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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-06-24 · 26 (24.6.1904) · p. Seite 357

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
26 (24.6.1904)
Date
1904-06-24
Page
Seite 357 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26. Israelitische Wochenschrift. Seite 367. Dies im Zusammenhang zu verfolgen, müßte zum Gegenstand einer größeren Arbeit gemacht werden. Im folgenden sollen nur einige Beispiele biblischen Einflusses auf die Ausgestaltung der Alexanderlegenden aufgezeigt werden, nachdem Wünsche und Mücke in lehrreichen Monographien neues Licht über die Entstehung dieser Mythengruppe verbreitet haben. So erinnert die Sage, die Alexanders Weisheit durch die Königin des Ostens auf die Probe gestellt werden läßt, an die Erzählung 1. Könige 10 vom Besuch der Königin von Saba bei Saloutö und ihrer Prüfung des Königs durch Rätselfragett. Diese Rätsel sind in der Bibel nicht mitgeteilt, aber die spätere jüdische Volkssage hat das dankbare Thema weiter ausgesponnen. Einen literarischen Niederschlag dieser Legendendichtung haben tvir in dem Wilkisroman des Koran, wo sich bekanntlich viel jüdisches Sagengut findet. Hoch deutlicher zeigt folgendes Motiv biblischen Einfluß. Semiramis wird vom König ihrem Mann abgejagt, dieser wird getötet, während die Frau den Thronerbe« gebiert. Es ist die Geschichte von David und Batseba, der Mutter des Salomo, die hier nachwirkt. Bei Ktesias merkt man noch, wie schwierig es den Legendenmachern wurde, den Tod des Gatten zu motivieren, nachdem man vom Üriasbrief, den die biblische Vorlage bot, aus irgendwelchen Gründen abzügsheN sich genötigt sah. Delitzsch und seine näheren Fachgenossen leben der Hoffnung, den Stoff der Batsebageschichte noch eines Tages auf den Keilinschrifttafeln zu finden, um den kuriosen Einfall Mückes zu beweisen, Batsebü mit der babylonischen Göttin Jstar zu identifizieren, die ihren Männern Tod bringt. Freilich, wenigstens in bezug auf David hat die Batseba sich nicht als todbringend erwiesen, und so schwindet die ersehnte Analogie ganz dahin. Mit nicht kräftigeren Beweisen hat Gunkel in seinem „Schöpfung und Chaos in Urzeit und Endzeit" dargetan, daß die biblischen Autoren mit direkter literarischer Benutzung babylonischer Vorlagen gearbeitet haben. Im Stil dieser modernen Jdentifizierungssehnsucht ließe sich die Tochter der Semiramis, Sosane, mit der biblisch-apokryphischen Susanna, der keuschen, zusammenstellen, wie es von Mücke tatsächlich geschieht, in dem die hebräische Namensform „Lilie fWHy" als Volksetymologie abgetan wird. Noch ein fernerer Zug aus der Lebensgeschichte Davids scheint auf Alexander übertragen worden zu sein: Auf dem Wüstenmarsch durch Gedrosien schüttet Alexander den von einigen Soldaten zur Zeit furchtbarsten Wassermangels gebrachten Trunk aus, um vor feinem Heer nichts vorauszuhaben, ganz so wie David im Philisterkampf das ihm von seinen Kriegern überbrachte Wasser ausgießt, um es dem Ewigen zu weihen. Zwölf Altäre läßt Alexander am Ufer des Hyphasis errichten, wie die Gedenksteine, die von den Kindern Israel am Jordanfluß aufgeschichtet wurden. Gunkel sieht auch hierin babylonischen Einfluß, es seien die zwölf Tierbilder, die Bel nach der Scheidung des Wassers vom Trockenen eingesetzt habe. Der hellenisierte Orient hat Gefallen gefunden, den Zug Alexanders immer phantastischer auszuschmücken und auf ihn alle möglichen Sagen und Legenden zu übertragen. Es war eben die Gestalt, die am meisten das Gemüt der alten Kulturmenschheit erschüttert hatte. Da nun die Juden in der hellenistischen Welt keine geringe Rolle gespielt haben, so ist es keineswegs unwahrscheinlich, jüdische Einflüsse bei der Sagenbildung über den Alexanderzug anzunehmen. Sorgfältige Studien in Lucians und Ktesias' Berichten werden noch manchen Beitrag zu dieser Behauptung liefern. In der späteren heidnischhellenistischen Literatur finde ich jüdische Einwirkungen, wo man sie kaum vermutet, so bei Dion aus Prusa, der jahrelang ein unstätes Wanderleben geführt hat, im schäbigen Mantel Sittenpredigten hielt und voll Freimut die Schäden der Gesellschaft geißelte, und den unter der glänzenden Außenseite verborgenen Verfall erkannte. Die Erlebnisse jenes Flüchtlmgslebens hat er in einer Erzählung voller Romantik niedergelegt. So huldigt er dem jüdischen Verbot des Rasierens, er nennt diese Sitte des Bartabnehmens, die von Alexander bis Hadrian galt, eine naturwidrige Verstümmelung. Dr. B. AimikanW Aniiskmitku-Schmerrk». Von Zeit zu Zeit läßt sich die „Kreuzzeitung" aus Newyork Briefe schicken, in denen Amerika gegenüber ungefähr der Ton angeschlagen wird, der der sogenannten Jingo-Presse Amerikas Deutschland gegenüber geläufig ist. Präsident Roosevelt kommt darin regelmäßig schlecht fort, ebenso die Juden, denen unbedingt ein beträchtlicher Teil des Briefes gewidmet wird. Das ist nicht gefährlich, ganz und gar nicht, unter Umständen sogar ganz lehrreich. Die neueste Newyorker Briefoffenbarung der „Kreuzzeitung" scheint uns in dem Teil, der von den Juden handelt, der Wiedergabe wert. Wir lassen ihn hier folgen: „Tag für Tag füllen die deutschamerikanischen Blätter ihre Spalten mit den heftigsten Angriffen wider die Einwanderungsbehörden, deren „Roheit" und „Grausamkeit" in der Behandlung armer oder kränklicher Einwanderer sie im übelsten Licht schildern. Von den Anklagen ist sicher vieles wahr, ohne daß man deshalb die Beamten gerade für abgefeimte Hallunken zu halten braucht. Der Präsident pflegt diese Beamten mit Vorliebe den Gewerkschaftsführern der Arbeiter zu entnehmen. Daß bic Arbeiter die ganze Einwanderung tätlich hassen, bedarf keines Beweises. Der bessere amerikanische Arbeiter ist an einen Tageslohn von zwanzig Mark gewöhnt und will als „Gentleman^ leben; kein Wunder also, daß er die europäischen „Lohndrücker" verachtet, besonders die Italiener und die Slawen, die ihre Arbeitsleistung für drei Mark täglich und darunter verkaufen. Das Jahr 1904 ist ein Präsidentenjahr, heuer werden also in Rücksicht auf das „Arbeitervotum" die Einwanderungsbeschränkungen besonders rigoros sein. Im nächsten Jahr läßt man die Zügel dann lockerer, aber wenn man jetzt alle Einwanderer hineinließe, würden die meisten Arbeiter nicht für Roosevelt stimmen. Die Einwanderungsfrage gilt hier als die wichtigste aller politischen Fragen. Prinzipiell ist jedermann für die „offeneTür", aber praktisch strebt man nach den „reaktionärsten" und strengsten Einschränkungen, um die Konkurrenten auszuschließen. In diesem Fall sind die wahren Vertreter der „Freiheit" unter den Großkapitalisten und Großindustriellen zu suchen. Nur sie zeigen sich ganz weitherzig, indem sie jedermann zulassen wollen; leider aber nicht aus Edelmut und wahrem „Egalitätssinn", sondern aus Eigennutz, denn die Einwanderung schafft ihnen „billige Hände". Am „reaktionärsten" (wie der deutsche Liberale sich ausdrückt) zeigt sich der Arbeiter. Von den politischen Parteien sind die Demokraten für freie Einwanderung, die Republikaner für Einschränkung, aber auch diese Stellungnahme macht die Demokraten nicht sehr beliebt, besonders nicht bei den Arbeitern. Man sollte annehmen, daß wenigstens die Eingewanderten sich der Demokratie dankbar erweisen würden, indem sie sie unterstützten; aber in diesem Fall zeigt sich so recht der menschliche Egoismus. Gerade viele Eingewanderte

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