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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · p. Seite 309

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
Seite 309 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 22 Israelitische Wochenschrift. Seite 309 Besseren könne dann nicht ausbleiben. Im weiteren Verlauf des Festes toastete Herr Kantor Schönberger-Potsdam auf den Kantorcnstand und betonte, daß vom Kantor unter allen Umständen auch eine umfassende Allgemeinbildung verlangt werden müsse. Herr Kantor Dubowsk i-Berlin gab dem Wunsche für einen glücklichen Fortbestand der Hilfskasse Ausdruck, während Herr Kantor Kali sch er-Berlin der großen Verdienste des Herrn Musikdirektors Bloch gedachte. In humorvollen Versen rekapitulierte sodann Herr Kantor Sarasohn-Stettin die Ereignisse des Tages und feierte das verdienstvolle Präsidium. Den Reigen der offiziellen Toaste beschloß Herr Kantor Zivi- Elberfeld. Sein Hoch galt dem Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin. Es gelangte nunmehr ein von Kantor Kalischer-Berlin auf die Melodie des Sulzer'schen Adön olom gedichtetes, schwungvolles Festlied zum Vortrag, welches großen Beifall fand. Erst lange nach Mitternacht trennte man sich in dem Bewußtsein, ein selten schönes Fest gefeiert zu haben. Wertin, 22. Mai. (Das neue jüdische Krankenhaus.) In der letzten Sitzung der Stadtverordneten ist von dem Neubau des jüdischen Krankenhauses gesprochen worden. Der Vorstand der Gemeinde hat sich mit der Bitte an den Magistrat gewendet, ihm zu diesem Zweck ein an der Schulstraße, der Exerzierstraße und der Straße 67 belegenes städtisches Grundstück von etwa 2 Hektar 80 Ar 85 Quadratmetern zu verkaufen. Der Magistrat empfiehlt den Verkauf zum Preise von 35 M. pro Quadratmeter. Werkin, 17. Mai. (Ordentl. Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte.) Am 25. April fand die Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte statt. Der Vorsitzende, Kantor Friedmann-Berlin, eröffnete die Sitzung, begrüßte die Erschienenen und feierte Salomon Sulzer — dessen Andenken anläßlich seines 100. Geburtstages am vorhergegangenen Tage durch ein Synagogenkonzert gefeiert worden war — und Lewandowski, dessen Verdienste als Komponist und Begründer der „Hilfskasse" er in ehrenden Worten würdigte. Er teilte sodann mit, daß die „Hilfskasse" in das Vereinsregister eingetragen worden sei. Nach seinem Ueberblick über die Tätigkeit des Vorstandes im verflossenen Vereinsjahre erstattete Schatzmeister Benjamin den Rechenschaftsbericht. Ueber die Aufnahme über 40 Jahre alter Mitglieder kommt es zu einer längeren Debatte. Oswald-Posen bittet, Mitglieder bis zum Alter von 56 Jahren aufzunehmen. Man könne den Mitgliedsbeitrag erhöhen und, wie es die Rabbiner getan, die Wohltätigkeit von Privatleuten in Anspruch nehmen. Justizrat Dr. Stern beantragt die Aufnahme folgender Bestimmung: „Der Vorstand ist berechtigt, auch Personen, welche das 40. Lebensjahr überschritten haben, als Mitglieder aufzunehmen, wenn von deren Mitgliedschaft eine besondere Förderung der Interessen der Kasse zu erwarten ist". Man einigte sich dahin, die Angelegenheit einer später einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung zur Beschlußfassung vorzulegen. Weiterhin beantragt Gold-Samter, mit Rücksicht auf die vielfach unsicheren Existenzverhältnisse der Kultusbeamten Gründung einer Reliktenkasse. Justizrat Dr. Stern weist auf die finanzielle Schwierigkeit einer solchen Gründung hin, zu der bedeutende Mittel gehörten. Zur Gewinnung des Interesses weiterer Kreise sollten mehr auswärtige Mitglieder in den Vorstand ausgenommen und ihnen zur Ermöglichung der Teilnahme an den Sitzungen eventuell Reisezuschüsse gewährt werden. Die Wahl des Vorstandes ergab die Wiederwahl der Herren Friedmann, Schönberger, Kalischer, Dubowski, Epstein, Lewit und Benjamin. Neugewählt wurden Rosenthal und Kirschner. Wertin, 22. Mai. (Tod des Schriftstellers Paul Hirschfeld.) Am 19. Mai ist der Schriftsteller Paul Hirschfeld einem Schlaganfall erlegen, der ihn wenige Tage vorher getroffen hatte. Der Dahingeschiedene würde am 20. d. M. das 57. Lebensjahr vollendet haben. In hiesigen Schriftstellerkreisen war Paul Hirschfeld wegen seiner großen persönlichen Liebenswürdigkeit und wegen seiner steten Hilfsbereitschaft gegen alle, denen er förderlich sein konnte, außerordentlich beliebt. Hirschfeld, ein geborener Königsberger, lebte seit Anfang der siebziger Jahre in Berlin. Während der letzten beiden Jahrzehnte beschäftigte er sich ganz besonders mit Studien über Entwicklung und Stand der Großindustrie und des Großhandels in Deutschland. Im Interesse dieser Studien machte er ausgedehnte Reisen durch einen großen Teil Deutschlands. Sein Hauptwerk ist die groß angelegte Darstellung von Berlins Großindustrie. Andere Werke Hirschfelds handeln über die Großindustrie und den Großhandel Württembergs, Hannovers, Schleswig-Holsteins und Leipzigs. Der Nebenertrag dieser Reisen war eine längere Reihe kleinerer Neiseschilderungen, die Hirschfeld in Tagesblättern und Zeitschriften veröffentlichte. Auch ini Verein Berliner Presse, dem er lange Jahre hindurch angehörte, entfaltete der Verstorbene eine rege Tätigkeit, wie er überhaupt an allen Standesfragen der Schriftstellerwelt stets das lebhafteste Interesse bekundete. — Die Beisetzung Paul Hirschfelds fand Sonntag nachmittag 2 Uhr von der Leichenhalle des Jüdischen Friedhofs in Weißensee aus statt. Leipzig, 23. Mai. (Alphons Jacobson.) Die Leiche des vor einigen Wochen auf einer Reise in New Jork verstorbenen Alphons Jacobson ist hierher überführt worden und wird am Donnerstag auf dem hiesigen Friedhof der Erde übergeben werden. Der Verstorbene, der Ehrenmitglied unserer israelitischen Religionsgemeinde gewesen, hat einen großen Teil seines arbeitsreichen Lebens der Wohlfahrt seiner Glaubensgenossen gewidmet; er war eines der tätigsten Mitglieder der großen jüdischen Wohlfahrtsinstitute und hat auch im Kleinen und Einzelnen nach Kräften Gutes gewirkt. Eine Gedächtnisfeier für den allseitig Betrauerten findet am Samstag den 28. Mai im Anschluß an den Vormittagsgottesdienst in der Hauptsynagoge statt. Krankfurt a. W., 13. Mai. (Jüdisch-literarische Gesellschaft.) Gestern fand hier im Hotel Neuhof die erste Mitgliederversammlung der Jüdisch-literarischen Gesellschaft statt. Die zahlreich erschienenen Mitglieder nahmen mit großer Befriedigung den vom Vorsitzenden, Herrn Direktor Lange, erstatteten Geschäftsbericht entgegen, aus dem wir folgendes hervorheben: Die Gesellschaft wurde im Januar 1902 konstituiert und hat sogleich eine vielseitige Tätigkeit begonnen. Sie hat namhafte Subventionen an Gelehrte verteilt, um diese in den Stand zu setzen, ungestört ihren wissenschaftlichen Arbeiten leben zu können, anderen durch Gewährung von Beihilfen die Drucklegung ihrer Werke, die eine Förderung der jüdischen Wissenschaft bedeuten, ermöglicht und erleichtert. Das anfangs dieses Jahres erschienene Jahrbuch hat in der inländischen und ausländischen Presse zustimmende und anerkennende Beurteilungen erfahren. Die als Lösung der Preisaufgaben eingereichten Arbeiten konnten leider nicht als befriedigend anerkannt und preisgekrönt werden, der Vorstand hat vielmehr eine Verlängerung der Einlieferungsfrist beschlossen und wird demnächst Näheres darüber veröffentlichen. Im ver-

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