Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 14. (1904) · p. Seite 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 14. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 54 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/6492408-6582200-9732875--3283-9606185
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

54 spricht, bewährt sich bei Königs Untersuchung nicht Wer kennt einen Stamm Bilha, den Rüben vergewaltigt haben soll? Gibt das nicht Geschichts- Sichtungen in demselben Augenblick, wo man die angebliche Dichtung in die Sprache der Geschichte übersetzen will? Und wenn Benjamin darum der Jüngste sein soll, wenn er sich zuletzt im Lande angesiedelt, weshalb muß die Mutter bei seiner Geburt sterben? Geben doch die Forscher selbst zu, daß z. B. die Gründe, weshalb Abraham der Vater Isaaks und dieser wiederum Jakobs geworden, uns dunkel sind. Sollte man einen vormosaischen Aufenthalt Israels in Palästina des späteren Rechtstitels wegen erdichten? Und weicher Geschichtsgrund würde ohne sichere Ueberlieferung die Gestalt gerade eines Jakob schaffen? Und wenn man die Erzählungen der Genesis Dichtungen nennt (nicht, wie es Herder getan, der Form, sondern des Inhalts wegen, so vergißt man, daß nicht die persönlichen Erlebnisse der Einzelpersonen (Aehnliches findet man auch bei Tacitus), sondern ihre Stellung zur R ligionsgeschichte den Quellen die Hauptsache Dt, und die Darstellung gibt sich nicht als Sage oder Dichtung, sondern als geschichtliche Wahrheit. (Fortsetzung folgt.) Exegetischeu.massoretischeKleinigkeiten. Von Dr. J. Goldschmidt-Offenbach a. M. כמוך und כמוך• In dem bekannten Satze מו כמוך באלים ה׳ מי כמה־־־ נאדר בקדש hat das erste כמיך kein דגש im כ, während das zweite כמיך ein solches דגש hat. Es scheint ganz undenkbar zu sein, daß für diese Verschiedenheiten ein triftiger Grund vorliege. Die Verhältnisse scheinen bei beiden vollständig gleich zu sein: was könnte die Massoreten veranlaßt haben, das erste als י כ das zweite als כ zu lesen? Es ist mir gelungen, bei dieser scheinbar unlösbaren Schwierigkeit wieder zu zeigen, daß die Einheit• des massoretischen Sprachgefühls gar nicht hoch genug ein geschätzt werden kann. Ich darf als bekannt voraussetzen, das die Buchstaben בגדכפת am Anfänge eines Satzes oder Satzteiles stets ein דגש haben, dagegen als Anfangsbuchstabe eines Wortes in der Mitte des Satzes nur dann, wenn das vorhergehende Wort mit einem Konsonanten schließt. Nun schließt das Wort מי vor כמוך in beiden Fällen mit einem Vokale, somit ist das erste כמוך ohne רגש ganz normal, und nur das zweite כמיך mit דגש bedarf der Erklärung. Das erste מי־־כמיך ist mit מקף verbunden, was ganz richtig ist: warum nicht aber auch das zweite? — Der Unterschied liegt in einer außerordentlichen Feinheit der syntaktischen Auffassung. In dem Satze: מי כמוך כאלים ר׳ ist מי Subjekt, ״ כמיךist gleich (1. :! )“ Prädikat. Anders ist es in מיכמוב' לאדר בקדש: da ist מי Subjekt und נאדר Prädikat: ״Wer ist verherrlicht gleich Dir!“ Oder bei Beibehaltung der hebräischen Wortfolge: Wer ist, gleich dir, verherrlicht im Heiligtume? Ebenso bei Auflösung des zusammengezogenen Satzes mit ״ :עושה פלאWer ist, gleich Dir, ein Wundertäter?“ Im Deutschen wird diese syntaktische Stellung des ״gleich Dir“ durch Komma vor und nachher markiert, im hebräischen eben durch das דגש in dem כ des כמוך; dadurch erscheint das כמוך als gelöst von מי und als Bestimmung der Art und Weise von den Prädikaten נאדר und עושה פלא• Das erste מי כמוך ist eben syntaktisch vollständig verschieden vom zweiten. In dem ersten ist Subjekt und Prädikat ימי כמוך beim zweiten ist Subjekt und Prädikat •מי עושה פלא' מי נאדר * ¬ז¬ * מי כה' אלקינו המגביהי לשבת המשפילי לראות בשמים ובארץ (Psalm 113, 5). Das בשמים ובארץ macht hier Schwierigkeit. Man muß בשמים auf המגביהי לשבת und בארץ auf המשפילי לראות beziehen. Es mußte aber in diesem Sinne על הארץ heißen? Wir bekommen aber einen ganz korrekten Sinn, wenn wir, ähnlich wie oben, bei נאדר und יעשה פלא hier ebenfalls das בשמים ובארץ auf מי beziehen, so daß sich folgender Sinn ergiebt: מיבשמים ובארץ כה׳ ״ אלהינוWer ist, im Himmel und auf der Erde, gleich dem Ewigen“ etc. — Daß dies die Auffassung der Maßora war, ergibt sich wiederum aus dem דגש in in dem כ des כה' אלהינו• Nach dem mit Vokal schließenden מי mußten wir hier כה׳ ohne דגש erwarten, wenn dieses syntaktisch das Prädikat zu מי ist. Anders ist es, wenn das Prädikat in בשמים ובארץ enthalten gedacht wird, denn ist כה' אלהינו המגביהי Zwischensatz, also getrennt von ימי und so muß das כ ein דגש haben. Ueber Lautspiele in der Bibel und dem sonstigen jüdischen Schrifttum. (Fortsetzung.) Eine unerwartete Unterstützung ward mir in der Abhandlung zum Jahresbericht der dreizehnten Realschule zu Berlin (1903, Weidmann) ״Dr. Hermann Sachs Alliterationen und Assonanzen in den carmina des Horatius“. Verfasser zählt dieselben zunächst nach der alphabetischen Ordnung auf; nach den Stabreimen die Beispiele der Tonmalerei, der ähnlich anfangenden und endenden Verszeilen oder der gleich beginnenden oder endenden Halbzeilen, wie auch des Einflusses der Arsiswucht. Da finden wir das berühmte dulce et decorum est pro patria mori (d und p), daselbst dulci distinet a domo, dort nunc est bibendum nunc pede libero pulsanda tellus (b und p) und eine Fülle von in die Hunderte sich belaufenden Beispielen. Verfasser führt, wie wir in der Mischna a. a. 0. getan, Alles, was er findet, an; Verschiedenes tritt stärker, anderes weniger stark hervor. Immerhin ist es eine verdienstvolle Arbeit, die da beweist, daß solche Untersuchungen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.