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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-06-24 · 26 (24.6.1904) · p. Seite 364

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
Seite 364 (sequence 12)
Language
German
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Seite 364. Israelitische Wochenschrift. Nr. 26. humoristische Vorträge gehalten wurden. Die Beteiligung war groß, und die Gäste dankten dem Verein herzlich für das Fest, das dem Verein eine Anzahl neuer Mitglieder zuführte. Werlin, 22. Juni. (Geschäftsbericht.) Der Hilfsverband der deutschen Juden versendet jetzt seinen Geschäftsbericht, der bei der im März stattgehabten Generalversammlung von Herrn Dr. Paul Nathan erstattet worden ist. Der Verein hat am Schluß des letzten Jahres fast die doppelte Mitgliederzahl gegen das Vorjahr erreicht. 5900 Mitglieder zählt er jetzt, und die Einnahmen erreichten eine Höhe von 950 000 Mark. Allerdings muß dabei in Betracht gezogen werden, daß die Hilfsaktion für Kischinew und Homel besondere Anforderungen an den Verein stellte und daß deshalb einige Gönner, unter ihnen besonders die Bne Brith - Logen, mehr als sonst wohl gespendet haben. Die verschiedenen Provinzial- und Lokalkomitees haben eifrig und mit Erfolg für die Zwecke des Hilfsvereins gewirkt. Diese umfaßten im letzten Jahr die Hilfeleistung für Juden in der Türkei, Rußland, Galizien Und Rumänien. In Rußland erforderten die Katastrophen in Kischinew und Homel große Geldmittel, die reichlich von allen Vereinen gegeben wurden, außerdem eine starke Tätigkeit in diesen Städten, um die plötzliche Auswanderung der Bedrängten zu verhindern, und an der Grenze, um den Flüchtlingen die Möglichkeit zum Fortkommen zu gewähren. In Galizien galt die Hauptarbeit der Bekämpfung des Mädchenhandels. Ein Verein zum Schutz jüdischer Frauen und Mädchen wurde dort gegründet. In Rumänien und in der Türkei sind die jüdischen Schulen durch namhafte Mittel unterstützt worden. Auch zur Hebung der Hausindustrie der osteuropäischen Juden ist viel getan worden. Im letzten Jahr fielen dem Hilfsverein 300000 Mark als Stiftung der Baronin von Kohn-Oppenheim zu. Irankfurt a. M., 22. Juni. (Verein Lemaan Zion.) Der Verein Lemaan Zion (Palästinensischer Hilfsverein) erzählt in seinem 16. Bericht von der letztjährigen Tätigkeit in Palästina. Cholerakranke wurden durch ärztliche Hilfe und Kohlenlieferung unterstützt, außerdem über 27 000 Kranke behandelt. Lehrgeld und Subventionen für Unterricht wurde gewährt, auch der neue hebräische Kindergarten erhielt eine Subvention. Verschiedene junge Leute wurden in Europa auf Kosten des Vereins ausgebildet. Die Anschaffung einer Maschine, die die Juden Jerusalems mit Eis versorgen soll, war noch nicht möglich, weil die vorhandenen Mittel nicht reichten. Das Jerusalemer Lokalkomitee hat in diesem Jahr an der Arbeit viel mitgetan, und einige Mitglieder sollen jetzt an der Verwaltung des Vereins teilnehmen. Lehnih (Mark), 19. Juni. (Genesungsheim.) Am 13. d. Mts. fand im Genesungsheim zu Lehnitz die ordentliche Mitglieder-Versammlung des Vereins „Jüdisches Genesungsheim" unter Leitung des Herrn Martin Simon statt. Aus dem erstatteten Geschäftsbericht pro 1903 geht hervor, daß 358 weibliche Pfleglinge für durchschnittlich 4 Wochen Aufnahme in dem Heim gefunden hatten und daß die erzielten Erfolge durchweg gute waren. Die aus dem Vorstand ausscheidenden Herren Dr. Feilchenfeld, Hugo Heilmann, Prof. Dr. Lazarus, M. Metzenberg, Emil Pincus, sowie die Damen Frau Dr. Frankl, Frau Franziska Ginsberg, Frau Rosa Sachs wurden einstimmig wiedergewählt. Zu Revisoren wurden die Herren Kommerzienrat Heinrich Buchholz, Oskar Rathenau, Gustav Sachs durch Zuruf wiedergewählt. In der sich an die Versammlung satzungsgemäß anschließenden konstituierenden Vorstands-Sitzung wurden zum Vorsitzenden Herr Martin Simon, zu dessen Stellvertreter Herr Louis Sachs, zur Schriftführerin Frau Dr. Frankl, zu deren Stellvertreterin Frau Hermine Rathenau, zum Schatzmeister Herr Emil Pincus, zu dessen Stellvertreter Herr H. Witkowski wiedergewählt. Außer den Mitgliedern nahmen an dem durch schönstes Wetter begünstigten Ausflug nach Lehnitz viele Freunde und Gönner des Vereins teil, die nach Erledigung der geschäftlichen Obliegenheilen eine Besichtigung des Hauses Vornahmen. Die Verwaltung hatte für Bewirtung der Gäste gesorgt, die bis zum späten Abend beisammenblieben. Allen Teilnehmern wurde deutlich, daß durch die Schöpfung an den Ufern des schönen Lehnitzsees eine segensreiche Institution ins Leben gerufen worden ist, die einer großen Anzahl von Frauen und Mädchen Gelegenheit gibt, ihre Gesundheit zu kräftigen und ihre Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder wiederzuerlangen. Ahkem, 21. Jutü. (Gedächtnisfeier.) Für den verewigten Alphons Jaeobsön witd ani 26. d. Mts. in der israelitischen Erziehungs-Anstalt zu Ahlem eine Gedächtnisfeier abgehackten werden. Herr Alphons Jacobson hat s. Zt. in Gemeinschaft mit Konsul Simon die Anstalt begründet, und ohne Jacobsons tatkräftiges Eingreifen wäre sie kaum zu der heutigen Blüte gelangt. Im Anschluß an die Feier findet eine Besichtigung der Anstalt stattuüd an diese schließt sich ein einfaches, gemeinschaftliches Mahl in der Anstalt, so daß die auswärtigen Gäste ohne weiteren Aufenthalt in Hannover zurückfahren können. Die Anstalt ist von der in der Nähe des Bahnhofs gelegenen Georgenstraße aus mit der Straßenbahn in 25 Minuten bequem zu erreichen; an der Endstation der Straßenbahn sichert Wagen der Anstaltdie die ängekömmenen Gäste weiter befördern. Es ist der Anstalt erwünscht, wenn diejenigen, die an der Feier teilnehmen wollen, dies dem Vorstand baldigst mitteilen, da entsprechende Vorbereitungen getroffen werden müssen, weck der Besuch voraussichtlich ein sehr reger sein wird. Wremen, 20. Juni. (Ergänzung.) Wir erhalten aus Bremen folgende Zuschrift: Der Artikel über rituelle Verpflegung von Zwischendeckspaffagieren, der kürzlich in dieser Zeitung veröffentlicht wurde, gibt mir Veranlassung, folgendes ergänzend hinzuzusügen: An erster Stelle muß hier der Norddeutsche Lloyd genannt werden, der bereits vor zwei Jahren auf seinen sämtlichen Schiffen den Zwischendeckspassagieren, entsprechend den Anordnungen des hiesigen Herrn Rabbiners Dr. Rosenak, "itSO Kost verabfolgen läßt. Herr Rabbiner Dr. Rosenak war es nämlich, der s. Zt. die erste Anregung dazu gab und dem daher. Dank dem freundlichen Entgegenkommen deS Norddeutschen Lloyd, auch indirekt das Verdienst zufällt, daß die Hamburg- Amerikalinie nach dem Muster des Norddeutschen Lloyd diese Einrichtung getroffen hat. Ich behalte mir vor, in einem speziellen Artikel eine Schilderung von der Verpflegung jüdischer Passagiere zu geben, möchte aber doch jetzt schon darauf Hinweisen, daß nicht nur den Zwischendeckspassagieren, sondern auch Kajütspassagieren auf den Dampfern des Norddeutschen Lloyd hinreichend Gelegenheit geboten ist, rituell zu leben, so^ fern die Paffagiere einen Tag vor der Abreise oder beim Lösen der Schiffskarte einen dahingehenden Wunsch äußern. Für Kajütspassagiere gibt es ohne irgendwelche Preiserhöhung “lt&O Fleischkonserven und wenn angängig sogar frisches rituelles Fleisch, das mit dem Rabbinatssiegel versehen in den vorzüglichen Kühlräumen der Lloydschiffe zur Verfügung der Passagiere ist. Soviel uns bekannt, liefert die Paketfahrt zwar auch Konserven, aber nur gegen besondere Zahlung. Immerhin sind diese Einrichtungen im Interesse der gesetzestreuen jüdischen Reisenden mit aufrichtiger Freude zu begrüßen. London, 19. Juni. (Einwanderungsgesetz.) Die ständige Kommission, der auf Antrag des Ministers des Innern das Einwanderungsgesetz zur Beratung überwiesen wortzen, ist

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