Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 18. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 70 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Bibelwissenschaft beleuchtet und gewürdigt haben — leider waren es nur zum kleinsten Teil Werke jüdischer Verfasser. Was die talmudisehe Arbeit betrifft, so stehen uns Beleuchtungen mehrerer tüchtiger Leistungen bevor. Wir wollen aber auch dabei nur die Wissenschaft, nicht die Person im Auge haben. Gern wollen wir der Tätigkeit auf allen wichtigen Gebieten unsere Spalten öffnen und bitten die Mitstrebenden um ihre Mitarbeiterschaft! Sind es nicht ganze Bücher, die man bietet, so sind es Arbeiten; will man nicht gleich um eine Einzel- Wahrnehmung eine Dissertation schreiben, um das Gesunde nicht in Vermutungen zu ertränken, so soll es im ״Vermischten“ seine Stelle finden und hat auch als Bemerkung seinen Wert. Kein guter Gedanke soll verloren gehen. Wir bitten die Verleger um fernere Unterstützung unserer Bestrebungen durch Einsendung der neuen Erscheinungen. Besonders aber bitten wir die Leserweit darum, uns ihre Beachtung zu schenken und uns dadurch zu ermutigen. Als neuen Gegenstand wollen wir regelmäßig ״homiletische Anregungen“ einführen, die vielleicht der ausübenden Theologie nicht unwillkommen sein werden. Mit diesen Hoffnungen und Vornahmen gehen wir ins neue Vierteljahr hinüber. Preußisch-Stargard am ערב יו□ כפור• Die Redaktion. Dr. L. A. Rosenthal, Rabbiner. Zur Komposition und Geschichte des ״Achtzehngebets“. Aron Dr. J. Goldsclimidt-Offenbach a. M. Unter den vielen Problemen, welche die Geschichte der synagogalen Gebetordnung im allgemeinen lind des ״Achtzehngebets1‘ (Schmone eszre) im besonderen der Wissenschaft stellt, ragt hervor die Verschiedenheit zwischen dem Namen dieses Gebetes und der wirklichen Anzahl der darin enthaltenen Segenssprüche. Das sogenannte ״Achtzehngebet“ besteht bekanntlich aus 19 Segenssprüchen, Berachoth. Auf diese Schwierigkeit ist, wie der Kundige weiß, schon in Talmud und Midraschim verschiedentlich aufmerksam gemacht worden, so an der Hauptstelle bei Berachoth 28b: ״Diese 18 sind doch 19?“ Und die Antwort darauf ist: ״Die Benediktion bezüglich der Zadukim (resp. Minim) ist im Jabne hinzugefügt worden.“ Demnach bestand das ״Achtzehngebet“ ursprünglich tatsächlich aus 18 Benediktionen, wovon es den Namen trägt, und dieser Name wurde beibehalten, obgleich in Jabne die 19., Welamalschinim, hinzukam. Diese Lösung kann aber nicht befriedigen. Schon Rappaport in seinem Eliezer Kalir und andere haben darauf hingewiesen, daß zur Zeit Rabban Gamliel’s in Jabne das ״Achtzehngebet“ ohne Welamalschinim nur aus 17 Benediktionen bestand, indem die beiden ״Welijruscholajim“ und ״Es zemach“ ursprünglich nur eine Eulogie bildeten. Die Teilung derselben muß sehr spät erfolgt sein, da Eliezer Kalir noch nicht Es zemach als besondere Berocho kannte. Die Schluß-Eulogie für die ursprüngliche Vereinigung der beiden lautete: ״Elohe Dawid ubone Jeruschalajim.“ Vergl. hierzu S. Baer’s ״Awaudat Jisroel“ zu den beiden Stücken ״Welijruscholajim“ und ״Es zemach“ und ganz besonders die neueste sehr fleißige Arbeit ״Geschichte des Achtzehngebets“ von D1*. J. Ellbogen. Um diese Schwierigkeiten zu lösen, packt EIL bogen den Stier bei den Hörnern und stellt die These auf, Rabban Gamliel habe nicht 18, sondern nur 17 Benediktionen vorgefunden, er fügte erst ולמלשינים als 18. hinzu, und durch Rabban Gamliel ist auch der Name ״Achtzehngebet“ festgesetzt worden. Die Teilung der beiden Eulogien ״Welijruscholajim“ und ,,Es zemach“ in späterer Zeit konnte an diesem Namen, der sich inzwischen festgesetzt hatte, nichts mehr ändern. Vgl. Ellbogen a. a. 0. S. 29 u. ff. — Er stützt sich hier mit dieser Annähme besonders auf folgende Stellen: 1. Numeri Rab. 18 und Jelamdenu Korach: טוב בגי׳ י״ו, י״ט ברכות הוצא משם ברכת המינים שהקנוה ביבנה ואת צמח דוד שתקנו אהריו; 2. z. Bei*. IV, 3: ר׳ חונה אם יאמר לד אדם י״ז אינון אמור לו של מינים כבר קבעו חכמי׳ ביבנה• ״Es kann somit als feststehend erklärt werden, daß die Tephilla zur Zeit des Rabban Gamliel, also kurze Zeit nach der Zerstörung des Tempels, aus 17 Benediktionen bestand“, schließt Ellbogen (das. S. 30). In der Tat scheint jeder andere Ausweg unmöglich. Jetzt besteht die Tephilla aus 19 Benediktionen, die beiden Welijruscholajim und Es zemach haben sicher ursprünglich nur eine Eulogie gebildet, R. Gamliel hat ebenfalls eine hinzugefügt: was bleibt also anderes übrig, als daß vor R. Gamliel nur 17 Eulogien vorhanden waren? Dieser scheinbar unvermeidlichen Annahme stehen aber große Bedenken entgegen, die wohl auch Herrn Dr. Ellbogen beunruhigten, als er in dem Vorwort schrieb: ״Ich folge daher nicht dem eigenen Triebe, wenn ich hiermit eine Abhandlung der Oeffentlichkeit übergebe, deren Resultate mir selbst im Laufe der Zeit zum Teil zweifelhaft geworden sind, deren Probleme für mich, je länger ich darüber nachdenke und arbeite, sich immer mehr verwickeln, ja fast unlösbar erscheinen.“ Ich will nur einige Schwierigkeiten hier vorbringen. In der angeführten Hauptstelle b. Berachoth 28b antwortet R. Levi auf die Frage: ,,Es sind doch 19 und nicht 18 Benediktionen?“ ״die Benediktion bezügl. der Zadukim wurde in Jabne eingeführt.“ — ״Wem entspricht diese 19. Benediktion?“ — R. Levi antwortet: Nach R. Hillel etc., der die 18 Benediktionen oben auf die 18 Gottesnamen im 29. Psalm zurückführt, entspricht die 19. dem Verse: ״El hakkabod“, ״Gott der Ehren“; nach R. Josef, der sie auf die 18 Gottesnamen im Schema zurückführt, dem ״echad“, ״einzig“, nach R.Tanchum, der sie auf die 18 Wirbel des Rückrats zurückge-