Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 28 (1904)
- Issue
- No. 14. (1904)
- Date
- 1904-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 3)
- Language
- German
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55 an der Tagesordnung und nicht so merkwürdig sind, wie man es auf dem Gebiete der Mischna wollte erscheinen lassen. Allerdings giebt es also noch ergiebige Quellen für Stabreim und Gleichklang. Das veranlaßt mich über meinen Plan hinauszugehen und hier im Voraus einige Wahrnehmungen gleicher Art (Vorbehaltlieh anderweitiger genauer Behandlung) mitzuteilen. Greifen wir zu den älteren Dichtern zurück, die nicht von so kühler Berechnung beherrscht wurden (verzeihen mögen mirs die Horazverehrer!), so lesen wir bei Catull 82: Quinte, si tibi vis oculos debere Catullum, Aut aliud, si quid carius est oculis; Eripere ei noli, multo quod carius illi Est oculis, si quid carius est oculis. Bringt hier die Zuspitzung des Sinngedichts die Anklänge hervor (so auch 91: dispeream nisi amat, dispeream, nisi amo), so steht 97: (dici) pote putide (Vetti), sodann (possis’ culos et crepidas lingere carbatinas; 104: Mentula conatur Pimplaeum scandere montem, Musae furcillis praecipitem ejiciunt.) Wie auffallend! Mentula — montem (Anfangs- und Schlußwort), dann Gegensatz Musae; conatur und scandere zweites und vorletztes Wort; Pimplaeum (nach dem Verseinschnitt des Hexameters), praecipitem (an gleicher Stelle des Pentameters), Mentula hat (93) noch folgendes einzustecken: Mentula moechatur; moechatur Mtntula certe; hoc est quod dicunt: Ipsa olera 011a legit. Diese Verschränkung im Hexameter, dies olera 011a aus dem Volkssprüeh- Worte — das sind bewußte Wirkungsmittel. Der Gegensatz (92) albus an ater; bei Properz (17) quamvis dura, tarnen rara puella fuit bietet in dura und rara einen fast gereimten beabsichtigten Gegensatz. Besonders reich ist Anakreon; da braucht man kaum ZU suchen, 4413—14 xaxa cpöXXov xaxa xX&va xa9־sX0)v xapiro; (5XX)! 141—3 IpaajjuY] ■xsXst«, Tcofrsv tcöÖ-sv itsxaooai; icöfrev . . . (5X0! 3111 ^P^cpoc, 12 ßpsyssÖ-a22—21 ,׳ «vsö-aXTrov ix 03 y«׳'xrj<;, «TCSÖXlßov Ufpov Soup. Höre man 24: cpooiQ xspaxa xaupon; oirXäg 0’ soioxev kuot; 7coou>xt'7]v kaju)01Q, Xioooi yctap.’ ooovxojv, xot; t'yüuaiv xo vrjxxov (viell. xu>v und xov auch als Gleichklang zu betrachten), so hat man den Reim. Noch ersichtlicher, weil nicht so durch die Wortfolge bestimmt, 314 —5 {!epoxaiv?53 cpöXa TOtvxa xsaxca xornj) oajxsvx« (im Ludwigslied und bei Kallir wäre das ein sehr guter Reim). ^3j10t J13X3 piupoiatv xocxaßpiystv uxyjvrjv sao! jjlsXsi poooiaiv xaxaaxscpsiv xaprjva (rjvrjv Und 97]va ist in der Romanze ein genügender Gleichklang) das ist fast durchgereimt! 164 TTpoooö'sls ,avaoxzvaCo), aaxsccavou; oi'ou«; itoxa^o), 9 xpaBtrן xivt oxsicdCw; das sind die Schliißfragen für die 21wischenreihen. Schön klingt (Loblied auf die Rose 51 4—5) xoos xa't &30JV d'yjjxcz, xooa xoX ßpoxuiv ydpr\\w. (ob dahinter nicht noch dyA^a und aüopn« als Gleichklänge gedacht waren?) Ebenso 594-5 b^iac, x<b01; x^aivu! (auch Alliteration), ujieasaxfyot!;xuBamo. Beides doppelt gereimt; außer den Schlußreimen Ö'SWV und ßpoxcüv, >.001ץ<; und axi'yote. Ganz ähnlich wie unser איזהו לקט הנושר בשח הקצירה איזהו פרט הנושר בשעת הבצירה• (Schluß folgt.) Kleidung im biblischen und lalmudischcn Schrifttum. Von I)r. Adolf Kosenzweig, Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlin. (Fortsetzung) 3. Das Zeichen der Männlichkeit und zugleich der Schmuck des Mannes ist der Bart1). Die Verunglimpfung desselben durch Abschneiden war gleichbedeutend mit der Verunglimpfung der männlichen Ehre. Hannun, der König der Ammoniter, schnitt den Boten Davids, um sie zu verhöhnen, den Bart ab, wodurch ein Krieg zwischen Israel und Ammon entstand. Seinen geschorenen Boten aber sagte David, sie sollten in Jericho bleiben, bis ihr Bart wieder gewachsen ist, damit das Zeichen der ihnen angetanen Schmach verwischt werde2). Man unterschied Lang- und Kurzbärtige3), Dünn- und Dickbärtige4). Bei dem Spitzbarte hängen einzelne Bartteile pflockähnlich hernieder5). Der Dünnbärtige galt als klug, der Dickbärtige als töricht. Gewarnt wurde vor denen, die eine Abteilung im Barte haben; der Verschmitztheit solcher ist schwer beizukommen6). Der volle Bart ist das Zeichen der Mannbarkeit7). Als Zeichen der Impotenz werden angegeben: Bartlosigkeit, dünnes Kopfhaar und glatter, haarloser Körper8). Auch Frauenbärte werden erwähnt9). Wie der Bart den Mann ziert, so ist er bei dem Weibe ein Fehler10). 4. In höherem Maße als bei dem männlichen Geschlechte fand die Pflege des Haares von Seiten des weiblichen Beachtung11). Mädchen trugen gerne langwallendes, bis an die Füße reichendes Haar12), auch in Locken und Flechten künstlich geordnet, >) ןקן (Lev. 13, 29) ך־קן (Alter und Bart mit demselben Worte bezeichnet); 'בעל ן, der Bärtige, Sofr. 14,17; גבית ך,ןקן Haare auf dem Kinn, Nidda 23 b; פאת הןקן. die Ecke des Baites, Lev. 19,27. 2) Vgl. 2. Sam. 10,4; Jes. 7,26. 3) Vgl. Tos. Ber. 1,4. ף Sanh. 100 b, יד־לזקן זלדקן; זלדקן קורטמן עברקן סכק vielleicht aber: der fließende Bart; עבדקן der Dickbärtige; zu קורט׳ uDd יסבסן vgt Peries a. a. 0. s. 16. 5) Jeb 80 b. 6) Sanh. 100 b. 7) ינתמלא זקנו J. Succa54a; ידיוקננא b. mez. 39a; חתימת הןקן, Vollendung des Bartes, B. m. 39 b. 8) Jeb. 80b Gegen einen Ebioniten richtet sich wohl Sabb. 152a:;הדרת פנים זקן, שמחת לב אשה, גחלת ד׳ בנים כי־וך המקום שמנעך מכולם• 9) זקן האשה, Neg. 4,10; J. Ket. 31 d, das. auch Frauen- und Männerbrust. «0) J. Ket. 31 d. ״) vgi. 2. k. 9,30: ותיטב את ראשה■ *2) Hhl. 4,1; 5,11; Ez. 16, 9, das lange Haar gehört zu den Reizen des Weibes, 1. Kor. 1,15; vgl. Ket. 66b; die Tochter Nakdimons hüllte sich mit ihren langen Haaren völlig ein.