Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 22 (27.5.1904)
- Date
- 1904-05-27
- Page
- Seite 306 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 306. Israelitische Wochenschrift. dir. 22. ad 2) Die Plagiatoren haben immer Pech gehabt, sonst würden sie nicht erkannt werden, und so hat auch Herr Cohen Pech. Denn nur zufällig war er auf meinen mn Obll-Zetteln verzeichnet, sonst hätte ich ihm die Heimzahlung garnicht angekündigt. ad 3) Bei uns klopft man nur dem auf die Finger, der sich vergreift, d. h. an fremdem Eigentum vergreift, und da ich mich nicht vergriffen habe, kann er 1883 nicht mir auf die Finger geklopft, sondern nur sich verteidigt haben. Denn 1883 habe ich in den Nummern 41, 42, 43 der Zeitschrift „Der jüd. Kantor" (herausgegeben von Kantor Blaustein in Bromberg) meine Briefe an ihn unter dem Titel: „Briefe aus Königsberg" veröffentlicht, um nachzuweisen, daß er sie fast wörtlich in seinem „Vortrag" abgeschrieben (u. zwar im Jewish Chronicle 1883, Nr. 750/51, S. 12). Um es dem Leser klar vor die Augen zu führen, ließ ich seinen „Vortrag", von einem guten Engländer übersetzt, folgen, und zwar in Nr. 44, 45, 47 desselben Jahrgangs und in Nr. 1 und 2 des folgenden (1884). Daß ich damals nur von „Schmuggel" sprach, sollte mir Herr Cohen nicht zum Vorwurf machen: ich schonte ihn, weil ich ihn für verbesserlich hielt, sah mich aber gezwungen, mein Eigentum zu reklamieren. Darauf muß einmal jeder Plagiator gefaßt sein. Ich muß hier den Grundsatz aufstellen, daß, sobald Herr Cohen irgend einen Namen, ein Quellenwerk nennt und eine Schlußfolgerung daran knüpft, und Name, Werk und Schlußfolgerung auch irgendwo in meinen Aufsätzen Vorkommen (zumal in den „Briefen aus Königsberg"), er alles mir nachgeschrieben hat. Dies gilt sowohl von den Neginoth, als auch von Haggadah- und Chanuka-Melodien, wie überhaupt von allem, was Synagogenmusik betrifft, und das nicht nur von dem, was ich bis dahin, sondern bis zur Gegenwart geschrieben habe. Nie aber umgekehrt, daß ich jemals einen Gedanken von ihm entlehnt hätte. ad 4) Daß ich nicht von Kol nidre gesprochen haben kann, wo in der Enzyklopädie von Kol rinnah die Rede ist, ist ja selbstverständlich, denn man braucht ja nur die Enzyklopädie nachzuschlagen, um es zu wissen, daß a. a. O. Kol nidre garnicht als „synagogalmusikalisches Werk" aufgesührt ist. Ferner ist dieser Passus selbstredend nicht an ihn gerichtet, da er dort wunderbarer Weise garnicht genannt wird und also auch nicht mit seinen „sämtlichen Werken" figuriert. Ich mochte aber den Namen des betreffenden alten Kollegen nicht bloßstellen und überließ es vielmehr den Interessenten, den Namen, der nun von ihm genannt wurde, an Ort und Stelle zu ersehen. Also ist die Spiegelfechterei des Herrn Cohen gänzlich deplaziert und nur auf Ablenkung des Lesers abgezielt. Das hilft ihm aber nicht, denn ad 5) breve et efficax iter est per exempla, und so folge für heute dieses einzige Beispiel. In meinen „Briefen aus Königsberg" („Der jüd. Kantor" 1883, Nr. 41, S. 333) schreibe ich über Christian Gerson: Der Apostat Christian Gerson (er stammte aus Halberstadt) spricht sich in seinem „Chelec" (Helmstadt 1610) folgendermaßen über den Talmud aus und bekräftigt es durch das unten folgende Notenbeispiel, welches, so drollig es auch ist, für uns von hohem Interesse sein muß. Die Stelle lautet: „Sonsten ist fast der gantze Thalmud, wie denn auch dieser „Thalmudische Jüdenschatz" in Frag und Antwort beschrieben, und wird von den Jüden auff diese weise gesungen: (Es folgt Sopranschl. und C-Allabreve) g g g g g a g (Pausa) a c c c (Pausa) g g g a g (Pausa) Fraw wie gebt jr die H e-ring? vmb drey Pfennig? Das ist zu thewer, a c c c c (Pausa) g g g a g (Pausa) c a g vmb einen Pfennig? das ist zu wolfeil, darumb vmb 6 6 6 6 zivene Pfenning. und füge in einer Anm. hinzu: „Jede Note und Pause hat die Gestalt resp. den Wert einer Minima, ausgenommen die letzte, welche eine Longa und die zwei vorletzten 6, welche Viertelnoten darstellen." In Jewish Chronicle 1883, Nr. 750, S. 12, Spalte 2 schreibt noch Herr Cohen: „Herr E. Birnbaum, of Koenigsberg, drew my attention to the following amongst other points. The apostate Christian Gerson, in the introduction to his ,,Chelec“, says „the whole of the Talmud is arranged as question and answer, and is thus sung by the Jews“. He then gives the cantillation of a series of question and answer, maliciously putting it to words which might be used im cheapening the price of herrings.“ Das heißt nach der Uebersetzung („Der jüd. Kantor" 1883, Nr. 44, S. 357, Spalte 2): „Herr E. Birnbaum aus Königsberg lenkte meine Aufmerksamkeit unter andern Punkten auf den folgenden: Der Apostat Christ. Gerson sagt in der Einleitung zu seinem „Chelec": der ganze Talmud ist als Frage und Antwort arrangiert und wird derartig von den Juden gesungen. Er gibt dann die Kantillation einer Reihe von Fragen und Antworten, diesen in hämischer Weise Worte unterbreitend, die angewendet werden könnten, um über den Preis von Heringen zu feilschen". In der Enzyklopädie Bd. III, S. 548 (Ende) wird aber mein Name nicht mehr genannt, sondern die Sache einfach so hingestellt, als ob er das Werkchen aus Autopsie kenne. Daß dies nicht der Fall ist, beweist aber das Notenbeispiel auf der nächsten Seite, das nicht, wie er sagt, von ihm in moderne Notation gebracht, sondern einzig allein aus Mißverständnis meines Notenbeispiels korrumpiert ist, weil er das Original nie gesehen und darum meine Darstellung der Noten in Buchstaben mißverstanden hat. Nur darum hat er sich Pausen erdacht, die nie vorhanden waren, nur darum hat er den letzten Takt eine Oktave höher notiert, als das Original ihn aufweist. Also, Herr Cohen, habe ich Ihnen an dem einen Beispiel bewiesen, daß Sie ein Plagiat an mir verübten und die Tatsache mit Ihrem eigenen Zeugnis belegen können. Nun haben Sie das Wort. Haben Sie das Werkchen Christian Gersons bei Niederschreibung Ihres bezeichneten Artikels in der Enzyklopädie im Original gekannt? Für mich ist die Sache für heute abgetan. Wir sehen uns aber in der Ihnen angekündigten Weise wieder: meine Schrift soll in gutem Englisch erscheinen! Ed. Birnbaum, Königsberg. (Eine verständige Antwort.) Herr Stadtrat Salomon Wiener in Kattowitz hat in dankenswerter Weise dem antisemitischen Pfarrer Skowronek in Bogutschütz, der auf seine Weise die Reichstagswahl in Kattowitz dargestellt hatte, eine Antwort erteilt. Beide Schreiben waren an die „Vossische Zeitung" gerichtet. Pfarrer Skowronek in Bogutschütz hatte behauptet, die „Kattowitzer Judenschaft" habe dem polnischen Reichstagsabgeordneten Korfanty zu seiner Wahl gratuliert und ihm einen Blumenstrauß überreicht. In einem späteren Briefe hatte er nun zwar von dem Blumenstrauß und der Judenschaft nicht mehr gesprochen, bei einer „Verbrüderungsszene" aber war er geblieben, da er wörtlich sagte, daß der