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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1904-05-20 · 21 (20.5.1904) · p. Seite 291

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
Israelitische Wochenschrift
Issue
21 (20.5.1904)
Date
1904-05-20
Page
Seite 291 (sequence 12)
Language
German
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Nr. 21 Israelitische Wochenschrift. Seite 291. schuldigung der Gegner, als sei das Judentum äußerliche Gesetzesreligion, „Gott will das Herz", Gott will ein reines demütiges Gemüt; das ist der große Schlußakkord der zehnfachen Botschaft vom^Berg der Offenbarung. Das Wort des Herrn hat sich als unverwüstliche Lebenskraft im Sturm der Zeiten bewährt. Es geht das Märchen, daß einem edlen Geschlecht bei der Geburt des Gründers eine gütige Fee einen Baum gepflanzt habe, mit der Bedingung, so lange der Baum grünen wird, wird das Geschlecht blühen, wird aber der Baum gefüllt, dann wird auch der letzte Sproß des Adelshauses rühmlos ins Grab sinken. Die Thora Adonajs ist Israels Lebensbaum; so lange es an ihm festhält, ist es gesegnet. Umi« Milchet Religionslehrer Ostpreußens. Versammlungsbericht. I. Tag. Am Mittwoch den 11. und Donnerstag den 12. Mai cr fand in Allenstein die 15. Jahresversammlung des Vereins statt. Es fand zunächst am 11. abends die Generalversammlung des Vereins statt, bei der außer dem Vertreter des westpreußischen Lehrervereins nur Mitglieder anwesend waren, 52 von 62, die im ganzen zum Verein gehören. Der Vorsitzende Sturmann-Osterode eröffnete die Versammlung und erstattete darauf den Jahresbericht. Er besprach nach der Erwähnung persönlicher Ereignisse die allgemeinen Verhältnisse im Verein, die stets zwischen den einzelnen Gruppen, dem Lehrerverein und dem Synagogenverband die besten sind. Er berührte auch das Verhältnis des Vereins zum allgemeinen Lehrerverband, mit dessen Leitung wir zwar noch immer in einer gewissen Spannung uns befinden, zu dem wir aber treu stehen und von dem wir uns niemals trennen werden. Der Vorsitzende erwähnte noch, daß in den Ausschuß des kürzlich gegründeten Verbandes der deutschen Juden auch der Vorsitzende des Lehrerverbandes, Dr. Fiegel-Charlottenburg, gewählt worden ist. Nach kurzer Debatte erstattete der Vereinskassierer Karo-Allenstein den Kassenbericht, der eine Einnahme von 411,30 M. und eine Ausgabe von 326,50 M. aufwies. Zur Revision der Kasse wurden Rosenthal-Königsberg und Schüler-Guttstadt gewählt. — Den 3. Punkt der Tagesordnung bildete ein Referat von Peritz-Königsberg über „Verbandsfragen." Der Vortragende besprach folgende Punkte: Verbandsstatut, Fortbildungsfrage und Verbands-Pensionskasse. Bezüglich des neuen,Verbandsstatuts führte er aus: die wesentlichste Abänderung, daß fortan ein jeder Verbandsverein durch einen Delegierten im Verbandsvorstand vertreten sein soll und die laufenden Geschäfte durch einen geschästsführenden Ausschuß erledigt werden, ist gut zu heißen und entspricht einem Antrag, den wir in Uebereinstimmung mit dem Verein der Ostprovinzen schon zur vorigen Versammlung eingebracht hatten. Notwendig ist noch eine genauere Präzisierung^:der Kompetenzen jeder dieser Verwaltungs-Instanzen und zu wünschen sei, daß dem Gesamtvorstand, der ja in sich schon eine allgemeine Vertretung der Verbandsvereine darstellt, für wichtige Fragen, deren Erledigung nicht bis zur regelmäßigen Delegiertenversammlung verschoben werden können, selbständige Vollmachten zugestanden werden. Es wird ferner notwendig sein festzusetzen, daß für den Vorstandsdelegierten bei längerer Behinderung ein Stellvertreter eintreten kann. Ebenso dürfte es sich empfehlen, für den geschäftsführenden Ausschuß mehrere Stellvertreter zu ernennen, die erst dann aktiv werden, wenn ein Mitglied des Ausschusses vorzeitig ausscheidet oder längere Zeit behindert ist Die vorgesehene Mindestzahl für Verbandssitzungen wird zu gering erachtet. Die dem Verbandstag unmittelbar sich anschließende konstituierende Vorstandssitzung sollte nicht mitgerechnet werden. Es ist zu erwägen, ob nicht in Fragen, die die Geschäftsführung des Ausschusses, bezw. des Vorstandes zum Gegenstand haben, die betr. Vertreter von dem Recht der Stimmenabgabe auf dem Delegiertentag auszuschließen sind. Es sei wünschenswert, daß der Ausschuß auf Antrag von etwa der Hälfte der Vorstandsmitglieder gehalten sein muß, in bestimmter Frist eine Sitzung des Gesamtvorstandes einzuberufen. Referent hält es für ganz notwendig, darauf zu dringen, daß in dem Passus betr. die Delegierten für den Verbandstag (§ 11), die Unterscheidung von staatlich geprüften Lehrern und andern Mitgliedern (Rabbinern und Religionslehrern mit autodidaktischer Vorbildung) fortfällt und überall nur von Mitgliedern gesprochen wird. Bezüglich § 14 sollte es genügen, wenn die Anträge zwei Monate vor dem Termin des Verbandstages eingereicht werden. Zur Fortbildungsfrage, die bei vorsichtigerer Behandlung seitens des Verbandsvorstandes keine Streitfrage im eigentlichen Sinn hätte zu werden brauchen, bemerkt der Referent, daß die Förderung unseres Vereins weder nach einem orthodoxen noch nach einem freisinnigen Programm geht, sondern nach einem solchen, das als wissenschaftliche Anweisung füralle Kollegen gelten kann. Es sei zu bedauern, daß der Verbandsvorstand für die Verhandlungen des Verbandstages kein Korreferat zu der Arbeit des Dr. Gutmann-Berlin zu bieten vermochte. Die Frage der verbefferten Ausbildung im Seminar (Res. Gut-Köln) hätte gut bis zur Erledigung der Fortbildungsfrage zurückgestellt werden können. In Sachen der Verbands-Pensionskasse besprach der Referent noch einmal die Lage der Verhältnisse nach dem Beschluß der Hamburger Delegierten-Versammlung, außerdem die Stellung des Kuratoriums und dessen Beschlüsse, deren neueste vom Dezember 1903 er besonders beleuchtete und die sich mit den Anträgen von Direktor Adler und Steinhardt wiedersprächen. Der Antrag Steinhardt stehe grundsätzlich auf dem Boden der Beschlüsse des Delegiertentages, fordere aber materiell zu wenig, während der Antrag Adler ganz etwas neues bringe, ohne Beziehung zur Hauptform, aber bedeutsam nur, weil er bezeigt, daß auch Direktor Adler jetzt kein grundsätzliches Hindernis mehr sieht, Gelder von dem Grundkapital für ursprünglich nicht vorhergesehene Zwecke abzutrennen. Materiell aber sei der Antrag Adler und der Beschluß, den das Kuratorium gefaßt hat, abzulehnen. Referent beantragte folgende Resolution: „Der Verein jüdischer Religionslehrer Ostpreußens sieht in der von dem Kuratorium der V. P. K. bekundeten Absicht, Gelder zur Gründung einer Darlehnskasse zu sammeln, ein Vorhaben, das nur zur weiteren Zersplitterung unsrer materiellen Kräfte führen muß. Der Verein erkennt auf dem Gebiet allgemeiner materieller Lehrerförderung nichts dringlicher an, als eine Verbesserung der Versorgungsverhältnisse und hält für notwendig, daß die Mittel des Verbandes zunächst ausschließlich dieser Aufgabe zugewendet werden. Zur Vertretung allgemeiner Verbandsinteressen erachtet der Verein das Kuratorium der V. P. K. so lange nicht geeignet, als es sich nicht mit seinen Absichten und Maßnahmen unbedingt dem Willen der Verbandsleitung unterstellt." Der Antrag wurde einstimmig angenommen. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildeten die Wahlen zum Delegiertentag in Kassel. Es wurden gewählt:

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