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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-07-29 · 31 (29.7.1904) · p. Seite 432

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
31 (29.7.1904)
Date
1904-07-29
Page
Seite 432 (sequence 8)
Language
German
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Seite 432. Israelitische Wochenschrift. Nr. 31. Strafe folgenden fünf Jahren der Aufenthalt im Vereinigten Königreich untersagt. Wird diese Person dennoch innerhalb unseres Landes gefunden und wird vor einem schleunigen Gerichtshof ihre Identität und die Tatsache bewiesen, daß jene Verurteilung nicht wegen eines politischen Vergehens erfolgt ist, so steht es im Ermessen des Gerichtshofs, der betreffenden Person binnen einer bestimmten Frist die Entfernung aus dem Vereinigten Königreich zu befehlen und die etwaige Rückkehr zu verbieten. III. Bestrafung. Wenn ein Ausländer, gegen den solcher Befehl ergangen war, nach der ihm bewilligten Frist noch im Vereinigten Königreich betroffen wird, so hat er sich eines Vergehens schuldig gemacht, das von einem schleunigen Gerichtshof mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten bei Zwangsarbeit und mit Deportation bestraft werden soll. IV. Interpretation. Der Ausdruck „Ausländer" („allen") in diesem Gesetz bezieht sich auf jede Person, die nicht englischer Untertan ist. V. Name des Gesetzes. Dieses Gesetz soll den Namen führen „Fremden-Kriminalgesetz von 1904" und soll am 1. Oktober 1904 in Kraft treten. Moser und Rammurabi. Portrag von Tr. Arnold Rosenbücher, Präsident der israelitischen Kultusgemeinde in Prag. I. Hochgeehrte Versammlung! Das Thema des heutigen Vortrags ist ein Teil des Themas „Bibel und Babel", das seit zwei Jahren so viel Staub aufgewirbelt hat. Gestatten Sie mir deshalb, in kurzen Zügen den Stand der Kontroverse „Bibel und Babel" vom juristischen Standpunkt zu beleuchten. Am 13. Januar 1902 hat Professor Friedrich Delitzsch vor einem distinguierten Publikum einen Vortrag über die Ausgrabungen in Babylonien gehalten. Professor Friedrich Delitzsch ist ein Sohn des berühmten Hebräisten und Altertumskenners Franz Delitzsch, des hervorragendsten christlichen Kenners des Judentums, dem wir Juden ewig dankbar sein müssen für seine mannhafte und energische Verteidigung des Judentums gegen die Anschuldigung des Ritualmords. Friedrich Delitzsch hat zunächst berichtet über die interessanten Ausgrabungen, die die deutsche orientalische Gesellschaft in Babylonien vorgenommen hat. Er kam dann auf den Wert dieser Ausgrabungen zu sprechen und hat hierbei die Ansicht geäußert — zwar nicht immer in ausdrücklichen Worten, aber doch so deutlich, daß sie nicht verkannt werden konnte —, daß die babylonische Literatur auf das biblische Kulturleben wesentlichen Einfluß genommen hat. Daher der Titel seines Vortrags: Bibel und Babel. Speziell behauptet er, daß die Traditionen über die Weltschöpfung, über den sogenannten Sündenfall und über die Sintflut babylonischen Ursprungs und von den babylonischen Quellen in die Bibel gekommen seien. Das war keine neue Behauptung. Schon Josefus Flavius hat vor mehr als 1800 Jahren in seiner Verteidigungsschrift für das Judentum gegen Apion konstatiert, daß die babylonischen Sagen in vielen Punkten mit den Berichten der Genesis (des ersten Buches Mosis) übereinstimmen. Das Neue, was Delitzsch sagte, war hauptsächlich, daß auch der Sabbat von Babylon stamme und daß der Monotheismus 1000 Jahre oder noch mehr vor der Gesetzgebung auf dem Berge Sinai in Babylon bekannt war. Namentlich diese zwei Behauptungen haben gerechtes Aufsehen erregt, nicht nur bei den Juden, sondern auch namentlich bei Geistlichen orthodoxer Richtung sowohl katholischer als auch evangelischer Konfession. Auf diese Frage, sowie überhaupt auf das theologische Gebiet werde ich nicht eingehen. Einerseits erachte ich mich hierzu nicht für berufen, andererseits habe ich immer die Erfahrung gemacht, daß bei theologischen Streitigkeiten nichts herauskommt. Die meisten Bekehrungsreden sind wirkungslos, wenn sie nicht von einem starken Regierungsdruck oder von einem mit derben Knütteln versehenen Volkshaufen unterstützt werden. Ich werde lediglich die juridische Seite der Frage erörtern. Die Erwiderungen, die in zahlreichen Zeitungsartikeln, Flugschriften und Broschüren, hauptsächlich von Orthodoxen beider christlichen Konfessionen, und von Juden, sowohl fortschrittlicher, als auch orthodoxer Richtung, erschienen, waren sehr zahlreich. Besonders haben Professor Barth, Dr. Klausner und in letzter Zeit Dr. Jakob Horowitz, ein Sohn des Frankfurter Rabbiners, sehr gediegene Schriften verfaßt. Obschon die Schriften der jüdischen Gegner, wie ich mich überzeugt habe, wenn auch oft in Erregung geschrieben, durchaus nicht persönliche Angriffe enthielten und in keinem Fall schärfer waren, als die Aeußerungen der christlichen Gegner, scheinen sie Professor Delitzsch doch in hohem Grad irritiert zu haben. Was der Grund war, weiß ich nicht, ob die Argumente so stark waren, oder ob er es den Juden verübelte, daß sie sich unterstünden, gegen einen Professor auszustehen, weiß man nicht, kurz und gut, Delitzsch muß irritiert gewesen sein. Bei seinem zweiten Vortrag, den er über dasselbe Thema am 12. Jänner 1903 hielt — gerade ein Jahr nach dem ersten — hat er dieser seiner erbitterten Stimmung einen Ausdruck gegeben, die an ein bekanntes biblisches Beispiel erinnert. Die Bibel erzählt, daß, nachdem Haman Günstling seines Königs geworden, ihm alle Hofbeamten die höchsten Ehren erwiesen, nur ein Jude (Mordechai) nicht; es beschloß deshalb Haman, alle Juden zu vernichten. Professor Delitzsch ist, wie ich höre, kein Antisemit, er hat nichts gegen die Juden im allgemeinen. Er hat aber in seinem zweiten Vortrag gegen das Judentum — was in unseren Augen noch viel gefährlicher ist — einen vehementen, höhnischen Angriff gerichtet. Während er in seinem ersten Vortrag nach rein wissenschaftlicher Methode vorgeht und Behauptungen ausstellt, über die sich streiten-' läßt, macht er im zweiten Vortrag in seinem Hauptteil die Wundererzählungen der Bibel lächerlich und bringt gegen das Judentum die alten, hundertmal erhobenen und ebenso oft widerlegten Behauptungen eines jüdischen Nationalgotts und eines jüdischen Rachegotts vor. Das war kein großes Unglück. Wir Juden haben seit dem ersten frevelhaften Ausspruch Pharaos, „ich kenne den Ewigen nicht, wer ist der Ewige?" so viele Angriffe erfahren und überstanden, daß es garnichts ausgemacht hätte, wenn auch Professor Delitzsch sich diesen Gegnern angeschloffen hätte — die Liste der Feinde des Judentums wäre eben nur um einen Namen, wenn er auch noch so klangvoll ist, reicher. Zwei Umstände aber haben diese Angriffe zu sensationellen gemacht: erstens das Publikum, vor dem sowohl der erste, als auch der zweite Vortrag gehalten wurde und zweitens die

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