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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 18. (1904) · p. Seite 71

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 18. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 71 (sequence 3)
Language
German
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führt hatte, dem kleinen Wirbel.1‘ Daraus geht klar hervor, R. Levi hat angenommen, daß R. Gfamliel die 19. und nicht die 18. Benediktion eingefügt hat. Auch in der Mischna (ibid.): R. Gamliel sagt, jeden Tag betet der Mensch ״Schemone eszre“; R. Josua sagt: den Inhalt der Schemone eszre; R. Akiba sagt: Wenn ihm die Tephilla geläufig ist, betet er Schemone eszre, sonst nur ״rneen schmone eszre“, setzt der geläufige Gebrauch des technischen Ausdrucks ,,Schmone eszre“ voraus, daß nicht erst R. Gamliel die 18. Benediktion eingefügt und den Namen festgesetzt hat. Auch ist nicht einzusehen, warum, da der alte Name ״das 17-Gebet“ in ״das Achtzehngebet“ umgewandelt wurde, als die 18. Eulogie hinzukam, nicht auch das ״Achtzehngebet“ den Namen ״das Neunzehngebet“ erhielt, als die 19. hinzukam? Wenn der ursprüngliche Name ״Schmone eszre“ nie verändert wurde, so ist nichts dagegen einzuwenden, es liegt das in den Kapricen der Sprache, die auch nach Kopernikus noch die Sonne aufgehen läßt. Hat aber erst einmal der Name sich mit der Anzahl der Teile verändert, warum nicht auch das andere Mal? Auch ist es derselbe R. Levi, der schon 19 Eulogien der Schmone eszre kennt, dem R. Chona erwidert:אם יאמר לך אדם י״ז אינון אמור לו של מינים כבר קבעו חכמים ביבנה• Ueberhaupt ist diese Bemerkung des R. Chona sehr merkwürdig. R. Levi spricht von den 18 Eulogien, die den 18 Gottesnamen im 29. Psalm entsprechen. Wenn nun R. Chona dazu ergänzend bemerkt: ״Wenn dir jemand sagt, es seien nur 17, so antworte ihm: die der Minim haben die Weisen in Jabne eingefügt“, so ist das ganz unbegreiflich. R. Levi kennt bereits 18, R. Chona kennt auch 18, es ist ja lange nach Jabne: wie kommt ihm da der Gedanke, es könnte jemand sagen, es seien ja nur 17? Ich glaube sicher annehmen zu dürfen, daß hier ein Fehler vorliegt und י״ז in י״ט zu emendieren ist, so daß R. Chona die Frage des Babli aufwirft הני תמני סרי תשסרי הדין und die Antwort gibt, die Minim-Eulogie ist in Jabne hinzugefügt und doch die 18-Zahl beibehalten Avorden. Die vorliegende L. A. ist ganz sinnlos. — Die Annahme, daß R. Gamliel nur 17 Eulogien angetroffen und er die 18. hinzugefügt habe, ist darum, trotz der nun noch allein entgegenstehenden Stelle Numeri Rab. 18 und Jelamdenu Korach, die wir noch weiter in Betracht ziehen werden, als haltlos aufzugeben. Alle anderen einschlägigen Stellen bieten nur dann keine Schwierigkeiten, wenn sie voraussetzen, R. Gamliel habe 18 angetroffen und habe die 19. hinzugefügt. Bei allen bisherigen Untersuchungen wird als ganz selbstverständlich vorausgesetzt, daß unter ברכת המינים die 13. Eulogie ״Welamalschinim“ zu verstehen sei. Auch nur die Möglichkeit, daß dies nicht der Fall sei, ist bisher von keinem in Erwägung gezogen worden. Ausdrücklich wird aber die von R. Gamliel eingefügte Eulogie nie als ״Welamalschinim“ oder mit der speziellen Schluß-Eulogie שובר אויבים, sondern nur immer ganz allgemein mit ״Birchath haminim“ bezeichnet. Wenn sich gewichtige Gründe dafür vorfinden, unter ״Birchath haminim“ nicht ״Welamalschinim“ anzunehmen, so steht von Seiten des Talmud dem nichts im Wege. Nur die oben angeführte Stelle Numeri Rab. 18 würde Schwierigkeiten bereiten, nachdem die andere Stelle j. Berachoth IV, 3 durch die andererseits notwendige Emendation aus dem Felde geschlagen ist. R. Gamliel will das Judentum gegen die Juden- Christen abgrenzen. Was wird man da von seiner Seite erwarten? Alles eher, als das, was den Inhalt von Welamalschinim ausmacht! Man wird erwarten, daß er der judenchristlichen Lehre die entgegengesetzte des Judentums entgegenstellen wird: eine Verfluchung der Personen ist doch nicht ״Abgrenzung“? Ferner ist ein Gebet für den Untergang der Personen ganz gegen den Geist des talmudischen Judentums, welches bekanntlich anknüpfend an den Vers Psalm 104,35 den Grundsatz aufstellt: ״die Sünden, nichtdie Sünder mögen vernichtetwerden.“ Wenn Welamalschinim nichts weiter ist, als eine Paraphrase des Jesaianischen Verses (Jes. 1, 28) ״Sturz über alle Frevler und Sünder insgesamt und die Feinde des Ewigen gehen zu Grunde“ — ואויבי ה' יכלו, welches dem וכל אויביך מהרה יכרתו sicher zu Grunde liegt (vgl. Megilla 17 b) — so ist ein solch allgemein gehaltenes Gebet gegen die Vertreter des Bösen dem Geiste nicht identisch mit einem Gebete gegen das Böse. Aber ein Gebet gegen bestimmte Personen hätte sicherlich in der offiziellen Gebet- Ordnung des Judentums nie Aufnahme gefunden. Personen sind vergänglich, die Gebetordnung des Judentums Avar aber für die Jahrtausende der Zukunft redigiert. Nehmen wir aber an, R. Gamliel hätte durch die Juden Christen seiner Zeit Veranlassung gehabt, sich doch hinreißen zu lassen und ein Gebet gegen sie einzufügen, um dem Judentum die Gefahr vor Augen zu stellen, die demselben von den Juden- Christen dogmatisch und staatspolizeilich droht, so muß man erwarten, daß in diesem tendenziösen Gebet die Tendenz klar hervortritt. Dies Gebet wird, und so darf man erwarten, von den Minim, und von keinen andern Feinden der Juden und des Judentums sprechen. Jede Generalisierung, jede Vermischung der Minim mit den andern Gegnern macht die ganze Tendenz dieses Gebets unkenntlich und das neue Gebet zwecklos. Am Avenigsten wird man erwarten dürfen, daß in der Sehluß-Benediktion, welche den Kern des Gebetstücks zusammenfaßt, die Minim ganz übergangen werden. Was finden Avir nun statt dessen? Das Gebetstück fängt mit den Minim nicht an und schließt nicht mit ihnen, Malschinim oder Meschumodim, Avie eine alte Lesart ist, hat es außer den Judenchristen noch genug gegeben! Die Lesart Avechol haminim an 2. Stelle steht als ursprünglich garnicht fest, wir haben dafür וכל עושי רשעה! Am sichersten ist als ursprünglicher Bestandteil durch Megilla 17 b verbürgt das ganz

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