Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 30 (22.7.1904)
- Date
- 1904-07-22
- Page
- Seite 422 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 422. Israelitische Wochenschrift. Nr. 30. Merlin, 18. Juli. (Kischinew-Komitee.) Dem vor Kurzem erschienenen Bericht der Verwaltung des Kischinew- Hilfs-Komitees entnehmen wir, daß im Ganzen die Summe von 1 010 343 Rubel für vom Unglück betroffene Juden von Kischinew gespendet worden sind. 728 Städte aus allen Teilen der Welt haben sich an diesen Gaben beteiligt, der größte Teil des gesammelten Geldes kam aus Rußland selbst. 22 Zeitungen hatten Sammlungen zu diesem Zweck veranstaltet und haben insgesamt die Summe von 157 584 Rubel erhalten und an das Komitee abgeführt. Men, 17. Juli. (Vom Zionismus) Das zionistische große Aktionskomitee ist für Dienstag, 16. August, die Jahreskonferenz für den 17. August hierher einberufen. Wien, 17. Juli. (Vom zionistischen Aktionskomitee.) Das zionistische Aktionskomitee wendet sich an seine Anhänger mit nachstehender Kundgebung: „Zionisten! Unser Führer Herz! ist gestorben! Der Schmerz um seinen Verlust ist in unseren Herzen so tief eingegraben, wie die Liebe, die wir für ihn empfunden haben. Der Schwur, der an seinem Grabe geschworen wurde, wir alle haben ihn geschworen. Er war einer der größten und besten Söhne unseres Volkes seit Jahrhunderten. So lange ein Jude auf Erden leben wird, wird Herzls Andenken leben, ruhmvoll und herrlich. In der Gegenwart und in der Zukunft, im Goluth und in Zion wird sein Name Glanz und Ruhm und Ehre bedeuten. Der Führer ist tot, die Bewegung lebt! Wollt ihr den Führer gebührend ehren? Ihr tut es dann am würdigsten, wenn ihr mithelfet, sein begonnenes Werk zu vollenden. Ec hat eine furchtbare Lücke in unserer Bewegung zurückgelassen. Wir müssen alle in die Bresche treten, wir müssen alle unsere Kräfte anspannen, um sie, wenn auch nicht auf einmal, so doch nach und nach auszufüllen. Vor allem muß es unser Streben sein, die von ihm gegründete Bewegung in Einigkeit fortzuführen und zu stärken, die von ihm geschaffenen Jnstimtionen zu fördern und auszugestalten und die von ihm gewiesenen und gebahnten Wege weiterzugehen. Gott helfe uns allen bei diesen Bemühungen! Wir haben bereits das große Aktionskomitee zusammenberufen, um das Datum des nächsten Kongresses festzusetzen. Bis dahin werden wir nach der bewährten Tradition und in Gemäßheit der Kongreßbeschlüsse die Geschäfte weiterführen. Zionisten! Wir erwarten von euch die lebhafteste Unterstützung. Tue jeder seine Pflicht, vor allem aber, Brüder, seid einig, einig, einig! Das Aktionskomitee: Dr. Kahn, Dr. Kokesch, Ing. Kremenezky, Arch. Marmorek." Maris, 17. Juli. (Das Krankenhaus für Augenleidende.) Der verstorbene Baron Alphonse von Rothschild hat bekanntlich neben anderen generösen Stiftungen letztwillig mehrere Millionen Francs zur Begründung eines Krankenhauses und einer Poliklinik für Augenleidende bestimmt, das hauptsächlich für die Aufnahme und Behandlung von Kranken aus den Arbeiterklassen und der ärmeren Bevölkerung dienen soll. Der Bau des neuen Instituts ist so weit vorgeschritten, daß es voraussichtlich zu Anfang des nächsten Jahres der Benutzung übergeben werden kann. Prustet, 17. Juli. (Russische Anleihe.) Das Gerücht von einer großen Anleihe, die die hiesige und Pariser Haute Finance der russischen Regierung angeboten haben soll, wird von gutunterrichteter Seile bestätigt. Das Syndikat französischbelgischer Bankiers hätte sich bereit erklärt, eine 3^2-prozentige Anleihe von 2 Milliarden Francs unterzubringen. Die ganze Summe sollte vor Ende des Jahres in die Staatsbank von St. Petersburg eingezahlt, keinerlei Provision sollte berechnet werden. Die einzige vom Syndikat gestellte Bedingung bestehe in der Forderung, daß die russische Regierung die Gleichberechtigung der Juden mit den übrigen russischen Untertanen auf dem Weg der Gesetzgebung gewährleistet. — Alle diese Angaben sind märchenhafte Erfindungen. St. Petersburg, 17. Juli. (Auswanderung.) Die Auswanderung jüdischer Familien aus den südlichen und westlichen Provinzen hat in den letzten Monaten bedeutend zugenommen. Im vergangenen Jahr sind ungefähr 50 000 Juden aus Rußland ausgewandert, zumeist nach d-n Vereinigten Staaten. Da seit Beginn des Krieges die wirtschaftlichen Verhältnisse in Rußland bedeutend zurückgegangen, »tele Fabriken zum Stillstand gezwungen sind und ihre Arbeiter haben entlassen müssen, ist die Zahl der Arbeitslosen unendlich gestiegen, und es sind viele Familien auf Almosen angewiesen, die sich bisher ohne fremde Hilfe durchgeschlagen haben. Die Folge dieser traurigen Verhältnisse ist eine weitere Steigerung der Auswanderung unter den Juden Rußlands, für das laufende Jahr wird die Zahl der jüdischen Auswanderer auf 100 O00 geschätzt. Einige Leiter jüdischer gemeinnütziger Vereine bemühen sich, die Auswanderung etwas zu organisieren, indem sie Zentralstationen einrichten, wo die Auswanderungslustigen alle erforderlichen Auskünfte erhalten und wo ihnen bei ihrer Uebersiedlung mit Rat und Tat beigestanden wird. Diese Organisation hat vor allem den löblichen Zweck, die Auswanderer vor der Ausbeutung seitens gewissenloser Agenten zu schützen. Bukarest, 15. Juli. (Der Eid „more judaico''.) Die erste Kammer des Obersten Gerichts hat die Entscheidung ausgesprochen, daß die Form der Eidesleistung bei solchen Personen, die nicht der herrschenden Religion angehören, dem Ermessen des jeweiligen Richters überlassen wird. Diese Entscheidung hat die Rechtslage auf diesem Gebiet noch unsicherer gemacht, als sie vorher gewesen. In Botoschani hat der Gerichtshof kürzlich beschlossen, daß die Juden den Zeugeneid nach der allgemein üblichen Form leisten dürften, ohne daß die Anwesenheit eines Rabbiners dabei nötig wäre, aber ein einzelner Richter hat sich für die ihm unterstehenden Fälle diesem Beschluß widersetzt. Ein anderer Richter, Parvulescu in Ploeschti, hat in der Zeitschrift „Curierul Judiciar" offen Stellung gegen den Eid „more judaico" genommen, während der Herausgeber eben dieser Zeitschrift, der Professor Alexandresu von der juristischen Fakultät der Universität Jassy, für die Aufrechterhaltung dieser veralteten und entwürdigenden Form der Eidesleistung eintritt. An vielen Orten haben die Juden selbst den Kampf gegen diese demütigende Eidesform ausgenommen, indem die Gemeindevorstände die Hergabe der Synagoge und die Rabbiner ihre Teilnahme an der Eidesabnahme verweigert haben. In manchen Fällen hat dieses Vorgehen den gewünschten Erfolg gehabt, die Juden haben den Zeugeneid nach der allgemein gütigen Art abgelegt. Vakanzen. Werl. L. u. K., 1200 M. Anfangsgeh. Meld. an Herrn I. Neukircher. — Crossen a. O. Hilfsk. für hohe Feiertage. Meld. an Vorstand. — Gailingen (Baden). Mus. u. sem. geb. orthod. Rel.-L., K., Sch., 1200 Mk. Geh., 800 M. gar. Nebeneink. (ledig). Meld. an Bezirkssynagoge. — Schlochau. L„ K., Sch., Balk., Balt., 1800 M. Geh., fr. W. Meld. an Herrn Isidor Weile. — Oberthulba (Unterfranken). Rel.-L., K., Sch., 600 M. Geh., fr. W. u. Heiz., 300 M. Nebeneink. Meld. an Herrn Abr. Schiff. — Karlsstadt a. M. (Unterfranken). Rel.-L., K., Sch., 700 M. Geh., fr. W., 400 M. Nebeneink. Meld. an Herrn Nathan Süßer. — Wetzlar. Rel.-L. u. K., (ledig) 1000 M. Anfangsgeh., 250 M. Wohnungszusch. Meld. an Herrn Jacob Rosenthal.