Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-09-30 · 40 (30.9.1904) · p. Seite 566

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
40 (30.9.1904)
Date
1904-09-30
Page
Seite 566 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/5369809-9607691-9605972-9660309--9042-9606308
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 566. Israelitische Wochenschrift. Nr. 40. berger Anlage einen monumentalen Synagogenbau. Zur Erreichung künstlerischer Entwürfe, die auf die schwierigen Platzverhältnisse Rücksicht zu nehmen haben, wurde eine Konkurrenz ausgeschrieben. Im ganzen sind 130 Entwürfe eingegangen. Die neue Synagoge soll 1600 Sitzplätze fassen, sie wird demnach der größte Bau dieser Art in Frankfurt werden. London, 26. September. (Grober Unfug.) Unter der etwa 18 000 Köpfe zählenden jüdischen Kolonie im Ostende von London kam es bei Gelegenheit des Versöhnungstags zu tumultuösen Auftritten, die ein großes Polizeiaufgebot notwendig machten. In der Kolonie befindet sich eine Anzahl sozialistischer Juden, die bei den orthodoxen Juden wegen ihres in religiöser Hinsicht provozierenden Verhaltens Aergernis erregen. Es war bereits früher zwischen den Sozialisten und ven orthodoxen Juden fast täglich zu Streitigkeiten gekommen, die sich am Sonntag auf dem Markt zu Spitalfields zu einer regelrechten Prügelei zuspitzten. Am Montag nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr wurden die Unruhen noch größer. Tausende von Juden gingen durch die Straßen, als die sozialistischen Juden, um jene zu reizen, einen Wagen mit Lebensmitteln durch die Menge der Fastenden fuhren. Die orthodoxen Juden stürzten sich auf den Wagen, während die anderen Juden sich in den sozialistischen Klub flüchteten, aus dessen Fenstern sie ein Bombardement mit Flaschen auf ihre Angreifer eröffneten. Es kamen verschiedene, glücklicherweise jedoch nicht schwere Verletzungen vor. Der ganze Distrikt war bald in Aufruhr. Die Häuser der bekanntesten Sozialisten wurden mit Steinen beworfen. Eine starke Polizeitruppe räumte die Straßen und nahm mehrere Verhaftungen vor. Die Ruhestörer wurden tags darauf in Polizeistrafen genommen. — Die Schuld an den betrüblichen Vorgängen liegt ganz und gar bei den „Aufgeklärten", die ihre „Aufklärung" den Orthodoxen aufzwingen, zu mindesten aufdrängen wollten. Sie ließen durch ihre Leute den Fastenden freie Speisung anbieten, kamen mit brennenden Zigaretten in die Vorhöfe der Synagogen, kurz, sie benahmen sich so provozierend frech, daß es fast ein Wunder gewesen wäre, wenn es nicht zu Prügeln kam. Gleichwohl ist dringend zur Aufrechterhaltung der Ruhe zu vermahnen. Wenn unerzogene Menschen sich rüpelhaft benehmen, so ist es doppelt verdienstlich. Würde und Haltung zu bewahren und dadurch die Verirrten zu beschämen. 'Maris, 22. September. (Synagogeneinweihung in Biarritz.) Vor dem Roschhaschanahfest ist in Biarritz die erste Synagoge eingeweiht worden, die in diesem auch von Ausländern sehr beliebten Badeort errichtet ist. Die Synagoge ist fast vollständig aus freiwilligen Spenden erbaut worden. Die Hauptspender, Herr und Frau Lazare von Poliakoff, waren verhindert, zur Einweihung aus ihrer russischen Heimat nach Biarritz zu kommen, doch haben mehrere Mitglieder ihrer Familie der Feier beigewohnt, darunter die Herren Jacques und Dr. I. von Poliakoff, Leon Brodzki und Baron und Baronin A. Hirsch de Gereuth. Die Weihepredigt hielt der Grandrabbin aus Bayonne. Das Gebäude ist in romanischem und orientalischem Stil gehalten und liegt in einem der vornehmsten Stadtviertel. Der Almemor, der Thoraschrein, die Leuchter und die Thorarollen sind sehr alt, sie stammen aus der längst zerstörten alten Synagoge zu Peyrehorade. Amsterdam, 25. September. (Synagoge in Niederländisch-Jndien.) In Batavia, der Hauptstadt der Insel Java soll demnächst eine Synagoge gebaut werden, die schon längst als dringendes Bedürfnis empfunden worden ist. In Riederländisch-Jndien leben im Ganzen 4000 Juden, ein großer Teil davon in Batavia. Die neue Synagoge soll 20 000 Gulden kosten; rund 15 000 Gulden sind bereits gesammelt, den Rest hofft man durch ein Wohltätigkeitsfest zusammenzubringen, so daß mit dem Bau bald begonnen werden kann. Wem H)ork, 15. September. (Ueberführung von Thorarollen.) Die jüdische Gemeinde Abath Jescharim ist aus ihrer alten Synagoge in Hesterstreet ausgezogen und nach dem neuerbauten Gotteshaus in Rivingtonstraße übergesiedelt. Die Ueberführung der Thorarollen hat in feierlicher Prozession stattgefunden. Um alle etwaigen Ruhestörungen zu vermeiden, hatte das zuständige Polizeirevier 300 Polizisten zum Schutz des Zuges zur Verfügung gestellt, der auf dem ganzen Weg das lebhafteste Interesse des Publikums erregte. Wem NorK, 12. September. (Rabbiner Dr. Hermann Baar.) Der vormalige Direktor des hiesigen jüdischen Waisenhauses, Rabbiner Dr. Hermann Baar, ist nach vollendetem 78. Lebensjahr gestorben. Er war von Geburt Deutscher, hatte an der Universität Jena studiert und nach dem Abschluß seines Studiums in Deutschland als Volksschullehrer gewirkt. Dann kam er als Rabbiner an die Synagoge in der Seelstraße in Liverpool, wo er nur zwölf Jahre im Amt blieb, weil er nach längerer Krankheit das Klima dieser Stadt nicht vertragen konnte. Er ging nach Amerika, fungierte hier erst in Washington dann in New Pork als Rabbiner und wurde 1876 zum Direktor des Waisenhauses gewählt, dem er bis vor wenigen Jahren Vorstand und das unter seiner Leitung vorzüglich gedieh und vorwärts kam. Nach seiner Pensionierung widmete Dr. Baar sich der Schriftstellerei und hat verschiedene Bücher über Kindererziehung veröffentlicht. Erst kurz vor seinem Ableben vollendete Dr. Baar den dritten Band seiner biblischen Geschichte für Kinder. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Sämtliche Paramente und die Vorsängerdecken in der neuerbauten Synagoge Rykestraße sind in kostbarer Gold- und Silberstickerei von der Kunststickerei-Anstalt der Geschwister Bleichrode, Berlin 8., Prinzenstraße 32, ausgeführt worden. — Zum Inspektor des Caspar Lachmannschen Provinzial-Waisenhauses in Grandenz ist der bisherige Lehrer und Erzieher an der Erziehungsanstalt in Ahlem, Herr Max Blumen seid, einstimmig gewählt worden. — In Nikolajew (Gouvernement Cherson) brach in der Synagoge infolge blinden Feuerlärms eine Panik aus. Alles drängte dem Ausgang zu, wobei viele Menschen, namentlich Frauen, schwer verletzt wurden. Die meisten erlitten Arm- und Beinbrüche, anderen wurde der Brustkasten eingedrückt. — An: 26. September ist der Rittergutsbesitzer Isidor Rohr auf Langguhle, ein hochverdienter und überaus tüchtiger Mann, gestorben. Lin Irauenleben. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) Von der „Nebelkrähe" herab hatte man einen romantischen Ausblick: drüben hinter den. Wiesen schlängelte sich das Weißwasser, ein lustiger kleiner Bach, der sich leider im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze, sehr unnütz machte und dann viel Schaden anrichten konnte. Zur Linken breiteten und streckten sich blühend und prangend, so weit sie das Auge erreichte, eine Baumschule und eine weit und breit berühmte Kunstgärtnerei, die der Fürst von Leuchtenburg auf seine Kosten unterhielt, und in der Mitte lag der stille Gottesgarten, und Blumenduft und Vogelgezwitscher stieg von ihm in die Höhe. Pfarrer Krause hatte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.