Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 26 (24.6.1904)
- Date
- 1904-06-24
- Page
- Seite 365 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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> Nr. 26 Israelitische Wochenschrift. Seite 366. für diesen Zweck um fünfzehn Mitglieder verstärkt worden, unter denen sich das jüdische Parlamentsmitglied Mr. Stuart Samuel befindet. London, 20. Juni. (Neues I'.r gontheater.) Das projektierte neue Jargontheater wird den Namen „Orienttheater" führen. Seine Direktoren, die Herren Silvermann, Davis, Rosenthal, Foster und Cohen, haben die Absicht, in erster Reihe die ernsthafte Oper zu pflegen, deren Texte vielfach auf biblischen Erzählungen beruhen. Auch leichtere Opern und Dramen werden aufgeführt, aber kein Bühnenstück vulgären Charakters zugelassen werden. Die Darstellung soll auf dem Gebiete eine erstklassige sein, das ganze Unternehmen nach durchaus soliden und ehrenhaften Grundsätzen geleitet werden. Eine Konzession zum Ausschank von Getränken wird von den Behörden voraussichtlich bewilligt werden, weil allgemein bekannt ist, daß die Juden im Genuß geistiger Getränke sehr maßvoll sind. Sollte die Konzession verweigert werden, so wird man sich mit dem Verkauf von Limonade und Kaffee begnügen. Direktor Silvermann hofft auf einen guten Erfolg des geplanten Unternehmens und begründet diese Hoffnung mit der Erfahrung, daß er vor kurzem im Pavillon-Theater einige Nachmittagsvorstellungen eines Jargon-Dramas mit glänzendem Erfolg gegeben hat. Die drei Aufführungen waren von zusammen 6 500 Personen besucht und haben Einnahmen von je 80—100 L. St. gebracht. Manchester, 20. Juni. (Eröffnung des jüdischen Krankenhauses.) Nachdem der lange und unerquickliche Streit innerhalb der hiesigen jüdischen Gemeinde um den Bau eines jüdischen Krankenhauses beziehungsweise den Anbau eines jüdischen Flügels an das städtische Krankenhaus zu gunsten der Errichtung eines eigenen jüdischen Hospitals entschieden worden, sind auch die vorherigen Gegner mit dieser Entscheidung vollständig einverstanden und sind nach Kräften bemüht, daß Zustandekommen des neuen Instituts zu fördern. Man will die Fertigstellung des Neubaus bis zur dritten Juliwoche zu ermöglichen suchen, weil König Eduard um diese Zeit die Stadt Liverpool zu besuchen beabsichtigt. Wird der Aufenthalt des Monarchen in der großen Nachbarschaft sich auf mehrere Tage ausdehnen können, so ist es sehr wahrscheinlich, daß der König unser neues Krankenhaus persönlich zu eröffnen bereit sein wird. Das Krankenhaus enthält in seinem Namen eine Ehrung der verstorbenen Königin; es heißt: Das jüdische Viktoria-Gedächtnis-Krankenhaus zu Manchester. Kokedo, 23. Juni. (Gefährdung.) Hier herrscht zurzeit große Beunruhigung, da das ehemalige Hospital von Santa Cruz, das 1494 bis 1514 von Enriquedo Egas erbaut wurde und bemerkenswerte Einzelheiten aufweist, mit dem Einsturz droht. Auch die Synagoge del Transits, der Cristo de la Luz und das epigraphische Museum gehen dem Untergang entgegen, wenn nichts zu ihrer Erhaltung geschieht. Diese Bauten sind vor Jahren vom Staat übernommen worden mit dem ausdrücklichen Versprechen, für ihre Erhaltung zu sorgen. Personalnachrichten und kleine Mitteilungen. Das Rothschildkrankenhaus in Jerusalem ist kürzlich wieder eröffnet worden. Der neue ärztliche Direktor ist Dr. Michaelowitz; an der Spitze der Verwaltung steht Herr Benchimol. Vakanzen. Jnowrazlaw. Sch., Vorb. und B., 1700 M. Geh. und Nebeneink. Meld. an Vorst. — Kassel. Pred. fürhohe Festt. und Hilfsvorb. Meld. an die Gemeindeältesten. — Wehlau (Ostpr.). Rel.-L., K. und Sch., 1000 M. Eink., circa 300 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. Herrn I. Lehmann. — Duisburg. Rabbiner. Meld. an Vorst. — Wollstein. Gepr. Rel.-L., K., Sch. u. B., 1400 M. Geh., fr. W., 600—700 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. — Krotoschin. Mus. geb. K., Sch., Rel.-L., 3000 M. Eink. Meld. an Vorst. — Culm. (Westpr.), Hilfsk. für hohe Festt., 150 M. Geh. Meld. an Vorst. — Eberstadt bei Darmstadt. Rel.-L., Vorb. und Sch., 800 M. Geh., 300—400 M. Nebeneink. Meld. an Vorst. Herrn Max Kahn. — Landau (Pfalz). Hilfsvorb. für hohe Festt. Meld. an Herrn Salomon Marx. Feuilleton. Lin Irauenleben. Biographischer Roman von C. Berg. (Fortsetzung.) Vielleicht hatte ich Unrecht, dachte sie; wenn ich fügsamer, demütiger gewesen wäre, ständen mir meine Mutter, meine Schwester jetzt nicht fremd entgegen; nun muß ich ihre Liebe auf's Neue erwerben und komme zu ihnen auf Umwegen wie ein Eindringling. . . . Der elterliche Garten sah recht verwahrlost aus, schlecht gepflegt und verwildert, als hatte auch er unter der Verarmung seiner Besitzer zu leiden. Nun stand Postel am Haus. Jeder Ankömmling mußte das Kontor durchschreiten. Die Tür war angelehnt. Sie trat schnell ein. Das Zimmer war leer. Das war Postel lieb: um nichts in der Welt hätte sie dem Stiefvater zuerst begegnen mögen. Als nächster Raum schloß sich das Prunkzimmer, „die gute Stube", an. Diese dehnte sich beträchtlich mehr lang als breit; sie war das Einzige im Haus, das von dem Glanz früherer Herrlichkeit noch^Zeugnis gatz^'Di^seidenerr~ Sessel und Stühle, die guten Bilder, das Klavier, die goldenen Spiegel, die Portieren, alles hatte noch Posthumas Vater gekauft; selbst die reizende Meißner-Jardiniere, ein Geschenk Emils für Babette, stand noch am alten Platz. Postel erinnerte sich deutlich, wie oft sie als Kind die feine Porzellanmalerei bewundert hatte, und sie ärgerte sich, daß der schöne Blumentisch jetzt abscheuliche Kunstpflanzen mit unmöglichen Blüten trug. Lili liebte natürliche Blumen nicht, deren Pflege ihr zu viel Mühe machte. Aber auch in der „guten Stube" war kein Mensch zu sehen. Postel fragte sich ungeduldig: „Schlafen sie denn alle? Bin ich hier in Dornröschens Schloß?" Nun hört sie aber doch Schritte — das schwere Auftreten von Männerstiefeln, ein schleppender, salopper Gang, daneben huscht es wie sehr schmale Mädchenfüße. Das ist Papa und Lili, denkt Posthuma, und verbirgt sich, um Herz für's erste auszuweichen, hinter einer Portiere in der Fensternische. Die Tür geht auf — herein treten Arm in Arm Robinsohn und Lili. Noch ahnt Postel nichts böses, denn Robinsohn, bleich und elend aussehend, geht wie einer, der gestützt werden muß. Er läßt sich, schwach aufstöhnend, in einen Sessel fallen. Postel will ihm entgegenstürzen und bleibt doch in der nächsten Sekunde wie gebannt in ihrem Versteck. . . . Was fällt Lili ein, ihre Arme um Jaques Hals zu legen? Dabei ruft sie einmal ums andere: „Liebster! Bester! Hast du dein Bräutchen auch wirklich lieb?" Und sie küßte ihn so rasend, daß es der Lauscherin das Blut vom Herzen treibt und ein widerliches Gefühl, schlimmer als Ekel, ihr den Hals verschnürt. „Ja", antwortet Robinsohn mit mattem Lächeln, „nun glaube es mir endlich, ich liebe dich."