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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · p. Seite 537

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
Seite 537 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Israelitische Wochenschrift. Seite 637. meintlicher, denn bei den oben berechneten Ausgaben sind die Beträge für Schulen und einige andere Erziehungsinstitute nicht eingerechnet. London, 9. September. (Auszeichnung.) Der als das Haupt der im Ostend lebenden holländischen Juden angesehene Samuel Strelitskie ist von der Königin Wilhelmine und der Regierung der Niederlande zum Ritter des Orange-Nassau- Ordens ernannt worden. Seit 52 Jahren lebt Herr Strelitskie in London und hat sich während dieser Zeit sehr viele Freunde erworben. Als Präsident des „Niederländischen Musik- und dramatischen Klubs" hat er immer in engeren Beziehungen zu seinen holländischen Landsleuten gestanden, doch hat er als Mitglied und vielfach als Vorstandsmitglied verschiedener Wohlfahrtsvereine im Ostend und ganz besonders durch seine private Wohltätigkeit seinen Glaubensgenossen so viel Gutes erwiesen, daß er zu den beliebtesten und angesehensten Männern des Ostends gehört. Die Herrn Strelitskie von der Königin von Holland erwiesene Auszeichnung hat allen, die ihn kennen, besonders den hier lebenden Holländern große Freude bereitet. London, 8. September. (Protest gegen die Hetzpriester.) Der hier domizilierende Protestanten-Bund (Imperial Protestant Federation) hat dem Statthalter von Irland, dem Premierminister, dem Minister des Innern und dem Hauptsekretär für Irland folgende Zuschrift übermittelt: „Der Vorstand des Imperial Protestantenbundes, der 54 Protestantenvereine Englands und der Kolonien vertritt, hat in seiner letzten Sitzung die skandalöse Behandlung besprochen, die vor kurzem die Juden in Limerick zu erdulden hatten. Es ist einstimmig beschlossen worden, daß ich an Eure Lordschaft schreiben und ihr die beifolgenden Zeitungsberichte mit der Bitte übermitteln sollte, ihnen die sorgfältigste Beachtung zu schenken. Der Vorstand gibt seiner einhelligen Meinung Ausdruck, daß das Benehmen gewisser Priester der römischen Kirche, die ihre Gemeinden zum Boykott und zu tätlichem Angriff gegen die Juden aufhetzen, ein Skandal ist, der in diesem freien christlichen Land nicht geduldet werden dürfte. Der Vorstand spricht deshalb die Hoffnung aus, die königliche Regierung werde Schritte zur Verhinderung einer etwaigen Wiederholung solcher Vorfälle tun und werde eine Untersuchung veranstalten zur Feststellung aller Personen, die moralisch und gesetzlich für die Schäden verantwortlich zu machen sind, die den Juden in Limerick kürzlich zugefügt worden sind. Ich habe die Ehre usw. James W. Walsch, Sekretär". Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Der Kaiser von Oesterreich hat dem Dr. Moritz Rosenstock in in Skalat den Adel verliehen unter dem Namen Edler von Roschtocki. Der neue Geadelte, der viele Jahre hindurch die Handelskammer von Brody inr Parlament vertrat, hat die jüdischen Gemeinden seiner Nachbarschaft immer aufs reichste unterstützt. — Vakanzen. Erdmannroda, Kreis Grünseld. El.-L., 500 M. Geh., fr. W., 200 M. Sch.-Geb., 200 M. Nebeneink. Meld. an Vorsteheramt in Fulda. — Lin Irauenleben. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) „Leider", seufzte Lewy, „ist das Facit dieser Reflexionen immer dasselbe: Selbstvorwürfe bis zur Selbstpeinigung. Sie wiederholt den Tag hundertmal: Wäre ich zu Haus gewesen, so wäre er nie gestorben." „Vielleicht hat sie Recht", sagte der Geheimrat achselzuckend, „vielleicht auch nicht. Auf jeden Fall ist es höchst schädlich, über diese Dinge ständig zu grübeln. Sie hat eine eiserne Natur, eure Mutter, sonst könnte sie diese Höllentortur nicht aushalten." „Und wie sehr hat das Unglück die Mutter verändert!" jammerte Luise. „Sie, die sonst so weich und gütig war, ist jetzt hart, oft gefühllos. Wie streng beträgt sie sich gegen Urban, sie spricht kaum zu ihm, sie sieht u)n nicht an, und der arme Alte ist selbst fast von Sinnen vor Schmerz. Ja, die Mutter hatte nicht einmal ein Dankeswort für die Freunde meines Bruders; nie werde ich vergessen, wie treu, wie liebevoll sich die Falkensteine, Meier und viele andere gegen Alfred benommen haben. Aber nicht einmal ihre Namen darf ich vor der Mutter erwähnen, wenn ich nicht verschulden will, daß sie in die höchste Aufregung, ja Raserei gerät. Und nun dieser schreckliche Einfall, das Haus mit allem Zubehör zu verkaufen und nach Freystadt zu ziehen! Die schöne, an den Luxus der Großstadt gewöhnte Frau will sich in jenem elenden Nest vergraben!" „Willfahrt ihr in allem", sprach der Geheimrat, „widersprecht ihr nicht! Es würde euch nichts helfen; Posthuma war stets gewöhnt nach ihrem Kopf zu handeln, und wenn sie in der Stadt, wo ihre Toten ruhen, für immer weilen will, so wird sie niemand davon zurückhalten, weder ihr, noch ich, noch meine Frau. Ich kenne keinen, der Einfluß auf sie hat. Habt Nachsicht mit eurer Mutter, Kinder, sie liebt stärker als andere Menschen, darum leidet sie auch viel, viel mehr. Ihr ist viel Unglück widerfahren, und dieses letzte war das Bitterste, was einer Mutter geschehen kann." „Lieber Onkel, wir sind bitter gestraft", schluchzte Luise, wir müssen mit unsrem eigenen Schmerz um den geliebten Toten es noch mit ansehen, wie die Mutter in Sehnsucht und Leid um ihn vergeht. Wie tft es möglich. Jemanden am Leben zu erhalten, der nicht ißt, nicht trinkt und nur weint alle Tage und Nächte? Das kostet uns die Mutter mit." Der Geheimrat streichelte mitleidig die blassen Wangen der jungen Frau: „Sie wird am Leben bleiben, Lisel, glaube es mir. Das ist freilich der einzige Trost, den ich dir vorläufig zu geben vermag. Aber nein, ich kann noch etwas für euch tun: Ich werde Urban in meine Dienste nehmen und eurer Mutter meine Haushälterin, die Philippine, überlassen. Sie ist wie ein alter Hofhund, knurrig und mürrisch, aber gescheit und treu wie Gold. Sie wird eure alte Mutter pflegen, besser als wir alle imstande sind. . . . Und nun geht Kinder und verlangt nichts unmögliches von eurer armen Mutter! Wen Gott geschlagen, den muß er selbst wieder aufrichten, wir Menschen können es nicht". Frau Röschen, die, so lange Posthuma lebte, die Stelle einer Mutter an ihrer Nichte vertreten hatte, erinnerte sich dieses schönen Vorrechts wieder und fuhr, sobald sie von dem eigenen Haushalt abkommen konnte, nach der Residenz, um die unglückliche Frau zu trösten und sie, wie die Doktorin es selbst nannte, „aus den rechten Weg zu bringen". Sie traf Posthuma mitten in allen Vorbereitungen zum Umzug: die Möbel verpackt, das Haus unwohnlich und durch den Geist der Trauer, der es durchzog, leer und trübselig, ja, unheimlich; es war, als gäben Wände und Mauern das Echo des Jammers und der Wehklagen, die sie gehört, mit gespenstischen Lauten wieder zurück. „Ich fürchte mich unendlich", beichtete Philippine heimlich ihrer ehemaligen Herrin, „es knistert und rauscht in allen Winkeln . . . Erbarmte mich die Frau nicht, ich bliebe keine Stunde hier. Ach und wenn sie nur endlich aus dem Zimmer hinaus wollt', das dem jungen Herrn gehörte! Aber da vergräbt sie sich

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