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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 18. (1904) · p. Seite 73

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 18. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 73 (sequence 5)
Language
German
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73 vorauszusetzen brauchen. Von genauer Einsicht in die Septuaginta zeugen dagegen die in Megillah dort sich findenden Angaben über Stellen, welche abweichend vom Hebräischen übersetzt worden sind und von denen sich die wichtigsten trotz der vielen Entstellungen der Septuaginta noch darin finden. Ende Tamid steht das Schlußwort die Mischna, welche die von den Leviten täglich zu singenden Psalmen enthält. Aus Rosch haschanah 31a erfahren wir, daß auch dies eine Ueberlieferung R. Jehudas ist. Noch eigentümlicher, daß die Septuaginta nie verfehlt, in den Ueberschriften der betreffenden Psalmen anzugeben, für welchen Tag der Woche ein jeder bestimmt ist, und daß diese Angaben genau mit denen des Talmud übereinstimmen! Joseph kommt durch den Verdacht, welchen die Frau des Potiphar gegen ihn erregt, in den Kerker. Der Midrasch1) (und nach ihm Raschi) führt an, daß alle Hausbewohner zu einer Festlichkeit waren, entweder zu einem Fest des Nil oder zu einem Schauspiel. Daher war niemand zu Haus. Dasselbe erwähnt Josephus (Ant, 2 3)! Solche Uebereinstimmungen kommen allerdings vor; weniger selbstverständlich ist es, daß wieder R. Jehuda (und sein Genosse R. Nehemia, wie Rosch ha sch an a 31a) die Ueb erlief ernden sind. Am Anfang von פ׳ נח bringt Raschi den Midrasch, wonach die edeln Taten der Frommen ihre Kinder sind. Darum ״Das sind die Nachkommen des Noah; Noah war ein gerechter, fehlerloser Mann“. Derselbe sagt aber zu dem gleichen Sitz Philo Alexandrinus! Nach Tanchuma z. S. stammt der Midrasch von R. Jehuda. Auf diesem Wege können auch halachische Stellen durch hellenistische bestimmt werden. Am Schluß von Biccurim2) heißt es, ״zuerst hätte der Kundige die Biccurimformel selbst gesagt, dem Unkundigen wäre sie vorgesagt worden; später hätte man sie jedem vorgesprochen, um niemanden zu beschämen“. Die erste Hälfte dieser Halacha findet sich auch bei Philo, wonach man die Formel entweder selbst sagte oder sie dem andern nachsprach! Wir behaupten nun, jene Mischna gehöre R. Jehuda an, weil sie mit dem Hellenisten übereinstimme. Und der Anfang 4בראשונה) ruft uns wirklich Mi sehn as gleichen Anfang in Erinnerung, welche R. Jehuda ausdrücklich zum Verfasser haben. Andererseits können wieder Halachas zur Erklärung von hellenistischen Stellen dienen. Meg. 2 3 ist die Rede von dem pflichtmäßigen Umfang der Megillavorlesung. R. Jehuda meint, man lese sie von איש יהודי, der ersten Erwähnung Mordechais, R. Jose von der ersten Erwähnung Hamans, R. Simon (in der Baraitha) von der schlaflosen Nacht des Ahasverus an, und R. Me'ir, man lese Ber. Rabbah Ende 87. 2) Bicc. 3 7. 3) Bei der Schilderung des Biccurimfestes in de septennario. 4) S. Schekalim 12 Rosch haschanah 4 3 s. Gemara das., Maasser scheni 5 9 etc. sie ganz. Nach der Gemara handelt es sich hier um den דיעבר-Fall. Nun erklärt sich’s, weshalb das griechische Esterbuch den Traum des Mordechai mit איש יהודי beginnt und weshalb vorne (noch vor dem Anfang des ersten Kapitels) die Erhebung Hamans und die Rettung des Königs durch Mordechai beim Griechen angegeben sind. Es sind das die verschiedenen Gemeindebräuche bezüglich des Anfangs der Megillavorlesung, die oben erwähnt sind. Die Gemeinden lasen sie wirklich verschieden dem Umfang nach, bis sich allgemein die Vorlesung des ganzen Buches eingebürgert hat. So kam der Traum des Mordechai als Ersatz für manches Fortgefallene an den Anfang, und die Einleitung des griechischen Esterbuchs ist durch ihre Uebereinstimmung mit der Mischna nicht mehr rätselhaft. Jedenfalls stimmt aber der Anfang R. Jehudas mit dem der Hellenisten überein! Das sind wohl nur wenige uns aufgefallene Beispiele, die sich wahrscheinlich noch sehr vermehren lassen. Warum gerade R. Jehuda diese Ueberein- Stimmung so oft zeigt, er, der Sohn R. Haas, und durch diesen der Ueberlieferungsträger des schämmaitisch gefärbten R. Elieser? Ob durch R. Ilaa der Weg zu R. Jochanan ben Sakkai führt, dem eine tiefe Kenntnis des Hellenismus nachgerühmt wird?1) Ob von R. Josua vielmehr die Linie zu R. Akiba führt, dem ein gleiches Wissen zu eigen war?2) Das läßt sich aus diesen Beispielen noch nicht ersehen, und ein Urteil darüber muß man der Zukunft überlassen. Genug, daß wir hier eine sicher führende Verbindungslinie zwischen Talmud und Hellenismus gefunden haben, die nicht etwa bloß in den rabbinischen und hellenistischen Gegenständen die Gleichheit zeigt — das ist seit Frankel und Freudenthal vielfach aufgerollt worden — wohl aber sich an einen gewissen Tannaiten knüpft und damit der talmudischen Quellenscheidung und der Geschichte des Geistes dient. Hoffentlich wird diese Wahrnehmung, daß gerade R. Jehuda mit dem Hellenismus übereinstimmt, eine Veranlassung zu weiteren Untersuchungen auf beiden Gebieten sein. Etwas aus der ״Zukunft“. (Schluß.) Dort3) wurde dem Ganzen die Göttlichkeit des Ursprungs entzogen — das ist bezüglich des Glaubens die Hauptsache. War das geschehen, so konnte der Umstand, daß die biblischen Lehren aus Egypten, Arabien oder Babel stammen sollen, umso weniger ins Gewicht fallen, als man ja selbst in der Bibel eine Entwicklung des Gesetzes annimmt. Noah empfängt Gesetze im Land des Ararat — warum soll es keine babylonischen Satzungen geben, deren Veredelung durch die entwickelnde Gottheit am ß Succah 27 b, 28 a. 2) Chag. 2 1 ff. und Gemaras, auch Tosseftha 2 2, 3 ff. 3) bei Wellhausen etc.

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