portugiesen erfolgreichen Einspruch ein. ,׳•׳'' 'Wir haben hier nur*einige Punkte und zwar nur eines Teils der Ereignisse hervorgehoben, wobei wir auf die Schilderungen des Gemeindelebens oder auf den lehrreichen Abschnitt ״Steuerhaft der Gemeinde“ garnicht eingehen können. Vielfach dienen dem Verfasser kleine Züge dazu, das Ganze zu kennzeichnen. Die großen und bekannten Ereignisse, wie der Jonathan Eibenschützstreit treten uns in solchen kleinen Zügen näher, so daß wir sie recht miterleben und begreifen. Kulturhistorisch wichtig ist die Zusammenstellung der auf oder von Juden geprägten Münzen, wo wir auf manche bekannte Person näher hingewiesen werden In den Illustrationen finden wir Spottbilder auf die jüdischen Händler, auf weitere Bilder und Karrikaturen Aron Juden weist ein besonderer Abschnitt hin. Der Literaturgeschichte dient ein genaues Verzeichnis von Drucken aus den Dreigemeinden, wie auswärtigen Drucken von Hamburgern. Hat der gebildete Leser also ein ansprechendes Bild der Geschichte bis 1811 vor sich, so folgen nun für den selbständigen Forscher gelegentlich der Friedhöfe die aus Steuerlisten und Totenbüchern gezogenen Familiennamen, sowie Proben von Grabschriften. Wir können diese Arbeit, die sich auch durch prächtige Ausstattung auszeichnet, als fesselnd geschrieben und gründlieh durchgearbeitet lebhaft empfehlen. Als Geschichte einer Großgemeinde von der Bedeutung Hamburgs wäre das Buch auch in jeder anderen Gestalt wichtig, in dieser Bearbeitung wird es sich um so mehr wohl bald einer weiten Verbreitung erfreuen. Prof. Krüger & Köhler. Bibliographie der theologischen Literatur für das Jahr 1903. I. Lieferung. 80 S. 1 Mk. Schwetschke & Sohn, Berlin. Im Anschluß an den in voriger Nummer besprochenen theologischen Jahresbericht erscheint eine bibliograghische Uebersicht, durch welche die Benutzung des Jahresberichts erleichtert wird. Die Reihenfolge der Bücher entspricht der der Besprechungen im Jahresbericht. Der Verlag mußte den