Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 33 (12.8.1904)
- Date
- 1904-08-12
- Page
- Seite 457 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 33. Israelitische Wochenschrift. Seite 457. 3 Stunden im Garten arbeiten. 7. Die erst im Oktober 1902 inNowopoltawka eröffnete Landwirtschaftsschule, in der 38Schüler praktischen und theoretischen Unterricht erhalten. Die landwirtschaftlichen Kolonien in den nordwestlichen Gouvernements haben in den Jahren 1902 und 1903 schlechte Ernten gehabt. Die Ansiedler haben deshalb vielfach Darlehen erhalten müssen zum Ankauf von Vieh, Saatgetreide und Arbeitsgeräten. Außerdem sind sie im Anbau und der Pflege von Obstbäumen und Gemüse unterwiesen und eine große Anzahl von Bäumen und Sträuchern sind im Berichtsjahr angepflanzt worden. Die im Jahr 1903 für diese Kolonien verausgabte Summe von rund 13 000 Rubel ist hauptsächlich für Darlehen verwendet worden. Die bedeutendste Institution der jüdischen Kolonien in Bessarabien und Podolien ist die Baumschule von Soroki. Sie umfaßt 20 Deßjatinen Land, von dem die Hälfte mit Obstbäumen bepflanzt ist. Dazu gehört eine Abteilung für Weinbau, ein Muster-Blumengarten und ein Gemüsegarten. Der Wert des Bestandes dieser Baumschule wird auf 29 926 Rubel geschätzt. Die Einnahmen haben im Berichtsjahr nur 7407 Rubel betragen, die Ausgaben 18 827 Rubel. Die Baumschule hat 14150 Obstbäume, 24 266 Weinstöcke und 4756 Schmuckbäume verkauft und hat auf der im Herbst 1903 in Kischinew stattgehabten Landwirtschaftlichen Ausstellung drei silberne Medaillen und ein Ehrendiplom erhalten. 60 bis 80 jüdische Arbeiter haben in der Baumschule Anstellung bekommen. Die von der I. C. A. gewährten Darlehen dienten hauptsächlich zur Anlage von 59 neuen Gärten zu den 11 bereits bestehenden. Die übrigen Ansiedler wurden wie in früheren Jahren bei der Beschaffung von Pferden, Kühen, landwirtschaftlichen Maschinen und neuen Geräten durch Darlehen unterstützt. Im Ganzen sind 345 Darlehen gewährt, die Abzahlungen pünktlich geleistet worden. Auch in diesen Kolonien sind Abend-Klassen für Elementar- und technischen Unterricht eingerichtet worden. In acht Kolonien des Gouvernements Cherson sind Demonstrationsfelder bebaut worden, um den Ansiedlern praktisch die Vorteile beweisen zu können, die aus der Kultur mit vervollkommneten landwirtschaftlichen Geräten, mit wohlausgewähltem Saatgetreide bei guten Methoden zu erreichen sind. Die Ausgaben für diese Kolonien betrugen im Jahr 1903 26 285 Rubel. Die Nahartaw-Kolonie ist die einzige in diesem Gouvernement, die eine amtlich zugelassene Spar- und Darlehnsbank besitzt. In folgenden Städten befinden sich technische Schulen, die von der I. C. A. subventioniert werden: Odessa, 397 Schüler; Minsk, 165 Schüler; Wilna, 116 Schüler; Dwinsk, 128 Schüler; Cherson, 46 Schüler; Bobruisk, 64 Schüler; Krementschug, 36 Schüler; Grodno, 54 Schüler; Mohilew, 48 Schüler; Czenstochoiva, 23 Schüler. Werkstätten in Lomsa, 31 Schüler; in Warschau, 215 Schüler; Pinsk, 40 Schüler; Welisch, 18 Schüler; Sklow, 27 Schüler. — Die technischen Mädchenschulen haben in Simferopel 205 Schülerinnen; in Kischinew 228; in Dwinsk 105; in Biela Tserkos 123; in Orscha 117; in Minsk 118; in Poltawa 11; in Pinsk 34 Schülerinnen. In den Werkstätten in Warschau sind 81, in Jitomir 131 Schülerinnen beschäftigt; in den gemischten technischen Schulen zu Petersburg wurden 217 Knaben und 240 Mädchen, in Bilawitschi 44 Knaben und 100 Mädchen, in Pietrokoff 2 Männer, 4 Frauen, 22 Knaben und 8 Mädchen unterrichtet. 28 Lehrer und Lehrerinnen waren 1903 an den technischen Schulen angestellt. Einige dieser Schulen haben mit gutem Erfolg die Petersburger technische Ausstellung von 1903 beschickt. Mit der Subvention der I. C. A. hat der Verein zur Verbreitung von Bildung unter den Juden Rußlands 71 Elementarschulen mit 7050 Schülern unterhalten. Der Verein errichtet Schulen an Orten, wo Unterrichtsgelegenheit mangelt und hilft den schon bestehenden Schulen durch materielle Unterstützung und durch Modernisierung und Hebung des Unterrichts. Der Ausbildung von Lehrkräften für diese Schule wird vom Verein große Sorgfalt gewidmet. Der bisherige Inspizient dieser Schulen, Dr. Lander, hat seine Tätigkeit unterbrechen müssen, um in den Krieg zu ziehen. Die 29 von der I. C. A. begründeten Spar- und Darlehnskassen wirken sehr segensreich. Der Vermehrung dieser Kassen stellt die Regierung große Schwierigkeiten entgegen. 21 dieser Kassen haben sich bereits selbständig gemacht; die Orte, in denen diese Kassen funktionieren, haben zusammen 355 556 jüdische Einwohner. Die Zahl der Klienten ist vom vergangenen bis zum Berichtsjahr von 13 404 auf 17 459 gestiegen. Die Darlehen werden ziemlich pünktlich abgezahlt,. Verluste kommen selten vor. Von den während der Hungersnot in Bessarabien begründeten Kooperativ-Genossenschaften ist nur die in Akkermann bestehen geblieben; sie arbeitet mit bestem Erfolg. Die Weberei-Fabrik in Dubrowna hat in Berichtsjahr- Dank der Einstellung einer neuen Dampfmaschine ununterbrochen arbeiten können. Die Zahl der Webestühle für Seidenstoffe ist auf 129 vermehrt worden; auch die 40 Webestühle für Baumwollenstoffe genügen nicht mehr zur Bewältigung der Arbeit, so daß auch hier Neuanschaffungen erforderlich sind. 176 männliche und 164 weibliche Arbeiter waren in der Fabrik beschäftigt. Die Männer verdienten 30—45, die Frauen 20 — 25 Kopeken täglich. Die finanziellen Ergebnisse des Betriebs waren nicht zufriedenstellend. Der von der I. C. A. unterstützte Verein zur Errichtung gesunder und billiger Wohnungen hat 1903 noch keinen Bargewinn gehabt. Die Lage wird sich aber jetzt bessern, da zu Ende des Jahres in Wilna 185 Wohnungen vermietet und nur 6 unbewohnt waren. An der Verschönerung und Verbesserung dieser Arbeiterhäuser wird weiter gearbeitet, so ist jetzt in der Nachbarschaft dieser Häuser ein Garten für die Mieter angelegt und eine „Krippe" eingerichtet worden, in der die arbeitenden Frauen Tags über ihre kleinen Kinder der Pflege und Aufsicht von Pflegerinnen überlassen können. Freier ärztlicher Beistand steht den Mietern zur Verfügung, und eine Elementarschule ist für die Kinder eingerichtet worden. In Bobruwk sind die ersten beiden Häuser fertig und zum größten Teil vermietet, ein drittes Haus ist im Bau. In Soroki hat der Verein zwei neue Bauplätze erworben. In Petersburg hat die I. C. A. einen Frauenverein subventioniert, der sich mit dem Wohl und der Fortbildung jüngerjüdischer Arbeiterinnen beschäftigt. Der Verein hat ein Arbeiterinnenheim eröffnet, in dem die Mädchen gegen Entgelt wohnen und speisen können. Für die Abendstunden ist ihnen Gelegenheit zu ihrer Forbildung gegeben, Räume zum Lesen und Schreiben stehen ihnen zur Verfügung. Das Haus ist vorläufig für 15 Mädchen eingerichtet; die vom Verein veranstalteten Vorträge und Vergnügungen wurden von 200 Arbeiterinnen besucht. Im Jahr 1903 hat die I. C. A. 20 jungen jüdischen Arbeitern nach absolviertem Kursus in technischen Schulen die Mittel vorgestreckt, sich in den inneren russischen Gouvernements als Handwerker niederzulassen. In Rumänien ist die von der I. C. A. geleitete Auswanderung nach den Erfahrungen der früheren Jahre neu organisiert worden. Die sorgfältige Auswahl und die genaueste ärztliche Untersuchung der Auszuivandernden hat den Erfolg