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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1904-01-01 · No. 14. (1904) · p. Seite 56

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
28 (1904)
Issue
No. 14. (1904)
Date
1904-01-01
Page
Seite 56 (sequence 4)
Language
German
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56 in Zöpfen um den Kopf gelegt, oder zu Knoten verschlungen und mit glänzenden Zierraten versehen1). Die Kahlheit des weiblichen Hauptes galt als besonderes Zeichen der Trauer und Erniedrigung, daher ward jenen Töchtern Zions, die voll Hochmut und mit gerecktem Haupte einhergingen, an gedroht: ״der Herr wird kahl machen deren Schläfe“, Jes. 3, 17; es ist die Schmach, die ihnen von dem Feinde angetan werden wird, die Glatze wird an die Stelle des künstlich gedrechselten Lockengehänges treten2). Dem Weibe, das durch sein Benehmen dem Gatten Ursache zur Eifersucht gegeben hat (Num. 5,14), sollte zur Strafe das Haupthaar aufgelöst, d. h. zum Abschneiden bereit gehalten werden; sie hat für ihn, der nicht ihr Gatte ist, ihr Haar geflochten; darum soll es ihr jetzt durch den Priester in Unordnung gebracht werden3). — Frauen wandten verschiedene Mittel an. um das Haar von der Schläfe und anderen Stellen, wo sie es nicht litten, zu entfernen und das Wachstum zu verhindern4). Namentlich wurde hierzu eine nitronhaltige Erde5) gebraucht. Dieses sollte nicht geschehen, kurz bevor sie das Reinigungsbad nahmen, weil das Haar leicht danach ausfällt6). Die Reinigung des Kopfes vor dem Reinigungsbad ward als Einrichtung Esras bezeichnet7). (Fortsetzung folgt.) Litteraturbericht. Recensionen. Jahrbuch der literarischen Gesellschaft. (Sitz: Frankfurt a. M.) 1903—5664, Frankfurt, Kauffmann. 1903. V., 326 S. 10 M. (Schluß.) Von Dr. Lerner-Altona stammt eine Untersuchung über ״Telamdenu Rabbenu“. Er schließt sich gegen neuere Ansichten dem Urteil Zunz’ an, daß Tanchuma, in welcher Gestalt er auch immer vorliege, jünger sei als die Scheeltot, daß 9 2. Kön. 9,30; Jes. 3,24: ימעשה מקשה ironisch für das künstlich gedrechselte Lockengehänge, vgl. Jud. 10,3; קלע, die Haarlocken flechten, Num. r. 9; קלועא, Geflecht der Haare; ימקלעיתא Locke, J. Sota 24c; Joma 47a; J. Sabb. 7d; J. Sanh 23 d. Es wird erzählt, die Frau des R. Akiba habe ihre Haarflechten verkauft, um ihm Mittel zum Studium zu verschaffen; יצמה Locken, Hhl. 4,6; Jes. 47,2; Hhl. r. s. v. הנך יפה Wird צמתך als Haarknoten genommen, vgl. Parchon, s. v. □ינירא ברקא;צמם, צ geflochtener Haarzopf, Sabb. 67 a. 1 а) Vgl. 1. Cor. 11,6; Tacit. Germ. 19. 3) Num. r. 9; zu יפרע v£d• Jalk Lev. 626; vgl M. k. 15a: אין פריעה אלא גדול שער■ 4) יטפל das Haar mittelst Verschönerungsmittel bestreichen, um es zu entfernen, Sabb. 80 b; יטיפול das Bestreichen mit Tinkturen, B. k. 86b; ein Pulver hierzu, ib.; Sabb. 80b: die Töchter der Armen streiften das Haar mit Kalk ab, die Töchter der Reichen mit feinem Mehle; Königinnen brauchten hierzu Myrrhe und Oel, Lev. r. 5; das Haar mittelst Zangen entfernen, Mak. 20 a. 5) Nidda 61b; 62 a; vgl. Sabb. 31a; 50 a. б) Sabb. 31a. 7) Nidda 66 b; יחן־ף den Kopf reiben, um ihn zu reinigen, Nidda 66 b. 1 der halachische Eingang der Predigt keineswegs der unbedingt ältere sei, daß die frühere Amoräerzeit schon agadische Eingänge gekannt habe. Zur Bekräftigung dieser Ansicht führen wir noch an, daß Scheeltot und Halachot GedHoth Bestandteile in sich haben, die älter sind, als der Talmudabschluß; die Scheeltaform fandet sich schon Sabbat 31a vollständig ausgebildet, wogegen die ganze Anlage des Tanchuma dessen Jugend zeigt. Der Band enthält noch zwei die Zeit Diokletians behandelnde Arbeiten Kotteks und Bondis Geschichte R. Jochanan des Amoräers, wie Babylonien am Ende der Tamnaitenzeit von Unna. Diese drei Arbeiten bieten im wesentlichen Halevys Darlegungen gegen Grätz und Frankel dar. Die halachische Seite der Schriftdeutung findet in einem Artikel Biberfelds über אשר ihre Vertretung, die sofort als vortrefflich die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Erwähnen wir noch die äußerst eingehende Geschichte der Sulzbacher Druckereien, die umfangreichste Arbeit des Ganzen, Wreschners Diminutivbildungen im Talmud, die Bambergersche Besprechung der neuen Veröffentlichung aus Mairaunis Mischnakommentar und Sulzbachs Anzeige der diesjährigen Mekize Nirdamim-Schriften, so haben wir ein reichhaltiges Jahrbuch vor uns, dessen Inhalt eine Besprechung kaum im Umrisse anführen kann. Solche Bestrebungen verdienen die stärkste Unterstützung und wir wünschen ihnen die besten Erfolge. Wenn wir einen Wunsch für die Zukunft äußern dürfen, so bestände er darin, daß Halaeha und Bibelwissenschaft einen breiteren Raum bekämen. Der Talmud enthält doch weit mehr, als bloße Jahreszahlen, und die Namen eines R. Jochanan oder eines Rabbenu Tarn schließen eine Fülle halachischen Stoffes in sich, dessen Berührung in den vorliegenden Arbeiten entschiedener hätte sein können. Weshalb nimmt R. Tarn z. B. zwei Amoräer mit Namen Isaak ben Abudimi an? Um nicht Rawa in Raw umwandeln zu müssen. Weshalb teilt er nicht Raschis Ansicht von der Versetzung der Mischnas wegen des ועוף in Bezah? Weil er keine Umsetzungen liebt. Wie denkt R. Tarn sich die Lesart der Scheeltot wegen des איסור חמץ? Wie beurteilt er das קבלנות am Sabbath oder Chol hammoed? Das sind nur einzelne winzige Fragen, die sich wohl anbringen lassen. Desgleichen bei R. Jochanan und seinem Kreise שניהם מקר‘ א׳ דרשו oder הלכה כסתם משנה oder andere Regeln halachischen Abschlusses, halachische Gegensätze zu Simon Ben Lakiscli, z. B. חצי שיעור; übereinstimmende Entscheidungen, z. B. כלאיסורי[ שבתורה etc. Der Talmud ist das Stiefkind unserer Zeit, von seinen Freunden erwartet er seine Ehrenrettung vor der Oeffentlichkeit. Wir verkennen den Wert geschichtlicher Darlegungen nicht, aber sie sind nur das Mittel, nicht der Zweck. Dagegen unterschreiben wir freudig, w as in der Vorrede über den Mangel einer guten Kritik überhaupt gesagt wird. Heute wird man gründlichen und tiefangelegten Werken oft mit drei Zeilen gerecht oder vielmehr nicht gerecht. Nicht umsonst legen wir in dieser Zeitung so großen Wert auf die Besprechung. Wir nehmen keinen Anstand 5׳u erklären, daß sie ein Hauptförderungsmittel der Wissenschaft ist. Mögen der jüdisch-literarischen Gesellschaft noch viele solche Veröffentlichungen vergönnt sein, und mögen dieForscher auf den wichtigsten, leider verwaisten Gebieten daraus Ermutigung und Kräftigung schöpfen. Inhalt der Nummer 14. Wissenschaftliche Aufsätze: Im Kampfe um Bibel und Glauben. (Fortsetzung.) — Exegetische und ma^soretische Kleinigkeiten. — Ueber Lautspiele in der Bibel und dem sonstigen jüdischen Schrifttum. (Fortsetzung.) — Kleidung im biblischen und talmudischen Schrifttum. Von Dr. Adolf Rosenzweig. (Fortsetzung.) — Literaturbericht. Recensionen: Jahrbuch der literarischen Gesellschaft. Verantwortlicher Redakteur: Rabbiner Dr L. A. Rosenthal in Preußisch Stargard. Druck von Arthur Scholem, Berlin.

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