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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-09-16 · 38 (16.9.1904) · p. Seite 533

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
38 (16.9.1904)
Date
1904-09-16
Page
Seite 533 (sequence 9)
Language
German
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-sJir. 38. Israelitische Wochenschrift. Seite 633. Rücksichtslosigkeit ihrem Vaterland zufügt, nach Möglichkeit zu verringern. Wenn Herr Kieferndorf, der ein evangelischer Deutscher ist, auf anderem Standpunkt steht, so ist das ja ganz natürlich. Als Deutscher braucht er keinen türkischen Patriotismus zu haben, und als Protestant hat er nicht nötig, gegenüber dem türkischen Staat dafür dankbar zu sein, daß er in der Türkei ein Asyl vor russischen Verfolgungen gefunden hat. Allerdings scheint der deutsche Kieferndorf mildernde Umstände dafür zu plädieren, daß er sich der russischen und nicht der deutschen Post bedient; er entschuldigt dies gewissermaßen damit, daß die russische Post konkurrenztüchtiger sei. Dies ist durchaus nicht der Fall. Die deutsche Post ist mit genügendem Eifer geleitet, was unter anderem daraus hervorgeht, daß sie Kreuzbänder führt, welche man bekanntlich in Berlin nicht haben kann, aber das Konkurrenzstreben der deutschen Post beschränkt sich darauf, den Wünschen des Publikums zu entsprechen, und die deutsche Post begeht nicht die Unanständigkeit, durch Vorschüsse und Lieferung von Adressen von Wohltätern an Schnorrer und Vereine und durch Preisrabatte rc., welche zweifellos der Berner Postkonvention widersprechen, Kundschaft heranzuziehen. Zum Schluß möchte ich bemerken, daß die Herren in Palästina sehr gut wissen, daß es eigentlich von ihnen eine Pflichtwidrigkeit ist, sich der fremden Posten zu bedienen. Die Herren wissen trotz der Anonymität, unter der ich meine Zuschriften veröffentlicht habe, ganz genau, wer Herr C. ist, und sie gebrauchen daher die Vorsicht, auf den Zirkularen oder Briefen, die sie an mich senden, türkische Postmarken zu benützen. Die Herren haben aber die Rechnung ohne den Umstand gemacht, daß man sich weit über meinen Bekanntenkreis hinaus bei mir Rat erholt, ob man auf Zirkulare aus Palästina reagieren soll, und daß ich dadurch leicht in der Lage bin, festzustellen, ob ich als Empfänger türkischer Briefmarken eine Vorzugsstellung genieße. Beispielsweise habe ich soeben vom Hospital Schaar Zion in Jaffa einen derartigen Aufruf mit türkischer Marke erhalten, während anderweit deutsche Briefmarken für den Aufruf dieses Hospitals Verwendung gefunden haben. Uebrigens bin ich dadurch auch in der Lage, festzustellen, daß die Briefe mit türkischer Marke genau so regelmäßig hier einlangen wie die Sendungen der anderen Posten. Selbstverständlich rate ich stets von Gaben ab, wo ich die Benutzung fremder Postämter konstatiere — denn wer nicht dankbar ist — und zur Dankbarkeit haben die Juden aus Rußland und Rumänien, die in der Türkei ein Asyl gefunden haben, und von dort ihre Bittgesuche versenden, doch allen Anlaß — der bietet nicht die Gewähr, daß er ein anständiger Mensch ist. c Literarisches. Der ehemalige griechische Unterrichtsminister und Abgeordnete K. Papamichalopoulos, der gegenwärtig verschiedene Gegenden Kleinasiens und Palästinas bereist, sendet der athenischen „Athinae" einen Bericht^überIdie „Doppetöüste von Mose und Aaron", die sich modern kürzlich gegründeten Museum der „Theologischen Schule des Kreuzes" in Jerusalem befindet. Die Büste ist in der äußeren Form den Doppelhermen der griechischen Kunst ähnlich und wurde seinerzeit zwecks bequemerer Beförderung an ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort in mehrere Stücke zerschnitten, die aber leicht wieder zusammenzupassen sind. Die linke Hälfte der Büste, die den Kopf des Mose darstellen soll, ist 0,39 Meter hoch; die rechte Hälfte mit der Darstellung des Kopfes des Aaron ist 0,47 Meter hoch. Beide Figuren zeigen unverkennbar den echten Typus der israelitischen Rasse: das längliche Gesicht, die gebogene Rase, den herabfallenden Bart, das lange Haar, wohlgepflegt und an den Schläfen gewellt, den scharfen Blick; zugleich aber verleiht der milde Ernst, die ruhige Erhabenheit, die sich in den Gesichtern der beiden Personen ausspricht, dem Kunstwerk einen hervorragenden Charakter. Das Kunstwerk wurde um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 4/Meter unter der Erde auf dem'Grund vor der jetzigen Metropole von Nazareth gefunden, und zwar zusammen mit einer Reihe'anderer archäologischer Funde, wie Säulen und Kapitäle. Auf dem Platze stand früher ein von Justinian erbauter glänzender Tempel, der die Stelle der alten berühmten jüdischen Synagoge einnahm, wo nach der Ueberlieferung Christus gelehrt hatte, und von den ergrimmten Juden verjagt worden war. Als die Büste ausgegraben war, wurde sie von dem türkischen Mufti dem griechischen Metropoliten Rifon übergeben, der sie im Vorgarten der Metropole aufstellen ließ. Da sich aber die begehrlichen Blicke zahlreicher Antiquitätenfreunde und Archälogen auf sie richten und verschiedene Male der Versuch gemacht wurde, sie zu entführen, beschloß der, jetzige Metropolit von Nazareth, Theophanes, die Büste in Sicherheit zu bringen, und schenkte sie dem jüngst gegründeten Museum der „Theologischen Schule des Kreuzes" in Jerusalem. Einigermaßen schwierig ist nun die Frage nach der Herkunft dieser Reliefbüsten. Gegenüber derlBehauptung einiger Gelehrten, daß sie eine moderne Fälschung seien, muß auf die^Fundumstände und darauf hingewiesen werden, daß sie zusammen mit anderen antiken Gegenständen ans Licht kamen. Daß in türkischer oder arabischer Zeit die Kunstübung in Palästina noch geblüht haben soll, ist schwerlich anzunehmen. Dagegen wissen wir, daß seit dem dritten Jahrhundert v. Ehr. bis zum vierten Jahrhundert n. Ehr. die griechische Kunst in Palästina in Blüte stand, deren Ueberreste noch heute in Heliopolis (Baalbeck) und Gerasa, Petea rc. sichtbar sind. Daß ein Jude selbst die beiden Porträts geformt habe, in Uebertretung des göttlichen Verbotes, kein Bild noch Gleichnis zu machen, ist unwahrscheinlich, wenn auch nicht ganz unmöglich. Sehr vertrauenerweckend hinsichtlich der Urteilsschärfe des Berichtenden sind diese Auslassungen nicht. Das Verbot, „kein Bildnis noch Gleichnis zu machen", gehört doch nicht zu denen, die gelegentlich oder zufallsweise oder im augenblicklichen Uebermut übertreten werden können. In alter Zeit jedenfalls — heute ist es vielleicht anders — «rußte man erst mit Fleiß und Ausdauer gelernt haben, ehe man sich an die Schaffung eines Bildwerks machen konnte. Das in Rede stehende Kunstwerk mag als solches ganz bedeutend sein. Ob sein Urheber oder sein erster Ersteh er es als Büsten Moses und Aarons ausgegeben hat, wird schwer erweislich sein und wäre unter allen Umständen ohne Belang. Niemand durfte einem Künstler oder Kunst-Mäzen im vierten Jahrhundert der bürgerlichen Zeitrechnung oder zu irgend einer anderen Zeit verwehren, irgend ein Büstenpaar nach Mose und Aaron zu benennen, so wenig es heute zu hindern wäre, daß ein italienischer Figurenhändler zwei Büsten in Deutschland als die von Goethe und Schiller, in Frankreich als die von Voltaire und Rousseau, in Oesterreich als die von Beethoven und Mozart ausgibt. Die in Rede stehendes Doppelbüste mag als Kunstwerk oder als Antiquität von Wert sein — ihre Bezeichnung ist willkürlich und ohne jede Bedeutung. * * * Die Israet-Stele. Das „Paradestück der Ägyptologie", die Sphinxstele, ist neuerdings von Prof. Erman wieder be-

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