Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- Israelitische Wochenschrift
- Issue
- 21 (20.5.1904)
- Date
- 1904-05-20
- Page
- Seite 294 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 294. Israelitische Wochenschrift. 9tr. 21. der Steuerkräfte einzusetzen und hat nur die Veranlagungskommission beauftragt, die nötigen Schritte zu tun. Es erfolgen eine Reihe kleinerer Vorlagen über Zuwendungen an Gemeinde-Institute k. Eine Stiftung des Frl. Lepke von 6000 M. zum Zweck der Grabeserhaltung wird genehmigt; eine^solche von 500 M. des Herrn Nathan Simoni zu gleichem Zweck wird als unzureichend abgelehnt; Herr Siegfried Guttentag stiftet zur Verteilung an Gebrechliche 300 M. Ueber eine Zuwendung von Frau Mathilde Priester an die Alterversorgungsanstalt soll in geheimer Sitzung beraten werden. — Eine längere Debatte knüpft sich an die Bewilligung einer Subvention für die vereinigte Schochare hatob und B'ne Brith-Gemeinde. Der Vorstand hat jedoch nur 2500 M. für die Etatsperiode als Beitrag fixiert. In der Begründung ist hervorgehoben, daß die Subvention im Vorjahr 3200 M. betrug, die Religionsschule, die einen Aufwand von 1300 M. erforderte, nun aufgelöst sei, so daß der jetzt in Aussicht genommene Beitrag noch um 500 M. höher zu normieren wäre, als bisher. Der Ausschuß schließt sich diesen Ausführungen an. Herr Rechtsanwalt Ignatz Cohn bittet die Sache nochmals an die Subventions- Kommission zurückgehen zu lassen; der Kommissar, Herr Landgerichtsrat Loewe, erklärt, die Subventions-Kommission habe sich schon zweimal damit beschäftigt. Es bestehe die begründete Vermutung, daß die Aufstellung des Etats so gemacht worden wäre, um die Möglichkeit zur Deckung alter Rückstände mit Hilfe der geforderten Subvention zu ermöglichen. Der Verein habe 105 Mitglieder, seine Synagoge 500 Plätze; das Bedürfnis dafür aber sei nicht so dringlich, weil die Kaiserstraße in der Nähe sei, durch den Neubau der Synagoge Rykestraße auch diese entlastet wird. An Steuern zahlten die Mitglieder nur 1856 M. und die Gemeinde zahle nun 2500 M. Subvention. Herr Oscar Berlin habe früher nie eine Subvention von mehr als 2000 M. befürwortet. Im Hinblick auf andere Vereine, die weit mehr leisten, z. B. der Verein Beth Zion, der ca. 250 Kindern vorzüglichen Religionsunterricht angedeihen lasse, und deren Subvention geringer ist, müsse hier eine Grenze gesteckt werden. Herr Julius Jacoby beleuchtet noch die irrationelle Wirtschaft. Die Synagoge erfordere für Miete und Entschädigung an die benachbarte Fabrik 3000 M., während für Plätze nur 1300 M. Einnahmen einkämen. Die Schule sei aufgelöst, aber die Ausgaben seien nicht geringer geworden. Herr Levinsky, der im Vorstand des Vereins ist, habe infolgedessen selbst nur für Bewilligung auf ein Jahr gestimmt, weil nach seiner Aussage der Verein sich nicht würde halten können. Herr Ignatz Cohn tritt nochmals lebhaft für seinen Antrag ein, der jedoch abgelehnt wird, nachdem sich die Herren Mannheimer, Kommerzienrat Friedländer für den Antrag des Vorstands ausgesprochen haben, der angenommen wird. — Dem Religionsverein Gesundbrunnen werden 2250 M. für die neue Etatsperiode bewilligt. — Für festgottesdienstliche Veranstaltungen werden erneute Mietsverträge abgeschlossen. — Von einer Erneuerung des Mietsvertrages für die Spichernsäle sieht der Vorstand ab, weil dort am 4. Mai cr. eine der Versammlungen des Grafen Pückler stattgefunden hat. — Professor Blaschke referiert über die Verwendung der Zinsen verschiedener Stiftungen: Referent regt an, gelegentlich Stiftungszinsen zur Zahlung der Schulgeldes an bedürftige Schüler bereitzustellen, wobei Herr Geheimrat Blumenthal den von ihm geleiteten „Hilfsverein für jüdische Schüler" in Erinnerung bringt und um dessen Förderung bittet, da er sehr geringe Mittel zur Verfügung habe. — Alsdann werden noch 220 M. für Orgelreparatur der Synagoge Lützowstraße genehmigt, sowie eine Entschädigung von 1500 M. für Baugerüste der Synagoge Rykestraße. — Als dringliche Vorlagen werden noch behandelt: Die Anschaffung von Inventar für den Neubau in der Rykestraße im Gesamtbeträge von 33 400 M.; die Preisfestsetzung der Synagogenplätze. Es sind angelegt 973 Männer- und 1000 Frauenplätze, die insgesamt 20 230 M. Ertrag liefern sollen. Die Hälfte der Plätze ist über 9 bis 24 M. fixiert, die andere Hälfte verteilt sich auf Preise von 3, 5 und 9 M. Die Anstellung eines Chordirigenten für die Synagoge Rykestraße in der Person des Herrn Alexander Weinbaum. Herr Isidor Sachs berichtet, daß zunächst ein Chor von 40 Männern in Aussicht genommen werden mußte. Da die Aufwendungen für 40 Männer aber sehr hohe sind, regt Referent an, wenn nicht religionsgesetzliche Bedenken im Wege stehen, später einen gemischten Männer- und Frauenchor einzuführen. — Für Verlegung des Sängerchors in der Synagoge Kaiserstraße werden schließlich noch 1200 M. bewilligt und damit die öffentliche Sitzung geschlossen. Berlin, 14. Mai. (Sulzerfeier.) Die am 12. b, M. in der Aula des Sophiengymnasiums abgehaltene Sulzerfeier des erst vor kurzem gegründeten „Vereins zur Pflege hebräischer Musik" nahm einen sehr günstigen Verlauf und hinterließ bei dem zahlreich versammelten Publikum einen vortrefflichen Eindruck. Nachdem Herr Professor Blaschke die Gäste begrüßt und in kurzer Rede die Ziele des Vereins dargetan hatte, begann die eigentliche Feier mit dem Vortrag des Jigdal von Sulzer, dem die Festrede des Herrn Dr. Leopold Hirschberg und zum Schluß Adon olom von Sulzer folgte. Die herrlichen Kompositionen für gemischten Chor wurden unter Leitung des Kapellmeisters Albert Kellermann in bester Weise zur Ausführung gebracht. Die Sänger brachten nach den. Intentionen des Leiters die musikalischen Schönheiten der beiden Werke in feinster Weise zur Geltung. Herr Kellermann verdient die größte Anerkennung für die Einstudierung der Chöre in der kurzen Zeit des Bestehens des Vereins. Herr Dr. Hirschberg legte dar — von Richard Wagners Schrift „Das Judentum in der Musik" ausgehend — daß es ein Irrtum sei, die Juden als Musiker zu verkennen; es habe jüdische Musiker zu allen Zeiten gegeben. Auch Sulzer war ein bedeutender Musiker. Er hat das Verdienst, den bis dahin noch ungeordneten Stoff der Synagogalgesänge geordnet zu haben. In seinen eigenen Kompositionen folgte er den großen Künstlern seiner Zeit, Beethoven, Schubert und Felix Mendelssohn-Bartholdy, mit dem er befreundet war. Der Redner sprach noch von der Begeisterung, die Sulzer als Sänger bei Juden und Nichtjuden hervorgerufen. Der Vortrag errang den Beifall der Hörer. — Wir können nach dieser Probe dem Verein eine glückliche Zukunft verheißen und freuen uns, daß endlich Werke, die bisher unserm jüdischen Publikum verschlossen waren, jetzt in den Aufführungen des Vereins zu Gehör gebracht werden sollen. Berlin, 15. Mai. (Erholungsheim Pankow.) Der Bericht des Vereins Erholungsheim Pankow für das Jahr 1903/1904 ist erschienen. Die Zahl der Mitglieder des Vereins ist von 781 auf 850 gestiegen. Im Berichtsjahr sind 22 Aufnahmegesuche bewilligt worden. Die Kosten für einen Zögling belaufen sich auf 73 Pf. täglich. Zur Entlassung kamen 1 Buchbinder, 1 Chemigraph, 1 Glaser, 1 Gürtler, 1 Klempner, 1 Maler, 3 Mechaniker, 1 Rohrleger, 1 Schirmmacher, 3 Schlosser, 1 Tischler, 1 Uhrmacher. Werlin, 16. Mai. (Vortragsabend.) Die Frauenvereinigung Hanna veranstaltete am Sonnabend, den 14. d. M., in den Brunnensälen einen Vortragsabend mit darauffolgendem gemütlichem Beisammensein. Nach einer Begrüßungsrede der