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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 18. (1904) · p. Seite 72

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 18. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 72 (sequence 4)
Language
German
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72 allgemein gehaltene יוכל אויביך und die Schluß-Benediktion nimmt ganz direkt Bezug auf den ganz allgemeinen, für alle Zeiten gültigen V ers ושבר ובו׳ ואויבי ה׳ בו׳ Jesaiah 1, 28. Was sollte man aber überhaupt von einem solchen Gebet gegen Personen erwarten, wo es sich doch auch, und vorzüglich, um ein Dogma handelte*? Warum gar kein Hinweis auf das dem Juden- Christentum entgegenstehende jüdische Dogma der noch nicht erfüllten Erwartung des Messias? Sollte R. Gamliel so ganz und gar nicht Theologe gewesen sein? Meine Ansicht, durch die alle Schwierigkeiten, bis auf die eine Stelle Numeri Rab. 18, sich von selbst heben, ist nun die: 1. R. Gamliel hat nicht Welamalschinim eingefügt, diese Eulogie gehört zum altern Bestandteil des ״Achtzehngebets“. 2. Die Neuerung, die als das Werk R. Gamliels berichtet wird, ist eben die Zweiteilung der Benediktion אלוקי דור!בונה ירושלים in die Benediktionen בונה ירושלים und ישועה pp מצמיח• 3. Die ברכת המינים ist eben die besondere Ausgestaltung der Benediktion ישועה pp מצמיח• Die Eulogie ״Es zemach“: ,,Den Sprößling Davids, deines Knechts, mögest du schnell wachsen lassen und sein Horn erhebe sich durch dein Heil, denn auf dein Heil hoffen wir (noch immer) jeden Tag . . . gepriesen sei du, Ewiger, der wachsen läßt das Horn des Heils“ — diese Eulogie ist in der Tat eine nachdrückliche, dogmatische ״Abgrenzung“ des Judentums gegen das Christentum überhaupt und gegen das Judenchristentum im besonderen. Diese Eulogie konnte ein Judenchrist, der die Ankunft des Messias als Tatsache der Vergangenheit dogmatisch glaubte, nicht beten. Das war ein Schiboleth, sobald er diese Eulogie übersprang, entpuppte er sich als ״Min“ (Berachoth 29a und Par. Stellen) als ״Judenchristen“. Schon Joel, Blicke II, 93 (angeführt bei Ellbogen S. 35), sagt: ״Nicht unmöglich ist es, daß damals erst die auf den messianischen Sprößling des Hauses David bezügliche Stelle in die 14. Benediktion (Welijruscholaim) eingefügt wurde, um zu zeigen, daß das Judentum an dem alten Messiasglauben festhalte“. — Joel hat hier im Prinzip das Richtige mit seinem weiten Blick geahnt, daß die Elemente des ״Es zemach“ mit der Tätigkeit des R. Gamliel Zusammenhängen. Er hat aber den letzten Schritt nicht getan. Er läßt durch R. Gamliel Birchath haminim (Welamalschinim) und außerdem die Gebete für den ״Sprößling Davids“ in Welijruscholajim einfügen. Das Richtige ist nun nach meiner Ansicht: die Elemente von Es zemach waren schon in Welijruscholaim vorhanden; R. Gamliel ließ diese außerdem als nachdrücklichen Protest gegen das Judenchristentum redigieren und mit einer besonderen, die Tendenz klar ausdrückenden Schlußbenediktion versehen und als besondere Eulogie, als 19., in das ״Achtzehngebet“ einfügen. R. Gamliel hat also nicht 17, sondern 18 Eulogien vorgefunden, Welamalschinim gehörte schon aus früherer Zeit dazu; er hat als die 19 das von Welijruscholajim durch ihn losgetrennte und besonders redigierte Es zemach eingefügt. Damit sind alle Schwierigkeiten von selbst beseitigt. Dieser Auffassung stehen, wie schon wiederholt gesagt, nur die zwei Stellen Numeri rab. 18 und j. Ber. IV, 3 entgegen, wo die Anzahl der Eulogien vor der neuen Einfügung des R. Gamliel mit 17 angegeben wird. Wenn meine Emendation zu j. Ber. IV, 3; י״ו in י״ט aus den oben auseinandergesetzten Gründen richtig ist, dann bliebe nur die erstere Stelle: וקח טוב (הושע "ר) בגימטריא י״ו תפלהי י״ט ברכות? הוצא משם ברכת המינים שתקנוה ביבנה ואת צמח דוד שתקנו אחרוו• Aber diese Stelle ist wirklich nicht als schwerwiegend zu betrachten. Hier handelt es sich darum, den Zahlen wert von 17 יטוב, als der תפלח entsprechend hinzustellen. Diese Operation mit Zahlenwerten gehört sicher einer späten Zeit an, in welcher das Wesen von ברכת המינים schon verwischt war. Wenn nach dem palästinensischen Ritus sichere Angaben dafür vorliegen, daß Welijruscholajim und Es zemach lange nach R. Gamliel zu einer Eulogie vereinigt waren, so ist die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, daß, nachdem das Phänomen des Juden- Christentums vom Schauplatz der Geschichte geschwunden war, die alte Form wieder rezipiert wurde, welche diese beiden Eulogien vereinigt hatte. In Babylon, wo viel Gewicht darauf gelegt wurde, daß der Resch Galutha ein צמח דוד war, kann dagegen die Redaktion des R. Gamliel beibehalten worden sein. Bekanntlich führten die Nachkommen von Hillel, also auch R. Gamliel, ihren Stammbaum auf David zurück. Daß dieser Umstand mit in Betracht gezogen werden könnte, wenn die Redaktion des Es zemach David ein Werk des R. Gamliel ist, soll hier nur leise angedeutet sein. Einige Bemerkungen über R. Jehuda und den Hellenismus. Alexandria! Wer hört nicht gern von jener glanzvollen Synagoge, deren ungeheurer Umfang den Vorbeter den Fernstehenden unhörbar machte; von jenem Tempel mit seinen Gilden und Innungen, mit seinen kostbaren Richtersitzen!1) Wer läßt sich nicht gern von den siebzig Männern erzählen, die auf Wunsch des Ptolemäus Philadelphus die Thora übersetzen, Jeder für sich, doch Jeder dem Andern gleich!2) Beide Angaben führt der Talmud unter dem Namen des Rabbi Jehuda bar Ilaa an, der als Kenner alexandrinischer Verhältnisse bekannt ist3). Die Uebersetzung der Thora durch die Siebzig berichtet bekanntlich der Aristeasbrief. So allgemeine Nachrichten konnten aber nach Palästina dringen, ohne daß sie eine Kenntnis der griechischen Quelle 9 Succah 51b, Tosseftha 46 2) Meg. 9 a. Mechiltha zu Exod. 12 40. 3) S. Frankel Hodegetik S. 161 die dort angeführten Stellen

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