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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-05-27 · 22 (27.5.1904) · p. Seite 305

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
22 (27.5.1904)
Date
1904-05-27
Page
Seite 305 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 22 Israelitische Wochenschrift. Seite 305. soll, dürfen wir hier auf die Skizzierung des Inhaltes verzichten. Der Vortrag fand großen Beifall. Die demnächst vorgesehene Lehrprobe mußte wegen Unwohlseins des betreffenden Kollegen ausfallen. Die Behandlung des Verbandsthemas: „Welche Gebiete aus der nachbiblischen Geschichte sind für die verschiedenen Schulsysteme auszuwählen" erfolgte diesmal, da der eigentliche Vortrag darüber bereits früher gehalten worden, nur in der Art, daß die aufgestellten Thesen zur Beratung kamen. Wegen der vorgerückten Zeit, die eine ausführliche Besprechung der Thesen nicht mehr zuließ, wurde beschlossen, dieselben autographisch vervielfältigen und den Mitgliedern zur häuslichen Durchsicht zugehen zu lassen. Die redaktionelle Feststellung des Textes wurde dem Vorstände übertragen. Die Thesen wurden generell angenommen und werden später dem Verbandsvorstande zugestellt werden. Das Schlußreferat hielt Peritz-Königsberg, der über empfehlenswerte Neuerscheinungen auf dem Gebiete jüdischpädagogischer Literatur sprach. Für den Unterricht in der biblischen Geschichte empfahl er zunächst von neueren Büchern Auerbachs „Bibl. Erzählungen" und S. Müllers „Kleine Bibel" bezw. „Ein Buch für unsere Kinder". Wenn heute in der Lehrerschaft ein gewisser Streit herrsche, welches dieser Bücher das bessere sei, so meint der Referent, daß sie beide vorzüglich seien, und daß die Entscheidung, welches von beiden man wählen solle, stets subjektiv ausfallen dürfte. Ihm persönlich sage das Müllersche Buch mehr zu wegen der Wärme des Tones in den Erzählungen, der kindlichen Redeweise besonders in dem ersten Teile und des stufenmäßigen Aufbaues des ganzen Werkes. Vorzüge der Auerbach'schen Bibl. Erzählungen seien die einfache, klare, oft klassisch knappe Sprache in enger Anlehnung an den biblischen Ton. Referent wünscht beiden Schriften die weiteste Verbreitung. — Gewissermaßen mit zu den bibl. Geschichtsbüchern sei auch zu rechnen Herzfelds „Für unsere Unmündigen", ein Buch zum Vorlesen für die Kinder im vorschulpflichtigen Alter, und so ganz zum Ergötzen der Kleinen geschrieben. Dem Unterricht im Siddur-Uebersetzen dürfte in bedeutsamer Weise helfen das Buch: „Ausgewählte Gebete und Psalmen" von Dr. Apolant, ein Buch für die Hand des Lehrers mit den stofflichen Anweisungen für den Uebersetzungsunterricht. Erwünscht wäre die notwendige Ergänzung dazu nach der rein methodischen Seite. Auch für den Unterricht in der jüdischen Geschichte liegt uns eine wertvolle Handhabe für den Lehrer vor in S. M.Dubnow, „Die jüdische Geschichte". Ein philosophischer Versuch. Der Verfasser sichert uns die Höhenblicke beim Durcharbeiten durch das weite Gebiet der biblischen Geschichte. Für das fortbildende Studium in diesem Fach sehr zu empfehlen. — Unsere Jugendliteratur hat eine wertvolle Bereicherung erfahren durch die Volksausgabe in drei getrennten Bänden von M. A. Klausner, „Die Gedichte der Bibel", wohl das Beste, was in poetischer Uebertragung der biblischen Lieder, Gesänge und Reden bisher gezeitigt worden ist. Die Verbreitung dieser Bücher in Schule und Haus wäre eine Tat, durch die sich die Lehrerschaft um die jüdische Religion hochverdient machen würde. — Gleich vorzüglich als Jugendschrift bezeichnet der Referent I. Loewenberg, „Aus jüdischer Seele", eine Liedersammlung, die ihrem Namen voll entspricht, und Dr. B. Kuttners „Jüdische Sagen und Legenden" in drei Bändchen, die bei meist vorzüglicher Auswahl und guter Sprache unsere Kinder mit Lust und Freude in altjüdisches Leben und Empfinden einzuführen verstehen. Referent wünscht, daß all diese Bücher die weiteste Verbreitung finden möchten. Als „Eingesandte" legte Referent der Versammlung dann noch vor: N. Adler, „Hebräische Buchstabenbilder", und Flanters „Jugendfreund", beide Schriften der Versammlung zur näheren Einsicht empfehlend. Es war fast 3 Uhr geworden, als der Vorsitzende die Versammlung schloß. Um 5 Uhr fand das gemeinsame Mittagessen statt, das die Gemeinde Allenstein den Festteilnehmern bot, nachdem ein freies Komitee schon am Abend und zum Frühstück liebenswürdigst für Bewirtung der Mitglieder gesorgt hatte. Im Mittelpunkt der Festfeier stand die Ehrung für unfern lieben Birnbaum, der Stolz und die Freude unsrer provinzialen Vereinigung. Der Verein ließ ihm zu seinem 25jährigen Amtsjubiläum, in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste um den Verein, eine silberne Sederschüffel überreichen. Möge ihm und allen die Allensteiner Tagung in bester Erinnerung bleiben. Ad. Peritz-Königsberg, Vereinsschriftführer. SpvechscrcrU Coulrmrse. Wir erhalten folgende Zuschrift: London, 5. Mai 1904. Herrn Redakteur der „Israelitischen Wochenschrift". Hochgeehrter Herr Redakteur! Auf Seite 246 Ihrer geschätzten Wochenschrift wurde ich von Herrn Ed. Birnbaum wegen „einer Menge Plagiate" öffentlich angeklagt, obgleich er mir „bereits 1883 stark auf die Finger geklopft" hätte. Ich begehe nie Plagiate, und seine jetzige Beschuldigung hat keine bessere Begründung als die, welche er 1883 vorbrachte. Im Jahre 1883 schrieb ich: „Die von Herrn Birnbaum in den Anmerkungen gerügten Jrrtümer rühren nämlich nicht von meinem englischen Vortrage, sondern von der deutschen Uebersetzung her, und werden wiederum ungerechtfertigter Weise dem unschuldigen F. L. E. in die Schuhe geschoben, wovon sich ein jeder Leser des englischen Original-Textes selbst überzeugen kann." So schreibe ich heute auch: Die von Herrn B. in der Anmerkung auf S. 246 der „Wochenschrift" gerügten Jrrtümer rühren nicht von dem wiederum unschuldigen F. L. E., sondern von einer anderen Ouelle her. Der betreffende Artikel „Hazzan" ist nicht von F. L. E., sondern A. Kai unterschrieben. Doch würde ein jeder Leser des Angriffs von Herrn Birnbaum glauben, daß ich der Schuldige wäre. Mit den eigenen Worten des Herrn B.: dies „ist mehr als lächerlich, ist geradezu strafbar". Und warum sollte ich mich vor seiner versprochenen „heimleuchtenden" besonderen Schrift fürchten, wenn er selbst so peinüch genau ist, daß er „Kol nidre“ statt „Kol Rinnah u — tefillah“ schreiben kann? Quis custodiet ipsos custodes? Hochachtungsvoll Francis L. Cohen. Herr Kantor Birnbaum antwortet darauf: Herr Kantor Cohen kann mir nicht entschlüpfen. ad 1) Es hat noch nie einen Plagiator gegeben, der seine Plagiate bekannt hätte, also kein Wunder, wenn sie auch Herr- Cohen nicht bekennen will.

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