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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-07-22 · 30 (22.7.1904) · p. Seite 420

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
30 (22.7.1904)
Date
1904-07-22
Page
Seite 420 (sequence 13)
Language
German
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Seite 420. Israelitische Wochenschrift. Nr. 30. Einnahmen viel zu gering. Eine halbe Million verhungernder und verkonnnender Juden ruft um Arbeit, um Verdienst; darf es da einen: Verein, der sich die Aufgabe gestellt hat, diesen bejammernswerten Menschen Brot zu verschaffen, an Mitteln fehlen? Jede jüdische Kultusgemeinde, jeder jüdische Verein, dessen Satzungen es zulassen, jeder Jude, Inländer oder Ausländer, Mann oder Frau, Jüngling oder Mädchen, muß es als Pflicht erachten, dem Hilfsverein als Mitglied anzugehören: jeder Jude, dem Tatkraft innewohnt, muß sich gedrängt fühlen, falls in seinem Wohnort eine Ortsgruppe schon besteht, im Kreise seiner Verwandten und Freunde neue Mitglieder zu werben, falls aber eine solche Vereinigung noch mangelt, deren Gründung mit aller: Kräften anzustreben. Bei jeder Gelegenheit, sei's eine freudige oder traurige, muß des Hilfsvereins für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien durch Spenden gedacht werden; Zuwendungen in Testamenten sind besonders willkommen. Ur:d nicht bloß Unterstützung durch Geld erwartet der Verein von den jüdischer: Glarlbensgenosser:, sondern auch die Mitteilung von Anregunger: zr:r Einführung neuer Industrien in Galizien. Nur rvenr: alle zusarnrnenwirken, wenn die gesamte Judenschaft mit Rat und Tat an dem großen Werk des Hilfsvereins rnitarbeitet, kann und wird es gelingen, die galizischen Juden einer besserer: Zukunft zuzuführen, zurr: Wohl der gesamten Judenschaft. Der Hilfsverein für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien. Die Vereinsleitung: Siegmund Mayer Gottlieb Lederer Vizepräsidenten. Adolf Baer, Wien. Dr. Max Böhm, Mähr.-Ostrau. Dr. Emil Byk, Lemberg. Prof. Dr. S. Ehrmann, Wien. Dr. Eliasz Fischler, Stanislau. Dr. M. Hammerschlag, Prag. Dr. Leon Horowitz, Krakau. S. Edler von Horowitz, Lemberg. Dr. Joses Jerusalem, Wien. Dr. Adolf Kapralik, Wien. Dr. Edmund Kohn, Wien. Dr. Gustav Kohn, Wien. Kais. Rat Paul Lemberger, Wien. Kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Wien. Dr. Ludwig Lustgarten, Krakau. Dr. Wilhelm Pappenheim, Wien. Adolf Pick, Wien. Dr. Alois Pollak, Wien. Heinrich Pollak, Wien. Dr. Adolf Ringelheim, Tarnow. David Rotter, Wien. Ludwig Samek, Wien. Tr. Theodor Sonnenschein, Troppau. Baurat Wilhelm Stiaßny, Wien. Die Obmänner der Ortsgruppen: Außig: Dr. Wilhelm Wittenberg. Bielitz: Salomon Pollak. Brody: Hermann Landau. Brünn: S. Perlhefter. Budweis: Dr. Gustav Hesky. Friedek-Mistek: Hermann Löw. Gablonz a.N.: Dr. Hern:. Baneth. Hermann-Mestec: Theod. Pokorny. Jglau: Gustav Hellmann. Jungbunzlau: S. Haas. Karlsbad: Ludwig Moser. Komotau: Dr. Karl Thieberger. Kön. Weinberge: Adolf Löwenbach. Krakau: Dr. Hermann Hirsch. Leipa: Dr. I. Krengel. Leitmeritz: Dr. Heinrich Töpfer. Leitmeritz: S. Edler von Horowitz. Linz: Bernhard Taußig. Lobositz: Georg Dubsky. Marienbad: Dr. Josef Steiner. Mähr.-Ostrau: Dr. Max Böhm. Melnik: David Stransky. Nachod: Dr. H. Brody. Olmütz: Dr. Jakob Eben. Pardubitz: Wilhelm Hoch. Pilsen: Dr. Josef Schanzer. Prag: Michael Benies. Reichenberg: Dr. Emil Hosmann. Salzburg: Leopold Siccard. Smichow: Richard Petschek. Stanislau: Kassie! Kiesler. Tarnopol: Dr. Marek Parnaß. Teplitz-Schönau: Felix Bruck. Tesche::: Dr. Joachim Kleinberg. Trautenau: Josef Pfefferkorn. Troppau: Dr. Theod. Sonnenschein. Wien, I-: Dr. Gustav Längstem. Wien, II.: Dr. Wilh. Knöpfmacher. Wien, III.: Dr. Leo Fenichel. Wien, IV.: Dr. Jakob Bauer. Wien, V.: Julius Granichstädten. Wien, VI.: Max Eibuschitz. Die Politik. (Die jüdischen Studentenverbindungen) Die „Kreuzzeitung" schreibt: „An verschiedenen Universitäten und technischen Hochschulen hat sich eine Bewegung gegen konfessionelle Korporationen geltend gemacht. Zun: Teil hat sich das Professorenkolleg zum Verbot wenigstens der katholischen Verbindungen entschlossen. Die katholische Presse ist darüber sehr entrüstet gewesen und hat hier und da es als einen Akt grober Imparität bezeichnet, daß solche Angriffe und Verbote sich nur gegen katholische, nicht aber gegen evangelisch-konfessionelle Korporationen richte. Mit Recht hat dieser Klage gegenüber der Wingolf darauf hiugewiesen, daß er keine konfessionelle Verbindung sei, sondern auch Katholiken unter sich zähle. Trifft das gleiche auch aus die verschiedenen jüdischen Korporationen an unseren Universitäten zu? Wir glauben kaum. Es gibt einen Kartell-Convent (K. C.) der „Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens", wie er sich ausdrücklich nennt; er gibt „unbedingte Satisfaktion", ist vertreten in Berlin (Sprevia, Farben: gelb-weiß-schwarz usw.), Bonn (Rheno-Silesia, Farben: hellblau-gelb-schwarz), Breslau (Thuringia: schwarz-blaurot^, Heidelberg (Bavaria: violett-weiß-gold), München (Lisaria: dunkelgrün-weiß-schwarz). Dazu kommen noch eine Anzahl anderer jüdischer Verbindungen wie in Berlin (Hasmonea), Breslau (Normannia) und anderswo; endlich noch „Vereine" jüdischer Studenten. Unsere liberale Presse war Feuer und Flamme für die Aufhebung konfessionell katholischer Verbindungen. Aber von den jüdischen Korporationen verlautete kein Wort! War dies Schweigen nur begründet in der an und für sich durchaus richtigen Erkenntnis, daß die Juden eben nicht einer Konfession, sondern einer besonderen Religion angehören, oder meinte man gar, es handle sich hier um Verbindung einer besonderen Nation, so würden wir uns darüber freuen. Es entspräche aber gar nicht der üblichen Praxis unserer judoliberalen Presse. Es wird also wohl die bekannte Hochachtung vor den „Stammesgenossen" gewesen sein, denen natürlich alles recht ist, was den Christen nicht billig ist. Auch an der hiesigen Technischen Hochschule soll von den: Ausschuß der Studierenden beantragt sein, gegen die konfessionellen Korporationen bei Rektor und Senat vorstellig zu werden. Wir wissen nicht, ob es an der Technischen Hochschule auch, wie an der Universität, jüdische Verbindungen gibt. Sollte es der Fall sein, so dürste sich der Antrag doch selbstverständlich auch aus sie beziehen. Oder heißt es auch hier: Ja, deutscher Christ, das ist ganz etwas anderes!" Die Untericheidung zwffchen Konfession und Religion ist eine gewöhnliche Narrheit, die bloß deshalb n'cht harmlos ist, weil sie in der Regel zu unsittlichen Zwecken benutzt wird. Den deutschen Juden wäre es nicht zu verargen, wenn sie, angeekelt durch das Treiben des antisemitischen Chauvinismus, sich gewöhnten, ihrem Nationalitätswillen eine andere Richtung zu geben. Wenn Rektor und Senat einer Hochschule konfessionelle Verbindungen nicht dulden wollen, so müssen sie damit beginnen, die Verbindungen nicht zu dulden, die sich negativckonfessionell geberden, d. h. Konfessionen ausschließen. Hat man dazu nicht den Mut, so muß man eben d:e konfessionellen Verbindungen gelten lassen. 'l' (Merkwürdiger Eifer.) Ein jüdischer Mann, Russe von Geburt, der in Posen lebt, war ausgewiesen worden und hatte den begreiflichen Wunsch, aus dem russischen Staatsverband auszutreten und sich als Preuße naturalisieren zu lassen. Er glaubte auf Erfüllung seines Wunsches um so mehr rechnen zu

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